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	<title>Abenteuer der Mormonen</title>
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	<description>Hier veröffentliche ich abenteuerliche Lebensgeschichten der Mormonen</description>
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		<title>Atlantiküberquerung auf der Olympus</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jun 2008 04:38:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Während die Mitglieder sich hastig auf das herrliche Segelschiff drängten, das den Namen Olympus trug, prophezeite ein Apostel, ihre Reise würde schrecklich, aber erfolgreich verlaufen.John Taylor, der über die französische Mission präsidierte, hielt sich Anfang März 1851 in kirchlichen Angelegenheiten in England auf. Er nahm sich die Zeit, von Freunden, Neugetauften und Missionaren Abschied zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Während die Mitglieder sich hastig auf das herrliche Segelschiff drängten, das den Namen Olympus trug, prophezeite ein Apostel, ihre Reise würde schrecklich, aber erfolgreich verlaufen.<br />John Taylor, der über die französische Mission präsidierte, hielt sich Anfang März 1851 in kirchlichen Angelegenheiten in England auf. Er nahm sich die Zeit, von Freunden, Neugetauften und Missionaren Abschied zu nehmen, die von Liverpool aus auf der Olympus nach Amerika segeln wollten. Einer seiner Freunde war William Howell, der ein Jahr zuvor die französische Mission eröffnet hatte und zum präsidierenden Altesten über die 245 Mitglieder ernannt worden war, die nach Amerika wollten. Bruder Taylor wünschte allen eine gute Reise. Dann prophezeite er, daß die Olympus von Stürmen heimgesucht werden würde und daß die Mitglieder unter bösen Geistern und Krankheit leiden würden, aber „Gott würde sie in aller Gefahr bewahren und zu einem sicheren Hafen geleiten”.<br />Bis New Orleans brauchte ein Schiff normalerweise rund fünf Wochen, wenn das Meer mitmachte. Wenn alles gutging, würden diese Mitglieder, die am 4. März abfuhren, bis Mitte April in Amerika ankommen, so daß sie den Mississippi hochfahren konnten, ehe das Gebiet, durch das sie fahren mußten, von der tödlichen Choleraepidemie befallen wurde, die dort in den Frühlings- und Sommermonaten wütete. Dies war die fünfte Auswanderergruppe der Mormonen, die 1850 /51 fuhr, und die nächste war erst für den darauf folgenden Januar geplant. Kapitän Wilson, ein erfahrener Seemann, befehligte die Olympus, ihre Mannschaft, die Mitglieder der Kirche und die annähernd 60 Passagiere, die keine Mitglieder waren.<br />Die Schwierigkeiten, die Bruder Taylor vorhergesagt hatte, begannen bereits in einer der ersten Nächte auf See. Unter Deck lagen fast 400 Seelen in tiefem Schlaf. Ihre Kojen drängten sich in dem Raum, der 27 Meter lang und 7 Meter breit war, eng aneinander. „Mitten in der Nacht” sprang ein dreizehnjähriger Junge mit einem Satz aus seiner Koje und schrie aus Leibeskräften immer wieder den Namen eines Mitreisenden. Die Eltern des Jungen und sein Bruder und seine Schwester konnten ihn nicht beruhigen. „Es war schnell klar”, berichtet ihr Reisegefährte Wilson Nowers, „daß er von einem bösen Geist besessen war.” Durch einen Priestertumssegen wurde der böse Geist ausgetrieben.<br />Ein weiterer Teil der Prophezeiung von John Taylor fand schnelle Erfüllung. Kaum hatte die Olympus die schreckliche Irische See erreicht, da peitschten bereits Tag und Nacht riesige Wellen gegen die hölzernen Wände des Schiffs. Drei Wochen lang waren die Passagiere, die dabei hin und her geworfen wurden, seekrank und „litten sehr unter dieser Last”. Schließlich brachte ein ruhiger Tag Erleichterung, und die Passagiere hatten das Gefühl, sie hätten das Schlimmste überstanden. Doch Kapitän Wilsons geübter Blick sah am Horizont eine Wolke, die unaufhaltsam auf das Schiff zueilte. Zuerst war sie nicht größer als ein Männerhut, dann wuchs sie bedrohlich an.<br />In höchster Eile rief der Kapitän beide Schichten seiner Mannschaft an Deck und ließ alle Segel einholen. Bruder Nowers und Edmund Fuller, ein zwanzigjähriger Zimmermann aus Dover, durften an Deck bleiben und den Seeleuten helfen (im weiteren Verlauf der Reise verliebte sich Edmund Fuller in eine Mormonin namens Adelaide Jelley, schloß sich der Kirche an und heiratete Adelaide in St. Louis).<br />Die Segel waren gestrichen, die Passagiere unter Deck geeilt, da schlug der neue Sturm auch schon mit voller Wucht zu. Die Olympus wankte hin und her „wie ein Betrunkener”. Die Sturmbö warf den Fockmast über Bord. Der Mast riß beinah ein paar Männer mit, denn er mußte mit Äxten aus seiner Verankerung gelöst werden. Wind und Wellen beschädigten auch den Hauptmast. Die Olympus lag auf der Seite und war manövrierunfähig. Das Schiff kämpfte sich inmitten der tobenden Winde durch die dunkle Nacht. Die Wände bekamen Risse, und Wasser drang ein.<br />Zwei Stunden nach Ausbruch des Sturms, gegen acht Uhr abends, stand das Wasser über einen Meter hoch im Rumpf des Schiffs, und die Pumpen wurden eingesetzt. An Deck mußten sich Bruder Nowers und Edmund Fuller an den Pumpen festbinden, weil das knietiefe Wasser sie sonst über Bord gespült hätte. Stunde um Stunde wütete der Sturm. Immer mehr Wasser drang in die Olympus ein.<br />Um Mitternacht waren der Kapitän, die Mannschaft und die Männer an Deck verzweifelt, denn der Sturm schien nicht nachlassen zu wollen. Bruder Nowers hörte, wie der Kapitän seinem zweiten Maat sagte, er solle unter Deck gehen und dem Mormonenpräsidenten Howell ausrichten, „wenn der Gott der Mormonen irgend etwas tun könne, um das Schiff und die Menschen zu retten, sollten sie ihn am besten sofort darum bitten”. Der Kapitän gab zu, daß die Olympus trotz der Anstrengungen der Mannschaft mit einer Geschwindigkeit von 30 Zentimetern in der Stunde sank und daß sie bei Tagesanbruch den Meeresboden erreicht haben würde, wenn der Sturm nicht aufhörte.<br />Der zweite Maat bat Bruder Nowers, ihn nach unten zu begleiten, um den Mormonen die Nachricht zu überbringen. Sobald die Wellen, die das Deck überspülten, es zuließen, öffneten die beiden die Luke und eilten unter Deck. Sie fanden Bruder Howell im Bett und richteten ihm aus, was der Kapitän gesagt hatte.<br />„In Ordnung”, sagte Bruder Howell ruhig. „Sie können Kapitän Wilson bestellen, daß wir nicht auf den Meeresboden landen werden, denn wir haben uns in Liverpool eingeschifft, um nach Nea Orleans zu fahren, und werden sicher dort ankommen. Unser Gott wird um beschützen.” Hamilton kehrte an Deck zurück und überbrachte dem Kapitär die Antwort.<br />Bruder Nowers, der tropfnaß in der Kajüte stand, entging das totale Chaos nicht. Überall rollten die Koffer und Kisten über den Boden, wenn das Schiff schwankte und bebte. Manche Passagiere weinten. Andere beteten. Wieder andere warteten still.<br />Präsident Howell stand schnell auf, zog sich an und rief ein Dutzend Brüder, darunter Wilson Nowers, der noch nicht lange Mitglied war, zusammen. Sie knieten im Kreis nieder, und der Reihe nach betete jeder laut darum, der Herr möge das Schiff verschonen. Bruder Howell betete als letzter.<br />„Während er noch betete”, sagte Bruder Nowers, „bemerkte ich, daß sich am Schwanken des Schiffs etwas Wesentliches änderte.” Statt gewaltig hin und her zu schwanken, schien die Olympus zu zittern „wie jemand, der stark erkältet war”. Er konnte nicht glauben, daß das Schiff sank. Aber er konnte auch nicht glauben, daß der Sturm so plötzlich aufgehört hatte.<br />Nach dem letzten tiefempfundenen Amen schickte Bruder Howell die Männer wieder ins Bett. Bruder Nowers kehrte jedoch zur Pumpe an Deck zurück. Dort stellte er zu seinem größten Erstaunen fest, daß „der Sturm auf wunderbare Weise nachgelassen hatte; der Wind hatte sich gelegt, und in der direkten Umgebung des Schiffs waren die Wellen still, während der Sturm in der Ferne noch weiterwütete”. Durch diese plötzliche Änderung hatte die Olympus angefangen zu zittern.<br />Bis Tagesanbruch wurde weitergepumpt. Als der Sonntagmorgen hell und klar anbrach, gab Kapitän Wilson zu, daß er getan hatte, was er konnte, ehe er die Mormonen um Hilfe gebeten hatte, und daß nur die Hand Gottes das sinkende Schiff gerettet hatte.<br />Während die Seeleute an Stelle des zerstörten Fockmasts einen behelfsmäßigen Mast errichteten, strömten die Passagiere an Deck. Mitglieder und Nichtmitglieder vereinten sich zum Dankgebet. Die Reisenden legten saubere Kleider an, und zum erstenmal seit Anbruch der Fahrt Liverpool tauchten glatt rasierte Gesichter an Deck auf. Eine Abordnung der Mitglieder erhielt von Kapitän Wilson die Genehmigung, die sonntäglichen Gottesdienste abzuhalten.<br />An diesem Tag, dem 23. März, fand nach den Predigten und Liedern ein Taufgottesdienst statt. In den ersten drei Wochen der Fahrt hatten sich einige Mitreisende bekehrt und wollten sich taufen lassen. Der Kapitän gestattete, daß ein großes Wasserfaß an Deck gebracht wurde. Innen und außen wurden Leitern angelegt, und das Faß wurde bis in Hüfthöhe mit Meereswasser gefüllt. Einundzwanzig Menschen, Männer und Frauen, wurden getauft. Am nächsten Tag wurden sie konfirmiert, es wurde das Abendmahl gehalten, und man salbte die Kranken.<br />Im Verlauf der Reise übten die Mitglieder durch ihr beispielhaftes Verhalten einen positiven Einfluß auf die anderen aus. Die anderen kamen zu den Gebetsversammlungen um 10 Uhr morgens und 9 Uhr abends und zu den regelmäßig stattfindenden Predigtgottesdiensten, auf denen fünf bis sechs Brüder kurz sprachen. Sie waren Zeugen vieler Gaben des Geistes erlebten Prophezeiung, Sprechen in fremden Sprachen und Krankenheilungen. Sie kamen mit ihren Kindern in die Tagesschule der Mormonen und hörten abends die Vorträge der Ältesten zu verschiedenen weltlichen Themen.<br />Durch diesen Kontakt mit Mitgliedern erfolgten weitere Bekehrungen.<br />Beim zweiten Taufgottesdienst wurden 20 Männer im Ozean selbst getauft. Die größte Falltür des Schiffes wurde an Seilen ins Wasser hinuntergelassen und bildete so eine schwimmende Plattform. Bruder Smith und weitere Brüder setzten sich darauf und ließen die Beine ins Wasser hängen. Sie waren alle durch ein Seil abgesichert. Der Täufling setzte sich links neben den Altesten,. der ihn taufte. Der Alteste griff mit der rechten Hand den Gürtel des Täuflings und mit der linken dessen Halskragen. Der Täufling hielt sich am Handgelenk des Täufers fest. Dann wurde der Täufling „in das Salzwasser getaucht und wieder hervorgebracht”.<br />Als die Passagiere der Olympus Ende April in New Orleans on Bord gingen und auf den Dampfer Atlantic nach St. Louis umstiegen, hatten sich 50 von den anderen bekehrt und sich taufen lassen. In St. Louis trennte man sich voneinander. Manche suchten dort Arbeit. Andere machten auf dem Dampfer Statesman die dreizehntägige Reise nach Kannesville in Iowa, wo 150 Planwagen für den Treck nach dem Westen bereitgemacht wurden. Die Passagiere der Olympus erlebten einen weiteren großen Missionarserfolg, als die Köche und einfachen Matrosen der Statesman, die von den Heiligen der Letzten Tage ungeheuer beeindruckt waren, geschlossen das Schiff verließen, nachdem es in Kannesville angekommen war, um mit den Mitgliedern die Prärien zu überqueren und bei den Heiligen der Letzten Tage in Utah zu leben.</font><br />
<em>William Hartley, Juli 1979<br />
</em></p>
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		<title>Willard Bean, der „kämpferische Geistliche“</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jun 2008 05:24:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als Willard Bean und seine Frau im Frühjahr 1915 nach Palmyra in New York zogen, waren sie seit vierundachtzig Jahren die ersten Heiligen, die wieder in dieser Stadt lebten. Sie hatten eine große Aufgabe vor scih, sie sollten nämlich in diesem Gebiet, das für seine Vorurteile gegen die Heiligen der Letzten Tage bekannt war, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Als Willard Bean und seine Frau im Frühjahr 1915 nach Palmyra in New York zogen, waren sie seit vierundachtzig Jahren die ersten Heiligen, die wieder in dieser Stadt lebten. Sie hatten eine große Aufgabe vor scih, sie sollten nämlich in diesem Gebiet, das für seine Vorurteile gegen die Heiligen der Letzten Tage bekannt war, das Evangelium predigen und Freundschaften schließen.<br />
Acht Jahre vorher, 1907, hatte Elder George Albert Smith von einem Mann namens William Avery Chapman Joseph Smiths Farm gekauft. Mr. Chapman hatte darum gebeten, so lange auf der Farm wohnen bleiben zu dürfen, bis er einen anderen angemessenen Wohnsitz gefunden habe. Er blieb noch sieben Jahre dort wohnen, also bis 1914. Dann begann sich Präsident Joseph F. Smith nach dem richtigen Mann umzusehen, der mit seiner Familie nach Palmyra ziehen, auf der Farm wohnen und die Kirche repräsentieren könnte.<br />
Willard Bean und Rebecca Petersen waren noch nicht einmal ein Jahr verheiratet. Zu Beginn des Jahres 1915 besuchten sie eine Konferenz der Kirche in Richfield, Utah. Vor der Versammlung nahm Rebecca ihren Platz auf der Gallerie ein, wo der Chor saß, und Willard unterhielt sich mit Bekannten vor dem Gemeindehaus. Gerade als Willard Bean das Gebäude durch die Seitentür betrat, stand Präsident. Smith auf und sagte: „Darf ich Willard Bean zum Podium bitten?“<br />
„Willard“, sagte er, „ich habe eine Aufgabe für Sie. Ich werde Ihnen mehr sagen, wenn die Versammlung vorüber ist.“ Später erklärte Präsident Smith: „Als Willard Bean durch die Tür trat, kam mir ein starker Eindruck, fast so, als wenn ein Stimme zu mir gesagt hätte: ‚Das ist der Mann’“ Als er Willard und Rebecca Bean in jenem Frühling in ihre Aufgabe einsetzte, sagte er ihnen, daß sie sich in Palmyra vielen Vorurteilen gegenübersehen würden. Aber er fügte auch voller Vertrauen hinzu: </font><font size="3"> „</font><font size="3">Willard, ich kenne sie und Ihre Missionsarbeit und Ihre Kämpfernatur, und ich bin sicher, daß ich den richtigen Mann schicke.“</font></p>
<p><img src="http://www.bilder-hochladen.net/files/5pnd-2c.jpg" height="306" width="389" /></p>
<p><font size="3">Das Gerücht, die Mormonen kämen zurück, verbreitete sich schnell in Palmyra. Die Einwohner waren wütend. Weil Willard Bean eine junge Frau und zwei Kinder aus einer früheren Ehe mitbrachte, wurde er gleich als Polygamist abgestempelt. Niemand wollte mit ihm sprechen, in den Läden wurde er nicht bedient, und die Einwohner gingen auf die andere Straßenseite, wenn sie ihren Hund spazieren führten und ihm begegneten. Zwei Jahre lang mußten sie mit dem Pferdewagen in die Nachbarstädte fahren, um für ihren Lebensunterhalt einzukaufen.<br />
Er hatte schon vor seiner Mission in Tennessee von 1893 bis 1895 Vorurteile erlebt. Aber seine junge Frau war es nicht gewöhnt, so behandelt zu werden, und sie war tief verletzt, wenn die Leute an ihrem Haus vorbeiliefen, Obszönitäten schrien, sie beschimpften und ihnen nahe legten, nach Utah zurückzukehren, wo sie hergekommen waren.<br />
Als sie das erste Mal einen Ausflug zum Hügel Cumorah machten, trafen sie auf einen Mann mit einem Gewehr in der Hand, der ihnen unmißverständlich klarmachte, daß Mormonen niemals auf den Hügel steigen dürften.<br />
Als die Beans erst kurz in Palmyra wohnten, versammelten sich die Einwohner und schickten eine Abordnung auf die Farm.<br />
„Kommen sie doch herein“; forderte Willard Bean sie auf.<br />
Aber sie antworteten: „Nein, Mr. Bean. Kommen Sie heraus. Wir haben eine Versammlung abgehalten und sind als Abordnung hierhergeschickt worden, um Ihnen zu sagen, daß Sie auf Wunsch der Einwohner Palmyra verlassen sollen. Wir wollen hier keine Mormonen mehr..“<br />
„Das tut mir sehr leid. Wir sind mit der Hoffnung hierhergekommen, daß wir mit Ihnen zusammenleben und dem Gemeinwesen Nutzen bringen könnten. Und ich sage ihnen: Wir werden hierbleiben, auch wenn wir deshalb kämpfen müssen. Ich nehme es nach Belieben mit einem oder mit dreien auf. Wir werden hierbleiben.“ Die drei Männer gingen davon, und niemand hat je wieder etwas von ihnen gehört.<br />
Die drei Männer hatten es nicht gewußt, aber es wurde dann schnell in der Stadt bekannt, daß Willard Bean Berufsboxer war. Er war Meister im Mittelgewicht in den Vereinigten Staaten. Seine Fähigkeiten beim Boxen brachten ihm die Bezeichnung „der kämpferische Geistliche“ ein und erwiesen sich für ihn mehr als einmal als sehr nützlich.<br />
In den folgenden Monaten wurden mehrere Redner nach Palmyra geholt, die Vorträge gegen die Mormonen hielten. Zu den eindrucksvollsten gehörte Lulu Loveland Shepard aus Pittsburgh, die die ganze Stadt mit einer Lügentirade gegen die Kirche in Aufruhr versetzte.<br />
Auch mehrere andere Redner kamen nach Palmyra, um gegen den Mormonismus zu predigen. Aber Willard war für sie ein schwerer Gegner, so wie Heber J. Grant es vor Jahren im Missionsfeld gesagt hatte: „Ich kenne keinen Mann in der Kirche, der soviel Schriftstellen zitieren kann wie Willard Bean.“ Er kannte die Bibel gut, und es fiel ihm nicht schwer, in jeder Diskussion mit einem anderen Geistlichen, sei er nun aus Palmyra oder aus einer anderen Stadt, die Oberhand zu behalten.<br />
Manche Geistliche zogen es vor, Willard Bean und die Heiligen der Letzten Tage in Zeigungsartikeln anzugreifen, anstatt selbst mit ihnen zu diskutieren. Ein Geistlicher tat das mehrere Male und mißachtete Willard Beans Bereitschaft, sich mit ihm zu einer öffentlichen Diskussion zusammenzusetzen. Willard Bean antwortete schließlich, indem er einen eigenen Artikel in der Zeitung von Palmyra veröffentlichte:<br />
„Ich bin nicht nach Palmyra gekommen, um gegen andere Kirchen oder gegen Menschen zu kämpfen,  die eine andere Religion oder keine Religion haben. Ich bin von Natur aus ein toleranter und friedliebender Mann, und ich hatte gehofft, zum besseren Teil der Stadt zu passen und für das sittliche Vorankommen und die Verbesserung des Gemeinwesens meinen Beitrag leisten zu können. Aber ich habe auch ein bißchen Kämpferblut in meinen Adern, und wenn ich oder meine Leute auf gehässige Weise von Rufmördern angegriffen werden, dann halte ich es für mein Recht und meine Pflicht, mich zu verteidigen. Ich möchte Ihnen folgendes ans Herz legen: Falls sich weiterhin ein Geistlicher genötigt sieht, meine Religion bloßzustellen, dann braucht er nicht nach bezahlten Hetzern gegen den sogenannten Mormonismus  zu schicken. Das besorge ich schon umsonst.“<br />
Danach gab es nur noch wenige Versuche, die Kirche in Verruf zu bringen. Ein paarmal wurden Diskussionen angesetzt, aber seltsamerweise wurden die Sprecher der Gegenseite immer ein der zwei Tage vorher aus der Stadt abberufen. Die Beans hatten zwar schließlich den Kampf ums Überleben gewonnen, aber die Atmosphäre in der Stadt ließ immer noch viel zu wünschen übrig.<br />
Willard Bean wollte das Eis brechen und schlug daher vor, einen Boxkampf zu organisieren. Im alten Opernhaus mitten in der Stadt wurde ein Ring aufgestellt und der kämpferische Geistliche, der in der Stadt nicht im Ruf der Schüchternheit stand, forderte jeden auf, mit ihm in den Ring zu gehen.</font></p>
<p><img src="http://www.bilder-hochladen.net/files/5pnd-2d.jpg" /><font size="3"><br />
Als der Abend, an dem der Boxkampf stattfinden sollte, herangekommen war, saßen die größten Prahlhänse der Stadt in den ersten drei Reihen. Als es losging, stieg der erste in den Ring. Aber er kam gar nicht dazu, dem anderen einen Hieb zu versetzen, denn nach fünfzehn Sekunden war er bereits k. o. Während er aus dem Ring getragen wurde, stieg der zweite Kandidat hinein, und auch er wurde nach wenigen Sekunden hinausgetragen. Und so ging das weiter, bis der siebte Herausforderter aus dem Ring getragen wurde </font><font size="3">–</font><font size="3"> keiner hatte auch nur eine Runde überstanden. Der achte Mann zog daraufhin seine Meldung zum Boxkampf gegen Bean zurück, und es ließ sich auch kein weiterer Gegner finden.<br />
Fast so eindrucksvoll wie Willards Sieg waren seine Gymnastikeinlagen zwischen den Kämpfen. Während seine Gegner aus dem Ring getragen wurden, machte er Saltos rückwärts und andere Kunststückchen.<br />
Der Kampf war ein großer Erfolg, und danach wurden die Leute freundlicher. Willard Bean begann, Straßen- und Hausversammlungen abzuhalten. Mit Rebeccas stimmlichen Geschick und Willards lauter Stimme brachten sie schon eine ganz schöne Menschenmenge zusammen. Der Bankier der Stadt, Pliny T. Sexton, wollte ihnen helfen und gestattete ihnen, im Park gegenüber der Bank zu predigen. Er arrangierte es, daß Willard Bean den Musikpavillon als Podium benutzen durfte, und er sorgte dafür, daß nachts die Scheinwerfer brannten. Bald versammelten sich regelmäßig zwischen zweihundert und vierhundert Zuhörer.<br />
Der Auftrag, den Willard Bean von der Ersten Präsidentschaft gekommen hatte, beschränkte sich nicht darauf, Freundschaften zu schließen und Menschen zu bekehren Er sollte auch dafür sorgen, daß die Kirche, wann immer möglich, historische Stätten in und um Palmyra erwerben konnte. Pliny Sexton besaß den Hügel Cumorah, und es lag Bean besonders viel daran, ihn zu erwerben.<br />
Präsident Heber J. Grant und sein Ratgeber, Charles W. Nibley, gingen eines Nachmittags gemeinsam mit Dean zu Mr. Sexton. Der Eigentümer verlangte 100.000 Dollar für den Hügel, und Bean warf dem geizigen Bankier scherzhaft vor, er sei auf das Gerede der Leute über den sagenhaften Reichtum der Mormonenkirche hereingefallen. Dann ließ er ihn wissen, daß die Kirche während der letzten hundert Jahre ganz gut ohne den Hügel ausgekommen sei und das auch weiterhin tun werde, bis er ein realistisches Angebot mache.<br />
Auf dem Rückweg zur Farm sagte Präsident Nibley vertrauensvoll: „Wenn der Herr möchte, daß dieser Hügel in unseren Besitz übergeht, dann wird sich eine Möglichkeit dazu auftun.“<br />
Seine Vorhersagen erwies sich als richtig. Als Mr. Sexton gestorben war, fiel sein Grundstück an mehrere entfernte Nichten, die schworen, daß sie den Hügel niemals verkaufen würden, zu welchem Preis auch immer. Aber dann starben nacheinander auch die Nichten. Schließlich rief der Rechtsanwalt, der Mr. Sextons Grundbesitz verwaltete, Willard Bean eines Nachmittags im Februar 1928 in sein Büro und sagte, nun sei der Zeitpunkt gekommen, um sich über den Verkauf des Hügels zu einigen. Willard konnte als den Hügel Cumorah kaufen, außerdem drei Farmen, die am Fuß des Hügels lagen, und Grace Hall, ein Gebäude, das ein schönes Gemeindehaus für die Heiligen abgeben würde. Das waren zusammen über sechshundert Morgen Land, und alles zusammen für nur 53.000 Dollar. Während der folgenden Generalkonferenz sagte Präsident Grant: „Wir haben kürzlich den Hügel Cumorah erworben, und es sieht sehr danach aus, da dieser Kauf mit Gottes Hilfe zustande kam.“<br />
In den folgenden Jahren trug Willard Bean dazu bei, daß die Farmen Martin Harris und Peter Whitmers erworben werden konnten. Außerdem sorgte er dafür, da der Hügel Cumorah wieder aufgeforstet wurde, um seine natürliche Schönheit wiederherzustellen, die bestanden hatte, als Joseph Smith die Goldplatten erhielt. Mit Hilfe seiner drei Söhne, den örtlichen Missionaren und bezahlten Hilfskräften pflanzte er 65.000 junge immergrüne Bäume und außerdem 3000 Hartholzbäume, die aus der Randzone des heiligen Hains ausgegraben worden waren. Heute bedeckt ein mächtiger Wald dieses herrliche Wahrzeichen der Kirche.<br />
Von der eigentlichen Verfolgung war in Palmyra nur noch en schwacher Abklatsch übriggeblieben, und Willard und Rebecca Bean sowie ihre Kinder wurden als Bürger anerkannt. Man forderte sie auf, sich der Eltern-Lehrer-Organisation anzuschließen. Willard Bean wurde in den Aufsichtrat gewählt, er wurde Stammitglied im Palmyra Lion’s Club und dann dessen Präsident. Außerdem wurde er in das Pfadfinderkomitee für den Kreis Wayne gewählt, wurde Beamter in der Vereinigung der „Bürger und Geschäftsleute“ und Mitglied der Handelskammer von Rochester. Er nahm gerne jede Einladung an, vor Geschäfts und Zivilorganisationen zu sprechen.<br />
Rebecca Bean war erste FHV-Leiterin in Palmyra.  Jeder, der sie kannte, achtete und bewunderte sie. Die Wohlfahrtsorganisationen am Ort arbeiteten mit ihr zusammen und besorgten gerne das Material für den Dienst am Nächsten, beispielsweise ganze Stoffballen.<br />
Die Kinder der Beans, die einst an einem Tisch in der entferntesten Ecke des Klassenzimmers hatten sitzen müssen, zeichneten sich durch hervorragende Schulleistungen aus. Alvin Bean vertrat Kreis Wayne beim Rechtschreibwettbewerb auf der Ausstellung des Staates New York in Syracuse. Sohn Dawn und Tochter Palmyra hielten jeweils für ihre Klasse die Rede bei der Schulfeier, als sie die Schule beendet hatten. Außerdem wurden die Kinder erfolgreiche Sportler.<br />
Auf der Farm waren oft Kirchenführer zu Gast, und bald wurden die Missionarskonferenzen der Oststaaten im Heiligen Hain abgehalten. 1926 wurde unter der Leitung von Willard Bean zum ersten Mal ein Stück aufgeführt, das als Vorreiter der heutigen Freilichtspiels am Hügel Cumorah anzusehen ist.<br />
Willard und Rebecca Bean waren „für fünf Jahre oder länger“ nach Palmyra geschickt worden. Es wurde „länger“ daraus, und es dauerte insgesamt gut fünfundzwanzig Jahre, bis sie von ihrer Aufgabe auf der Farm entbunden wurden. Sie waren als Jungvermählte im Staat New York angekommen, und sie verließen die Farm als Großeltern. Während sie dort lebten, schenkte Rebecca Bean vier Kindern das Leben. Jedes Kind wuchs mit dem Bewußtsein der geistigen Ereignisse auf, die sich dort zugetragen hatten, und als sie die Farm verließen, besaß jedes Kind ein gutfundiertes Zeugnis vom Evangelium.<br />
Es erfüllte die Beans mit großer Befriedigung, als sie beobachten konnten, wie sich die Atmosphäre in der Stadt wandelte  von Eiseskälte zu Achtung und Bewunderung. Als sie ihren Wegzug aus Palmyra vorbereiteten, gaben die Bewohner der Stadt ihnen zu Ehren Partysund Bankette, um ihnen zu zeigen, wie gern sie sie hatten. Die Beans hatten wirklich ihr Herz gewonnen.</font><br />
Vicky Bean Zimmerman, Oktober 1985</p>
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		<title>„Verlaßt das Dorf, oder wir bringen euch um!”</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jun 2008 19:43:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum ehrt ein Sohn seinen Vater? Sekeli Sale Manu, das zweitjüngste in einer Familie mit elf Kindern, könnte Ihnen erklären, warum er es tut, denn wenn er von seinem Vater, Sale, spricht, legt er eine bewegende Ehrfurcht an den Tag.Als Sekeli zehn Jahre alt war, wurden sein Vater und seine Familie als Missionare berufen. Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Warum ehrt ein Sohn seinen Vater? Sekeli Sale Manu, das zweitjüngste in einer Familie mit elf Kindern, könnte Ihnen erklären, warum er es tut, denn wenn er von seinem Vater, Sale, spricht, legt er eine bewegende Ehrfurcht an den Tag.<br />Als Sekeli zehn Jahre alt war, wurden sein Vater und seine Familie als Missionare berufen. Sie sollten nach Satupaitea (auch „Mosula” genannt) in Westsamoa gehen und in diesem Dorf eine Gemeinde der Kirche gründen. Dort aber wurden die Mormonen gehaßt und verfolgt. Einmal griff eine aufgebracht Pöbelrotte, die von einem örtlichen Geistlichen angeführt wurde, die Familie Manu an, als diese gerade die Kranken besuchte. Sekeli weiß noch, wie er samt allen seinen Geschwistern zu Boden gestoßen wurde und wie der Geistliche seinen Vater gegen einen Baum stieß, ihm seine Machete an den Hals setzte und sagte: „Warum machst du mir meine Schafe abspenstig?”<br />Sale Manu antwortete: „Weil du dieses Volk täuschst und die Wahrheit nicht kennst.” Der Geistliche drohte, man werde ihn und alle seine Angehörigen umbringen, wenn sie nicht ihren Glauben verleugneten. Darauf erwiderte Sale Manu: „Ich werde nicht verleugnen, daß Joseph Smith ein Prophet Gottes war.” Zwar wurde die Drohung nicht wahr gemacht, doch hörten die Belästigungen nicht auf. Schließlich kam eine Botschaft vom Oberhäuptling des Dorfes: „Verlaßt das Dorf, oder wir bringen euch um!” Sale Manu paddelte zwei Tage und zwei Nächte mit seinem Auslegerkanu, um den Missionspräsidenten, John Adams, aufzusuchen und um Rat zu fragen. Dieser wies ihn an, die Sache dem Herrn im Gebet vorzutragen. Er versicherte ihm, daß der Herr sein Beten erhören würde. Wieder verbrachte er zwei Tage und zwei Nächte auf dem Wasser, um zu seiner Familie zurückzukehren, die sich sehr ängstigte. Unterwegs betete er, der Herr möge ihn führen. Nach seiner Ankunft versammelte er seine Angehörigen um sich und sagte: „Es ist der Wille des Herrn, daß wir auf dieser Insel und in diesem Dorf bleiben und, wenn es nötig ist, unser Zeugnis davon, daß Joseph Smith ein Prophet Gottes war, mit unserem Blut besiegeln.”<br />Am 24. Dezember 1945 wurde ihr Garten verwüstet. Man fällte ihre Bäume und riß die Ananasstauden aus. Der Oberhäuptling des Dorfes gab ihnen bis zum nächsten Morgen Zeit, das Dorf zu verlassen. Andernfalls würde man sie, so drohte er, lebendig verbrennen.<br />Am Morgen des ersten Weihnachtstages kniete die Familie Manu sich zum Beten nieder. Jeder trug seine besten Kleider. Für die Jungen waren nicht genügend weiße Hemden vorhanden, und so konnte Sekeli keines tragen. Als der Mob das Haus anzündete, zog sich die Familie in die außerhalb des Hauses angelegte Küche zurück, doch auch diese wurde bald angesteckt.<br />Auf Befehl des Oberhäuptlings wurde ein riesiges Feuer entzündet, und man gab der Familie Manu eine letzte Chance, das Dorf zu verlassen. Sale Manu ließ sich jedoch nicht einschüchtern. „Ich bin hier, weil meine Kirche wahr ist und weil ich niemals meinen Glauben verleugnen werde. Ich bin bereit, zu sterben und mein Zeugnis davon, daß die Mormonenkirche die wahre Kirche Gottes ist, zu besiegeln.”<br />Das riesige Feuer loderte so heftig, daß alle zurücktreten mußten. Der Oberhäuptling sagte: „Safe Manu, ich habe dir eine Chance gegeben, dein Leben und das Leben deiner Familie zu retten. Was hast du zu sagen?”<br />Sale Manu erwiderte: „Wir sind bereit zu sterben! Worauf wartest du noch?”<br />Da wurde der Oberhäuptling schwach. „Jetzt weiß ich, daß du ein Mann Gottes bist und ich diese Tat nicht tun kann”, sagte er. Ein Dorfbewohner nach dem anderen entfernte sich. Das große Feuer brannte nieder. Am Abend desselben Tages kam die Polizei und verhaftete den Oberhäuptling, den Geistlichen und etwa 40 andere Personen. Die Gerichtsversammlung fand in einem überfüllten Saal statt. Der Richter war entschlossen, an den Verfolgern der Mormonen ein Exempel zu statuieren. Zu Sale Manu sagte er: „Sie können für diese Männer jede Strafe fordern, die Sie als gerecht ansehen, eine jahrelange Gefängnisstrafe eingeschlossen. Ich werde Ihnen bewilligen, was Sie verlangen. Ich werde dafür sorgen, daß auf diesen Inseln Religionsfreiheit herrscht.”<br />Aber Sale Manu entgegnete: „Ich vergebe ihnen. Lassen Sie sie zu ihrer Familie zurückkehren, sofern sie sich verpflichten, die Heiligen der Letzten Tage in Frieden zu lassen.”<br />Der Richter verkündete folgendes Urteil: „Von nun an können die Heiligen der Letzten Tage überall auf der Insel ihre Lehre verkünden, und wenn sie genug Leute haben, um eine Kirche zu errichten, können sie es ohne weiteres tun.”<br />Hunderte von Dorfbewohnern schlossen sich der Kirche an, und innerhalb weniger Monate waren, von ein paar Ausnahmen abgesehen, alle 900 Menschen, die in diesem Dorf lebten, getauft. Als sie Sale Manu fragten, wo sie das Kirchengebäude bauen sollten, führte er sie zu der Asche, die von dem riesigen Feuer übriggeblieben war. Die heißen Kohlen hatten ihre Spuren in die Erde gebrannt. An dieser Stelle steht heute ein Gemeindehaus.<br />Bis zum Ende seines Lebens ging Sale Manu von Dorf zu Dorf und verkündigte das Evangelium. Zuletzt amtierte er als Gemeindepräsident in Fagomalo, dem Dorf, wo er geboren war. Während seiner dortigen Amtszeit lernte er einen Unterhäuptling kennen, der schon fast entschlossen war, der Kirche beizutreten, aber sich nicht ganz dazu durchringen konnte. Er sagte: „Safe Manu, wenn du der Kirche bis zum Ende deines Lebens treu bleibst, werde ich mich ihr anschließen.” Vor seinem Tod erwarb Sale Manu eine Begräbnisstätte, die der Vordertür des Hauses, wo jener Häuptling wohnte, gegenüberlag. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß der Unterhäuptling mit seiner ganzen Familie nach Sale Manus Tod der Kirche beitrat. Später wurde dieser Mann Gemeindepräsident. Heute ist Samoa mit Pfählen geradezu übersät. Es ist das erste Land der Welt, dessen ganze Fläche in Pfähle Zions aufgegliedert ist. Von all den Reden, die Sale Manu gehalten hat, war keine eindrucksvoller als die kurzen Worte, die er, als sein Tod bevorstand, an seinen Sohn, Sekeli, richtete: „Sekeli, sei ein Vater, wie ich es war!”<br />Nimmt es unter diesen Umständen wunder, daß Sekeli Sale Manu seinen Vater ehrt?</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Daps&amp;field-keywords=The+other+side+of+Heaven&amp;x=0&amp;y=0">The other side of Heaven</a> DVD über die abenteuerliche Missionsarbeit auf Tonga und Samoa.<br />Zusammengeschusterte Tatsachenberichte<br />Alles Wahrheit, nur das Wiederbeleben, das geht denn doch etwas anders als dargestellt. Wiederbelebung erfolgt, wie hier geschildert</font><br />
<br />Juli 1976</p>
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		<title>Wenn Du bereit bist</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jun 2008 19:33:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon mit drei Jahren habe ich angefangen, mich auf eine Karriere als Berufs-Baseballspieler vorzubereiten, und ich habe nie an etwas anderes gedacht. Und dieses Ziel war eins meiner Probleme. Ich habe einfach nicht geglaubt, daß die Schule oder die Kirche mir irgendetwas geben könnten, um ein Baseballspieler zu werden.
In den zwölf Jahren meiner Schulzeit habe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Schon mit drei Jahren habe ich angefangen, mich auf eine Karriere als Berufs-Baseballspieler vorzubereiten, und ich habe nie an etwas anderes gedacht. Und dieses Ziel war eins meiner Probleme. Ich habe einfach nicht geglaubt, daß die Schule oder die Kirche mir irgendetwas geben könnten, um ein Baseballspieler zu werden.</font></p>
<p><font size="3">In den zwölf Jahren meiner Schulzeit habe ich nie ein Buch mit nach Hause genommen, um zu lernen. Ich bin nicht stolz darauf. Es tut mir leid, und ich habe versucht, Buße zu tun. Ich verbringe den Rest meines Lebens damit, den Preis für die Leere zu zahlen, die ich durch meine lächerliche Logik von damals selbst herbeigeführt habe. Ich dachte nämlich über den Mathematik- und Englischunterricht: „Welchen Wert hat die Schule schon für mich, wenn ich doch ein großer Baseballspieler werde. Einen Effetball kann ich ebenso gut ohne wie mit Mathematik und Englisch werfen.” Wenn ich nach der Schule nach Hause ging, sagte ich mir immer:*</font></p>
<p><font size="3">„Ja, ich bin für das Leben gut vorbereitet. Ich kann so hart werfen wie wenige andere, kann schnell rennen und bin sehr treffsicher. Laßt mich also mit der Schule in Ruhe.” Heute sehe ich, wie falsch diese Denkweise war. Wenn es Zeit war, am Sonntag in die Kirche zu gehen, faßte ich das als persönliche Beleidigung auf, denn wie konnte mir die Kirche helfen, ein besserer Baseballspieler zu werden?</font></p>
<p><font size="3">So hat mein Verstand gearbeitet. Ich will damit nicht sagen, daß das nicht wichtig ist, wenn man ein großer Baseballspieler oder Rechtsanwalt oder Arzt werden will. Das ist wichtig — es ist notwendig für unsere zeitliche Erlösung, aber es ist nicht das Wichtigste, weswegen wir auf die Erde gesandt worden sind. Es sind die ewigen Dinge, die wirklich zählen, und der ist ein kluger und intelligenter Mensch, der das klar verstehen und entsprechend handeln kann.</font></p>
<p><font size="3">Schließlich hatte ich den Highschool-Abschluß geschafft und wurde 18 Jahre alt. Fünfzehn Jahre lang hatte ich mich vorbereitet, das zu sein, was ich sein wollte. Als ich von meinen Eltern die Erlaubnis erhielt, meinen ersten Vertrag zu unterschreiben, kamen Agenten von acht der größten Baseballmannschaften mit ihren Angeboten zu mir. Mir wurde ein Gehalt angeboten, das für damalige Begriffe sehr hoch lag. Wissen Sie, was für ein Reiz das für einen Teenager ist? Ich wünschte, ich wäre in der Lage, Ihnen das richtig beschreiben zu können. Und dann meldete ich mich bei der ersten Mannschaft, und ich spielte mit meiner eigenen neuen Nummer auf dem Trikot. Können Sie sich vorstellen, was das für ein erhebendes Gefühl ist?</font></p>
<p><font size="3">Aber als ich drei Jahre alt war, hatte ich noch nicht an den 2. Weltkrieg gedacht. Den hatte ich nicht in mein Programm aufgenommen. Ich wußte nichts davon, und ich wußte nicht, daß ich zu meinem 18. Geburtstag einen Brief erhalten würde, in dem stand, daß meine Baseballkarriere für die nächsten drei Jahre durch den Militärdienst unterbrochen werden müßte. Ich wurde zur Grundausbildung gejagt, und das war ein erbärmliches Leben. Obwohl ich nicht die Grundlage hatte, die ich hätte haben sollen, verstand ich dann teilweise den Wert der anderen Dinge, die ich vernachlässigt hatte — Schule und Ausbildung. Ich bekam all die schlechten Arbeiten, weil ich für keine Arbeit geeignet war, die Wissen und Kenntnisse erforderte.</font></p>
<p><font size="3">Ungefähr elf Monate später fand ich mich auf einem Truppentransporter auf dem Pazifik wieder. Wir waren da draußen auf dem Wasser auf einem von vielen Schiffen in einem Konvoi, der auf eine Insel zusteuerte — zur ersten Gefechtserfahrung der Gruppe. In den ersten beiden Wochen unserer Fahrt hielt die Armee und die Marine jeden Abend um 17 Uhr einen allgemeinen Gottesdienst ab, wo wir zusammenkommen und ein gemeinsames Lied singen konnten, ob wir nun Juden, Katholiken, Andersgläubige oder Heilige der Letzten Tage waren. Und der Feldgeistliche sprach dann vier oder fünf Minuten zu uns. Danach saßen wir einfach noch zusammen und unterhielten uns über zu Hause, über die Mädchen und all die anderen Dinge, die für junge Männer wichtig zu sein scheinen, und dann gingen wir wieder auseinander. Jeden Tag ab 17 Uhr war also eine Stunde Gottesdienst. Von 3.000 waren es nur 35 bis 40, die täglich zu diesem kleinen Gottesdienst gingen; nur 35 oder 40! Das ist doch typisch für’s Leben, wenn Sie sich in der Schule, in Ihrem Pfahl, Ihrer Gemeinde oder in den umliegenden Orten umsehen, oder?</font></p>
<p><font size="3">Am letzten Tag unserer Fahrt hielten wir unseren letzten Gottesdienst ab. Da in dem normalen Versammlungsraum nicht genug Platz war, hielten wir den Gottesdienst auf dem Deck ab. Und das war eine der interessantesten Studien menschlichen Lebens, die ich je beobachtet habe.</font></p>
<p><font size="3">Wissen Sie, was an diesem 21. Juli 1944 passiert ist? Dreitausend Mann kamen! Dreitausend machten sich auf einmal sehr viele Gedanken über die höheren Werte im Leben. Beobachten Sie einmal, wie sich die Menschen der Religion zuwenden, wenn sie wirklich in einer Krise stehen. Sie spürten wie es nur jemand in einer bedrohlichen Lage kann, die Notwendigkeit, Hilfe aus einer höheren Quelle bekommen zu müssen, ob sie nun Kaufmann, Krimineller oder Baseballspieler waren.</font></p>
<p><font size="3">Ich werde nie diesen Gottesdienst vergessen, den ein wunderbarer protestantischer Feldgeistlicher abgehalten hat. Er war ehrlich und aufrichtig und redete mit einfachen Worten. So saßen wir da oben auf Deck, 3.000 Mann, und sangen das Anfangslied „Herr, bleib bei mir, der Abend naht.” Können Sie sich das Bild vorstellen: ein Chor von 3.000 Soldaten, die die innersten Empfindungen ihrer Seele ausdrückten, wahrscheinlich in vielen Fällen das erste Mal in ihrem Leben. Können Sie sich vorstellen, wie das klingt? Von den anderen Schiffen hörte man Ähnliches, das wie ein Echo herüberhallte. Es gab ein kurzes Anfangsgebet, und dann wurde der Feldgeistliche so ernst, wie ich keinen Menschen zuvor gesehen habe.</font></p>
<p><font size="3">Er sagte: „Männer, ich werde nicht versuchen, die Wahrheit vor euch zu verbergen. Ihr seid ein Jahr lang für das ausgebildet worden, was ihr morgen tun werdet, und ihr wißt sehr wohl, was eure Aufgabe ist. Die Armeestatistiken zeigen uns, daß bei einer Invasion wie der, die ihr morgen früh mitmachen werdet, eine Menge von euch nicht überleben werden.</font></p>
<p><font size="3">Wir müssen einen Preis zahlen, wenn wir diese Insel bekommen wollen.” Er sagte noch: „Wenn unsere Berichte stimmen, wird die Hälfte von euch Morgen irgendwann vor 8 Uhr sterben. Ich will damit sagen, Männer, daß die Hälfte von euch morgen um 8 Uhr vor eurem Schöpfer stehen wird. Seid ihr dafür bereit?”</font></p>
<p><font size="3">Na, was würdet ihr antworten, junge Leute? Ich war damals 18 Jahre alt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn jemand zu euch sagte: „Morgen früh um 8 Uhr wirst du dem Erlöser über dein Leben, deine Einstellung und deine Tätigkeit Rechenschaft ablegen”? Da war ich nun und saß da draußen und dachte an all meine großen und glorreichen Baseballtage. Sehen Sie, wie unbedeutend sie auf einmal erscheinen? Verträge, Ruhm und Vermögen sind doch im Verhältnis zu den Grundfragen des Lebens wertlos, nicht wahr? Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich wirklich wissen, was es mit der Religion auf sich hatte. Gibt es wirklich einen Gott? Warum stehe ich auf dem Schlachtfeld? Warum sollte ich einen Menschen töten, den ich vorher noch nicht einmal gesehen habe? Tausend Fragen wie diese schossen mir durch den Kopf. Warum? Warum? Warum? Und es sind Fragen wie diese, die wir uns jetzt stellen sollten. Warum tun wir eigentlich das, was wir in diesem Leben alles tun?</font></p>
<p><font size="3">Nun, dieser Gottesdienst war zu Ende gegangen. Am nächsten Morgen kam das Pfeifensignal, und wir machten uns für die Landung fertig. Und ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als ich auf diesem kleinen Korallenriff an Land gesetzt wurde. Die Flut hatte bereits eingesetzt, das Wasser reichte mir bis an die Brust, und ich mußte mit ausgestreckten Armen, das Gewehr hochhaltend, zum Strand waten. Ich mußte mich durch die toten Körper meiner Freunde schieben, die mit mir zusammen ausgebildet worden waren und die ich lieb gewonnen hatte. Erzählen Sie mir nicht, daß Sie da keine Fragen stellen würden. Warum lag dieser wunderbare Junge, 19 Jahre alt, jetzt mit dem Gesicht nach unten im Wasser? Warum?</font></p>
<p><font size="3">Ich erinnere mich, wie ich mich oft mit meinem Vater niedergekniet und ihm zugehört hatte, wie er dem Vater im Himmel freimütig seine innersten Empfindungen und Gefühle zum Ausdruck brachte. Mein Vater war ein intelligenter, fähiger Geschäftsmann; er genoß großes Ansehen in seinem Wohnort; er war ein großartiger Führer, bei dem andere Rat suchten; und doch — auf seine eigene demütige Art kniete er oft nieder und fragte: „Welchen Rat gibst du mir, Herr?” Und ich habe oft zugesehen, wenn mein Vater wieder aufstand, mit einer Träne im Auge, und zum Himmel aufblickte und seinen tiefen Dank ausdrückte.</font></p>
<p><font size="3">Bis ich auf der Insel Guam an Land ging, hatte ich Gott nie gekannt. Aber eins wußte ich, als ich da an jenem schicksalsschweren Tag ans Ufer watete, und das war, daß mein Vater wußte, daß Gott lebt und daß mein Vater Antworten von Gott erhalten hatte. Und während ich mir ein Schutzloch ausgrub, wußte ich, daß ich genau das tun konnte, was mein Vater getan hatte. Ich werde ewig dankbar sein für die Führung und Belehrung durch meinen Vater. Als ich mich dann mit entblößtem Haupt niederkniete, inmitten der Gefahr, erschossen zu werden, fragte ich den Vater im Himmel ganz schlicht: „Bist du wirklich da? Lebst du? Ist Jesus Christus wirklich der Erlöser? War Joseph Smith ein Prophet der Kirche, wie ich es mein ganzes Leben gehört habe und nicht verstehen kann?” Und dann kam es. Dieses willkommene innere Versprechen und diese Bestätigung. Der Heilige Geist berührte meinen Geist und sagte mit leiser Stimme: „Es ist so.” So vollkommen war dieses Gefühl in meinem Herzen an jenem Julitag, daß ich dachte, ich hätte tatsächlich aus meinem Loch herauskommen und ohne verletzt zu werden über dieses Schlachtfeld laufen können. Der Friede und die Gewißheit waren so groß.</font></p>
<p><font size="3">So erhielt ich die Bestätigung durch den Geist, weil ich mit „festem Vorsatz” (Moroni 10:4) gefragt hatte. Ich hatte vorher tausendmal ohne Gefühl gebetet, weil der Druck von der Familie und der Kirche da war. Aber jetzt wollte ich es wirklich wissen. „Bist du da, Herr? Wirst du es mir sagen?” Und er tat es. Und seit jenem Tage habe ich ihm mein Leben geweiht. Und ich habe Bestätigung auf Bestätigung erhalten, daß diese Kirche wahr ist, daß Joseph Smith berufen und ordiniert war, das Evangelium Jesu Christi wiederherzustellen.</font></p>
<p><font size="3">Nun habe ich das aber nicht auf der Grundlage nur einer Bestätigung angenommen, und ich glaube, die meisten Menschen würden das nicht tun. Ich kam aus diesem Krieg zurück und benutzte meine Militärversicherung, um das College zu besuchen. Ich besuchte eine protestantische Theologieschule und machte den Abschluß mit ihren Geistlichen, denn ich wollte wissen, der Schrift nach wissen, ob die Mormonenkirche die Prüfung der Welt bestehen konnte. Und wie glücklich bin ich, Ihnen zu sagen, daß ich nicht nur die Bestätigung durch den Geist bekommen habe, als ich gefragt habe, wie es Moroni gesagt hat, sondern ich habe es ein paar Jahre in einer der besten Theologieschulen an der Westküste auf die Probe gestellt. Und das Evangelium ist wahr, Brüder und Schwestern. Sind Sie bereit, Ihre Zeit und Energie urd Hingabe ins Beten zu investieren, um zu sehen, ob ich recht habe?</font></p>
<p><font size="3">Bevor ich in die Schlacht zog, hatte ich mir auf Betreiben meines Vaters einen patriarchalischen Segen geben lassen. Wie Sie wissen, ist das eine Möglichkeit, unter der Hand derer, die das Priestertum tragen, die geistigen Gaben und Möglichkeiten, die in uns wohnenden Fähigkeiten offenbart zu bekommen, und zwar so, daß wir wirklich unser Leben für die Zukunft danach gestalten können, wenn wir die Evangeliumsgrundsätze befolgen. Dieser patriarchalische Segen sagte mir in einer Reihe von Absätzen, daß ich alt werden würde, daß ich eine Frau und Kinder und gewisse Erfahrungen in der Kirche haben würde. Und dann schloß er wie das oft der Fall ist, mit der Bedingung „wenn du bereit bist”. Sehen Sie? Das ist die Bedingung. „Wenn du bereit bist, Paul, wird das alles geschehen.” Und einer der Absätze deutete auch auf ein Eingreifen Gottes in der Schlacht hin.</font></p>
<p><font size="3">Nun war unsere Gefechtsgruppe 1000 Mann stark, als wir uns von San Franzisko aus auf diesen verhängnisvollen Weg machten, und als wir zweieinhalb Jahre später zurückkehrten, waren wir nur noch sechs. Und von uns sechs waren fünf zweimal oder öfter schwer verwundet worden. Es hat buchstäblich tausende von Fällen gegeben, wo der Feind meinem Leben eigentlich ein Ende gemacht haben müßte, aber aus irgendeinem Grund wurde ich nicht von der Erde genommen.</font></p>
<p><font size="3">Einmal zum Beispiel hatte meine Gruppe den Auftrag erhalten, die Feindstellung und ihr Munitions- und Vorratslager zu finden. Wir sollten einen ganzen Tag und eine Nacht draußen bleiben und am nächsten Morgen zurückkommen. Wir zogen aus und gelangten schließlich hinter ihre Linien, entdeckten ihre Stellung und ihr Munitionslager, vermerkten es auf unserer Karte und machten uns wieder auf den Rückweg. Aber unsere Kampflinie hatte sich verlagert, und der Feind hielt jetzt das Gebiet besetzt, wo wir tags zuvor gewesen waren. Wir kamen um einen Hügel herum in ein Tal und dachten, es würde von uns gehalten, aber der Feind hielt jetzt beide Hügel besetzt, und wir waren in dem Tal genau zwischen ihnen. Wir suchten in einem tiefen Granatloch Deckung.</font></p>
<p><font size="3">Es war später Nachmittag, als wir uns in dieser prekären Lage befanden. Wir wußten, daß wir bis Einbruch der Nacht da heraus sein mußten, da der Feind bei der Kampflage in diesem Abschnitt mit Sicherheit auf uns stoßen würde. So saßen wir da, elf Mann, und beratschlagten, was wir tun würden und wie wir es tun wollten. Wir waren noch 350 bis 400 m von unseren Linien entfernt. Wir konnten sogar unsere Kameraden herüberrufen hören, als sie unsere Schwierigkeit erkannten, aber es war zu spät. Wir riefen ihnen immer wieder zu, daß wir riskieren wollten, zu ihnen hinüberzulaufen. Wir wollten es sie aber noch wissen lassen, wann wir einen Plan hätten. Und dann dachten wir über unsere Situation nach und kamen zu dem Schluß, daß wir genau bei Einbruch der Dunkelheit als Gruppe loslaufen würden, wobei wir uns darüber im klaren waren, daß ein paar es nicht schaffen würden. Aber es war die einzige Möglichkeit, wie wenigstens ein Teil von uns entkommen konnte. Ich kann Ihnen versichern, daß ein langer Augenblick des tiefen Nachdenkens kommt, wenn man da so sitzt und wartet.</font></p>
<p><font size="3">Wir wollten genau um 18.15 loslaufen, denn da würde es dunkel genug sein, daß man uns nicht so leicht sehen konnte, aber noch hell genug, daß wir den Weg finden konnten. Wir riefen unseren Kameraden zu, daß sie uns so viel Feuerschutz wie möglich geben sollten. Wir ließen alle schweren Sachen fallen: Gewehre, Munition, Taschen und Granaten. Wir nahmen die Sachen so weit wie möglich auseinander, damit der Feind keinen Nutzen daraus ziehen konnte. Dann saßen wir da, in Gedanken versunken, und sprachen miteinander, und die anderen fragten mich, ob ich mich niederknien und ein Gebet für uns alle sprechen würde. Und dann gaben wir uns gegenseitig bestimmte Versprechen, die das Wohlergehen der Familien usw. betrafen, wenn einer von uns es schaffte und die anderen nicht.</font></p>
<p><font size="3">Ich trug immer meinen patriarchalischen Segen bei mir, und ich weiß noch, wie ich ihn um 18.05 Uhr durchlas. Ich überflog ihn, und da stand sinngemäß: „Paul, du wirst lange genug leben, um noch bestimmte Dinge zu sehen, wenn du bereit bist.” Menschlich gesehen gab es keine Möglichkeit, aus unserer Situation herauszukommen. Sie hätten selbst da sein müssen, um zu verstehen, was ich ihnen sagen will.</font></p>
<p><font size="3">Der Zeitpunkt war herangekommen, 18.15 Uhr. Wir gaben uns die Hand. Und dann sind wir 11 losgerannt, wie Sie wohl noch nie Menschen haben rennen sehen. Drei oder vier kamen gar nicht erst ganz aus dem Granatloch heraus; sie wurden vom Maschinengewehrfeuertödlich getroffen. Einer meiner besten Freunde wurde von Maschinengewehrkugeln fast in zwei Stücke gerissen. Ich hielt an und wollte helfen, aber ich sah, daß es hoffnungslos war und lief weiter. Es hatte stark geregnet; der Boden war glatt und matschig und es war sehr kalt. Man rutschte fast bei jedem Schritt, mit dem man Fuß fassen wollte, aus. Ich rannte im Zickzack, doch ich merkte, daß ein Scharfschütze mit einem Maschinengewehr auf mich schoß, denn der Dreck und Schlamm spritzte überall um mich herum hoch. Ich wechselte die Richtung, und sofort folgten mir die Schüsse wieder. Ich lief mit aller Kraft. Zu diesem Zeitpunkt lief schon jeder von uns für sich allein. Als ich ungefähr50Meter von unserem Loch entfernt war, bekam der Scharfschütze mich direkt ins Visier, und der erste Schuß traf mich in den rechten Stiefelabsatz. Er riß mir den Stiefel vom Fuß, ohne meinen Körper zu berühren, und er schleuderte mich herum, so daß ich auf die Knie sank. Beim Hinfallen flogen mir die Schüsse quer über den Rücken und rissen mir den Gürtel, das Eßgeschirr und die Munitionstasche vom Leib. Doch mein Körper blieb unberührt. Als ich wieder aufstand, um weiterzulaufen, traf mich ein Schuß genau hinten am Helm, und er traf in den Stahlteil, prallte genügend ab, daß er über den Kopf hinwegpfiff und spaltete den Helm in zwei Teile, aber ich selbst blieb unberührt. Dann sprang ich wieder nach vorn, und ein weiterer Feuerstoß traf mich in den losen Schulterteil der Kleidung, so daß ich meine Hemdsärmel abnehmen konnte, ohne die Jacke auszuziehen. Dann noch ein weiterer Sprung und ich fiel über unsere Linie in die Arme des schmutzigsten Sergeanten, den Sie je gesehen haben. Er hatte das Ganze mit angesehen und meinte: „Paul, du hast wirklich Glück gehabt.” Dann sollte ich ihm folgen, und ich kroch weiter nach hinten, und ich war der einzige von 11, der überhaupt die ersten 100 Meter geschafft hatte.</font></p>
<p><font size="3">Hatte ich Glück? Sie können es nennen, wie Sie wollen. Ich habe Bestätigung auf Bestätigung erhalten. Tausend solcher Fälle sind mir in den zwei Jahren meiner Kampferfahrung passiert. Ich erzähle das alles bloß, weil ich meine, daß die jungen Menschen überall, in der Kirche und außerhalb der Kirche, anfangen müssen, ihre Seele und ihren Stand in diesem Leben ernsthaft zu prüfen, denn sie leben in einer Zeit, wo sie sich noch vorbereiten können.</font></p>
<p><em>Paul H Dunn, März 1976</em></p>
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		<title>Ein feindlicher Soldat am Rednerpult</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 02:07:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Es war ein schönes Erlebnis, einen Mann in Feindesuniform so liebevoll zu uns sprechen zu hören.”
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde mein Vater als Präsident der Mission Deutschland-Ost berufen. Zur gleichen Zeit wurde er auch zur Armee eingezogen, und so lenkte er die Angelegenheiten der Mission mit Hilfe seiner beiden Ratgeber von der Front aus.
Eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Tahoma" size="3">„Es war ein schönes Erlebnis, einen Mann in Feindesuniform so liebevoll zu uns sprechen zu hören.”</font></p>
<p><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="3">Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde mein Vater als Präsident der Mission Deutschland-Ost berufen. Zur gleichen Zeit wurde er auch zur Armee eingezogen, und so lenkte er die Angelegenheiten der Mission mit Hilfe seiner beiden Ratgeber von der Front aus.</font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Eines Sonntags kurz vor Weihnachten fühlte er sich sehr einsam. Er war in Dänemark stationiert, weit weg von seiner Familie, und wollte so gerne zur Abendmahlsversammlung gehen, um Gott zu verehren. Er wußte nicht, ob es in Esbjerg einen Zweig der Kirche gab, nahm aber an, daß das möglich war. Er verstand die Landessprache zwar nicht, aber er zog seine Uniform an und ging auf die Straße; dabei pfiff er die Melodie seines liebsten Kirchenliedes vor sich hin.</font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Es dauerte gar nicht lange, da kam ein kleines Mädchen an ihm vorbei und fragte ihn auf dänisch: „Mormone?” Als er nickte, führte sie ihn zum Versammlungshaus des Zweiges.</font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Mein Vater setzte damit sein Leben aufs Spiel, denn ihm war klar, daß die Nazis ihn des Hochverrats anklagen und mit dem Tod bestrafen würden, wenn sie entdeckten, daß er eine Kirche der Feinde besuchte. Außerdem ging er ein großes Risiko en, indem er dem Zweigpräsidenten bereits an der Tür seinen Waffengurt aushändigte und sich bereiterklärte, in der Abendmahlsversammlung eine Ansprache zu halten, und zwar in einer weiteren Feindessprache, nämlich in englisch.</font></font></p>
<p><img src="http://www.bilder-hochladen.net/files/5pnd-u.jpg" /></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Ein dänisches Mädchen, das dem Zweig angehörte, schrieb meiner Mutter und schilderte ihr, was sie empfunden hatte, als dieser feindliche Soldat in ihrem Zweig gewesen war:</font></font></p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"> <!--[endif]--></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"><em>Gestern abend bin ich in die Kirche gegangen. Ein Deutscher war da, Ihr Mann. Viele Dänen hassen die Deutschen zwar, aber wir haben Ihren Mann doch schätzengelernt. Er sprach auf englisch zu uns, und William Orum Peterson hat übersetzt. Ihr Mann hat erzählt, daß er vor nur einem Monat alles verloren hat, was er besaß, und daß das Missionshaus zerstört worden ist. Aber er war dankbar dafür, daß seine Frau und seine Kinder in Sicherheit waren. Dann gab er Zeugnis, daß die Kirche wahr ist. Es war ein schönes Erlebnis, einen Mann in Feindesuniform so liebevoll zu uns sprechen zu hören. Und er war glücklich, daß er unter Mitgliedern sein konnte.</em></font></font></p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"> <!--[endif]--></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Jahre später, nachdem Vater gestorben war und wir in den fünfziger Jahren nach Salt Lake City ausgewandert waren, bekamen wir einen weiteren Brief – dieses Mal von einer Frau, die für die Genealogische Gesellschaft der Kirche arbeitete und deren Mann meinen Vater in Esbjerg kennengelernt hatte. Sie hatte einen Brief beigelegt, den mein Vater aus Rußland an ihren Mann in Dänemark geschrieben hatte. Der Brief war vom deutschen Militär zensiert worden, und wir konnten uns gar nicht erklären, wie er sein Ziel überhaupt erreicht hatte, wo er doch von einem deutschen Soldaten in Rußland an einen Mann in Dänemark geschrieben worden war, und dazu noch in englischer Sprache. Der Brief war vom 17. Mai 1944 datiert und lautete:</font></font></p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"> <!--[endif]--></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"><em>Lieber Bruder Olsen,</em></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"><em>vor über zwei Monaten habe ich Dänemark verlassen. In den letzten Wochen habe ich die schrecklichen Seiten des Krieges kennengelernt, bin aber auf wundersame Weise vor Verletzung und Krankheit beschützt worden. Ich danke dem Herrn für die vielen Segnungen, die er mir geschenkt hat, und freue mich auf das Wiedersehen mit meinen Lieben zu Hause. Bis jetzt sind meine Frau und meine Kinder vor den </em><em>feindlichen Flugzeugen beschützt worden, die jeden Tag über </em><em>Deutschland fliegen. Ich denke oft an Sie und an die vielen anderen Freunde, die ich in Esbjerg gewonnen habe. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft das AIlerbeste. Grüßen Sie bitte alle von mir, die mich kennen.</em></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"><em>In brüderlicher Verbundenheit</em></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"><em>Herbert Klopfer</em></font></font></p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3"> <!--[endif]--></font></font></p>
<p><font face="Tahoma" size="3"><font face="Arial" size="3">Die Liebe meines Vaters zum Evangelium und zu den Mitgliedern der Kirche ließ sich nicht von irgendwelchen Landesgrenzen einschränken. Trotz des hohen Risikos, das er damit einging, besuchte er den Zweig in Dänemark, sprach zu den Mitgliedern dort von seiner Liebe und legte Zeugnis ab. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs — er war immer noch Präsident der Mission Deutschland-Ost — verhungerte er in einem Kriegsgefangenenlager tief im Innern Rußlands.</font></font></p>
<p><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="2"><em>W. Herbert Klopfer, Februar 1991</em></font></font></font></p>
<p><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="2"></font></font></font><br />
<font face="Arial" size="3"><a href="http://www.amazon.de/Saints-Soldiers-Steelbook-Corbin-Allred/dp/B000UUEYMA/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=dvd&amp;qid=1209953990&amp;sr=1-2">Saints and Soldiers</a>, eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg um einen Soldaten, der in Deutschland auf Mission war und deshalb zu den Deutschen ein etwas anderes Verhältnis hat als seine Kameraden</font></p>
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		<title>Werft das Baby</title>
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		<pubDate>Sat, 03 May 2008 02:30:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Geschichten vom Glauben der Tonganer geht es oft darum, daß man den Naturgewalten trotzen muß, um das Werk des Herrn zu verrichten. Die tonganischen Mitglieder, die auf schwierigen Seereisen und inmitten von Stürmen dem Herrn vertraut haben, sind mit dem Mut gesegnet worden, Ungewöhnliches zu leisten.
Sela Feinga, die jetzt im Polynesischen Kulturzentrum in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Arial" size="3">In den Geschichten vom Glauben der Tonganer geht es oft darum, daß man den Naturgewalten trotzen muß, um das Werk des Herrn zu verrichten. Die tonganischen Mitglieder, die auf schwierigen Seereisen und inmitten von Stürmen dem Herrn vertraut haben, sind mit dem Mut gesegnet worden, Ungewöhnliches zu leisten.<br />
Sela Feinga, die jetzt im Polynesischen Kulturzentrum in Laie auf Hawaii arbeitet, erzählt, wie sie und ihr Mann Ha&#8217;unga 1965 auf Mission berufen wurden. Sie erhielten den Auftrag, auf den verschiedenen tonganischen Inseln Gemeindehäuser zu bauen. Zusammen mit ihrer fünf Monate alten Tochter, die gerade hohes Fieber hatte, reisten die Feingas zu der abgelegenen Insel Fotuha&#8217;a, die von Felsenklippen umgeben ist, um die ständig das Meer braust und tobt.<br />
Die Reisenden, die nach Fotuha&#8217;a wollten, mußten vom Motorboot auf ein Auslegerkanu umsteigen und dann zu einem Felsvorsprung schwimmen, der von tiefem Wasser umgeben war. Wer nicht schwimmen konnte, mußte in die ausgestreckten Arme der Inselbewohner springen, die bereitstanden, um das Gepäck vom Kanu zu fangen. Eine solche Landung war nicht ohne Risiko, da sie genau mit den Wellen abgestimmt werden mußte, die bis zu dem Felsvorsprung emporbrausten und dann wieder fünf bis sieben Meter darunter abfielen. Schwester Feinga machte die Erfahrung, daß diese Reise ihr buchstäblich einen „Sprung des Glaubens” abverlangte:<br />
Am Morgen unserer Abreise hatte die Kleine noch immer hohes Fieber. Von Kopf bis Fuß brachen am ganzen Körper kleine Pusteln aus. Sie hatte Masern. So sehr ich aber auch flehte, nichts konnte meinen Mann umstimmen. Ich wickelte die Kleine in eine Decke und stieg in das kleine, offene Boot, das uns nach Fotuha&#8217;a bringen sollte.<br />
Als wir uns der Insel näherten, ragten fürchterliche Klippen und eine felsige Küste vor uns auf. Riesige Wellen türmten sich um uns auf. Ein paar Inselbewohner standen bereits auf dem Felsvorsprung und warteten-auf uns und unser Gepäck.<br />
Das Kanu kam auf uns zu, ein kleines Auslegerboot, das von einem jungen Lehrer gerudert wurde, der auf der Insel wohnte. Als wir uns dem Felsen näherten, sagte er: „Wir zählen jetzt die Wellen, und wenn eine kommt, die so hoch ist, daß sie uns bis zum Felsvorsprung trägt, müßt ihr auf den Felsen springen oder eure Sachen den Leuten zuwerfen, die dort stehen.”<br />
Ich war wie benommen vor Angst. Es regnete, und wir kamen dem gefährlichen Landeplatz immer näher. Da rief der Lehrer meinem Mann zu: „Mach das Baby bereit! Sie kommt als erste dran!”<br />
Der Mann auf dem Felsvorsprung schrie meinem Mann in dem Augenblick zu: „He, du da mit dem Baby! Nimm die Decke weg, und zieh das Baby aus!”<br />
„Das geht nicht!” schrie ich. „Die Kleine hat Masern. Wir dürfen sie nicht ausziehen!”<br />
Unser Ruderer sagte streng zu Ha&#8217;unga: „Du mußt ihr alles ausziehen, weil du sie an Land werfen mußt. Du kannst es nicht riskieren, daß der Mann sie auf die Felsen oder ins Meer fallen läßt, weil sie noch die Decke oder sonst etwas umhat.”<br />
Da kam wieder der Befehl vom Felsen: „Beeilt euch, zieht das Baby aus!”<br />
Aber mein armer Mann war wie gelähmt. Er hatte inzwischen sicher genauso große Angst wie ich.<br />
Der junge Lehrer riß Ha&#8217;unga das Baby aus dem Arm und zog es in Windeseile aus. Nur die kleine Windel behielt es an. Da kam eine Welle und hob das Kanu hoch, aber noch nicht hoch genug. Als die Welle sank, sanken wir mit. Wieder kam eine Welle, aber auch sie war nicht hoch genug.<br />
Mit der nächsten Welle hörte ich den Befehl: „Werft das Baby!” Ich schrie entsetzt auf. Ich konnte nicht hinsehen. Als nächstes hörte ich meinen Mann sagen: „Hab keine Angst mehr. Sie ist in Sicherheit.”<br />
Aber Schwester Feinga blieb keine Zeit, dankbar zu sein, denn sie war als nächste an der Reihe. Hysterisch vor Angst verpaßte sie viermal die „richtige” Welle, bis der Mann auf dem Felsen schrie: „Frau, willst du dein Baby wiedersehen oder nicht?” Mit einem Gebet auf den Lippen, „O Herr, bitte erweis mir deine Liebe und hilf mir jetzt um meines Babys willen”, sprang sie in Sicherheit.<br />
Auch Taukolo Langi unternahm eine Reise, die großen Glauben verlangte. Er war mit seiner Frau Temalisi in Ha&#8217;apai auf Mission. Sie wurden gebeten, ihre Mission zu verlängern, damit Bruder Langi in Felemea als Zweigpräsident dienen konnte, und das Ehepaar begann, sich um die weniger aktiven Mitglieder am Ort zu bemühen.<br />
An einem Samstag im Jahre 1958 konnten Bruder Langi und sein fünfjähriger Sohn Taniela, die in Pangai die Distriktsversammlungen besucht hatten, nicht zu den Sonntagsversammlungen nach Felemea zurückkehren. Es war Ebbe, und sie gelangten über das Riff nach Onleva bis zu ihrem Freund Sione Moala Havili, aber dieser meinte, sie sollten nicht einmal im Traum daran denken, nach Felemea überzusetzen. Das Meer war so aufgewühlt, daß keine Boote ankamen oder abfuhren. Aber Bruder Langi hatte nur eins im Sinn: er wollte zurück, um am Sonntag über den Gottesdienst in Felemea zu präsidieren, und er wollte seine Frau wiedersehen, die im achten Monat schwanger war:<br />
Ich war fest entschlossen, die Überfahrt zu wagen, und hatte das Gefühl, ich würde beschützt werden, da ich ja im Dienst des Herrn stand. Ich bat Taniela, mit mir in Sione Moalas Auslegerkanu niederzuknien und den himmlischen Vater anzuflehen, er möge uns auf der Überfahrt beschützen. Während wir beteten, brachen sich riesige Wellen donnernd am Ufer.<br />
Ich fuhr auf das Meer hinaus, und der kleine Taniela saß direkt vor mir. Mein Glaube war zwar stark, aber ich rechnete nicht mit einer leichten Überfahrt über die unruhigsten Gewässer Tongas, vor allem nicht in einem tonganischen Auslegerboot, das so tief im Wasser lag.<br />
Aber wir hätten genausogut über ruhige See fahren können. Wir wurden kaum naß und mußten auch kein Wasser schöpfen. Wir gelangten leicht durch die Brandung und landeten und wurden von den Leuten, die über unser Erscheinen verblüfft waren, mit Fragen überhäuft. Seit drei Tagen hatte niemand die Küste von Felemea verlassen, weil die See so stürmisch gewesen war. Ich war zutiefst dankbar, weil der Herr uns so offensichtlich gesegnet hatte.<br />
Die tonganischen Mitglieder bezeugen: der Glaube daran, daß der Herr sie vor den Naturgewalten beschützt, hat nicht nur sie gerettet, sondern, wie im Fall von Tevita Taimani, auch die Menschen, denen sie helfen wollten.<br />
Bruder Taimani erzählt, wie er eine kranke Frau zum Krankenhaus in Ha&#8217;afeva gebracht hat, und zwar in einem Boot mit einem 15-PS-Motor und durch hohe Wellen und einen schrecklichen Sturm. Ohne daß er es gemerkt hatte, war der Benzintank über Bord gefallen, als das Boot von einer Welle getroffen worden war; auch die Benzinleitung war unterbrochen:<br />
Als die Patientin eingestiegen war, ließ ich den Motor an. Ich kann kaum glauben, daß ich nicht merkte, daß der Benzintank und der Schlauch fehlten. Aber das Boot fuhr los, und wir fuhren über das Meer. Der Motor mußte sich in den hohen Wellen sehr anstrengen, aber er stotterte nicht. Wenn er ausgegangen wäre, hätten wir uns in einer katastrophalen Lage befunden – wir wären auf das offene Meer abgetrieben oder irgendwo gegen ein Riff geschleudert worden.<br />
Erst als wir sicher in Ha &#8216;afeva ankerten, entdeckte ich, daß der Benzintank nicht mehr da war und daß wir die rauhen Gewässer ohne Benzin für unseren kleinen Außenbordmotor überquert hatten. Das ist gewiß ein Beispiel dafür, wie wir beschützt werden, wenn wir dem Herrn dienen.</font></p>
<p><font face="Arial" size="3">Genug Glauben, um sich zu ändern<br />
Der Glaube der Mitglieder in Tonga bewirkt aber auch Wunder, die weniger offensichtlich sind – zum Beispiel das Wunder, alte Gewohnheiten und Vorurteile abzulegen und sich voll Glauben zu ändern.<br />
Lu&#8217;isa Palauni Kongaika schildert ihren Mann Viliami als lieben, fröhlichen Menschen und sagt, sie sei früher eigensinnig und streitsüchtig gewesen und habe gern dominiert.<br />
Als Schwester Kongaika 1946 mit ihrem Mann auf Mission war, hatte sie einen Traum, der großen Einfluß auf sie hatte. Sie sagt: „Ich wurde mir dessen bewußt, daß meine Angewohnheit, zu schimpfen, und meine scharfe Zunge sowohl für meinen Mann als auch für unsere Missionsarbeit zur Belastung geworden waren.”<br />
In dem Traum erschien mir der tonganische Missionspräsident, Emile C. Dunn, und sagte, er wolle gern, daß ich ihn mit seiner Frau und seiner Tochter zu einer besonderen Konferenz begleitete, bei der der Herr selbst anwesend sein werde. Überglücklich ging ich mit.<br />
Als wir dort ankamen, sah ich einen hohen, massiven Stein, der wie eine Tür geformt war. Ich erfuhr, dass Christus sich hinter dieser Tür befand und jeden von uns zu einer Unterredung empfangen werde.<br />
Als ich an der Reihe war, ging ich fröhlich und zuversichtlich zu meiner Unterredung, aber der Herr sah mich streng an und sagte: „O Frau mit dem bösen Mundwerk, ich will dich nicht sehen. Du sagst soviel Häßliches zu deinem Mann. Du hast zwar auch gute Eigenschaften, aber deine ständigen Nörgeleien und dein Spott sind eine Schande. Geh mir aus den Augen!”<br />
Ich heulte und flehte, bis ich schließlich mir selbst und meinem Kummer überlassen blieb. Von meinem Schluchzen wurde ich wach, und ich bat meinen Mann sofort um Verzeihung. Ich war tyrannisch und aggressiv gewesen und hatte sein liebes Wesen ausgenutzt. Aber jetzt flehte ich ihn um Verzeihung an.<br />
Seit dem Augenblick bin ich in der Beziehung zu meinem Mann ein anderer Mensch. Ich liebe ihn viel mehr, habe eine positive Einstellung und bin bereit, ihn zu unterstützen.<br />
<font face="Arial" size="2">Eric B. Shumway, August 1991<br />
<font face="Arial" size="3">Der vollständige Bericht ist hier: <a href="http://www.free-blog.in/Mormonen/">HLTs in aller Welt</a></font></font></font></p>
<p><font face="Arial" size="3"><font face="Arial" size="2"><font face="Arial" size="3"><a href="http://www.amazon.de/Other-Side-Heaven-Christopher-Gorham/dp/B000VVNW6C/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=dvd&amp;qid=1209781434&amp;sr=1-1">The other side of Heaven</a> DVD über die abenteuerliche Missionsarbeit auf Tonga und Samoa.<br />
Zusammengeschusterte Tatsachenberichte<br />
Alles Wahrheit, nur das Wiederbeleben, das geht denn doch etwas anders als dargestellt.</font></font></font></p>
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		<title>Die Tigerhöhle</title>
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		<pubDate>Fri, 02 May 2008 15:12:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bisher geschah 
 
Eine Vietnamesin, die sich zur Kirche bekehrt hatte, verbarg sich viele Jahre in einer verlassenen Tierhöhle und träumte vom Tempel auf der anderen Seite des Meeres.
Ein paar Wochen vor dem Einmarsch der Nordvietnamesen verließen die Vollzeitmissionare das Land und nahmen meine Übersetzung des Buches Mormon mit, die dann später in Salt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Tahoma" size="4"><a href="http://clearblogs.com/buch-mormon/107041/Mir+war%2C+als+ob+eine+unsichtbare+Macht+mich+den+Text+verstehen+lie%DF.html">Was bisher geschah</a> </font></p>
<p align="justify"><font face="Tahoma" size="5"> </font></p>
<p align="justify"><font face="Tahoma" size="5"><font face="Tahoma" size="3">Eine Vietnamesin, die sich zur Kirche bekehrt hatte, verbarg sich viele Jahre in einer verlassenen Tierhöhle und träumte vom Tempel auf der anderen Seite des Meeres.</font></font></p>
<p align="justify"><font face="Tahoma" size="5"><font face="Arial" size="3">Ein paar Wochen vor dem Einmarsch der Nordvietnamesen verließen die Vollzeitmissionare das Land und nahmen meine Übersetzung des Buches Mormon mit, die dann später in Salt Lake City gedruckt wurde. Sie nahmen auch die Übersetzung des Buches ,Lehre und Bündnisse` und der Köstlichen Perle mit. Diese beiden dienten als Grundlage für die später veröffentlichte Übersetzung. Es dauerte aber viele Jahre, bis ich sie endlich zu Gesicht bekam. Man bat mich, ins Gemeindehaus zu ziehen und mich darum zu kümmern, aber eine Woche später rief die amerikanische Botschaft an und teilte mir mit, wann und wo die vietnamesischen Mitglieder das Land verlassen konnten. Ich sollte zu den ersten gehören, die das Flugzeug besteigen durften, das uns in die Freiheit bringen sollte. Ich war demütig und dankbar gestimmt, aber auch sehr verwirrt. Die meisten Vietnamesen hängen an ihrem Vaterland. Der Gedanke, ihre Heimat für immer zu verlassen, schmerzt sie so sehr. daß sie gar nicht daran denken mögen. Der himmlische Vater hatte mir in meiner Heimat große Segnungen geschenkt, und deshalb fühlte ich mich meinem Land verpflichtet und beschloß, es nicht zu verlassen.<br />
Als die Nordvietnamesen Saigon einnahmen, wurden alle südvietnamesischen Regierungsbeamten und Militärführer verhaftet, darunter auch Bruder The, unser Zweigpräsident, und alle meine Brüder, einer meiner Söhne und einer meiner Schwiegersöhne. Ende 1975 wurde mein Besitz beschlagnahmt, und ich sollte wegen meiner Kontakte zu den Amerikanern verhaftet werden.<br />
Ich versuchte also, aus Vietnam zu fliehen. Zuerst gelangte ich nach Phu Quôc, einer Insel östlich vor Kambodscha. Ich nahm meine Schriften, meine Übersetzungen und meine Bücher und vergrub sie am Strand; dann kaufte ich mir ein Boot und bereitete meine Flucht vor. Aber die Flucht mißlang, und ich kam für drei Tage ins Gefängnis. Aber weil ich alt war, kam ich schnell wieder frei. Ich konnte meine Bücher und die Übersetzungen aber nicht mehr holen. Sie sind heute noch dort vergraben.<br />
Fünf Jahre lang blieb ich in Küstennähe und brauchte meine gesamten finanziellen Mittel und meine ganze Kraft mit Fluchtversuchen auf. Bei jedem Fluchtversuch benutzte ich einen anderen Namen, da mich mein Nachname ja sofort verraten hätte. Ich probierte auch viele verschiedene Verkleidungen aus &#8211; als Händlerin, als Nonne, als Hausiererin.<br />
An einen Fluchtversuch kann ich mich noch gut erinnern. Wir waren ungefähr achtzig Flüchtlinge &#8211; Männer, Frauen und Kinder. Mit einem kleinen Boot gelangten wir aufs Meer und nach zwei Tagen in internationale Gewässer. Dann aber setzte der Motor aus. Fünfzehn Tage trieben wir auf dem Meer. Nahrung und Trinkwasser gingen uns aus. und schließlich lagen wir nur noch bewegungslos auf Deck und warteten auf den Tod.<br />
Da hörten wir einen Schiffsmotor brummen. Wir winkten. Das Schiff kam aus Europa. Man gab uns zu essen und zu trinken, aber dann wurde unser Boot zurück nach Vung-Tau und damit zu den Nordvietnamesen geschleppt. Wir weinten, und viele Männer, die dieses Schicksal nicht ertragen konnten, sprangen ins Wasser und ertranken. Die Polizei verhaftete uns. Glücklicherweise blieb ich nur ein paar Monate im Gefängnis.<br />
Bei meinem letzten Fluchtversuch, 1981. waren wir ungefähr zwanzig Personen. In der Nacht warteten wir am Strand von Vung-Tau auf unser Boot. Die Strandwachen bemerkten uns und wollten uns gefangennehmen. Zusammen mit zwei anderen Frauen kletterte ich angsterfüllt einen Hügel hoch. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir an eine verlassene Hütte, wo wir bis zum Morgen blieben.<br />
Als die Sonne aufging, sahen wir, daß wir uns in einer Höhle befanden, aus der man einen Schutzraum gemacht hatte. Es gab sogar Türen, die zudem noch in gutem Zustand waren. Der Boden war betoniert, und wir fanden einige gebrauchte Küchengeräte und Reste von Möbelstücken. Weil wir hungrig waren, gingen wir nach draußen, um etwas zu essen zu suchen. Zu unserer großen Überraschung befanden wir uns in einer großen. verlassenen Obstplantage, wo es Mango-, Apfel- und andere reichtragende Obstbäume gab. Es war ein stiller Ort; in der Nähe sahen wir eine Pagode.<br />
Am Abend machten sich die beiden anderen Frauen wieder auf den Weg, aber ich war so erschöpft von der Angst der vergangenen Jahre und so verzweifelt, daß ich nicht mehr weiterwollte. Ich blieb zurück.<br />
In der ersten Nacht allein hatte ich große Angst. Ich verließ die Höhle und kniete auf einem Stein nieder, um zu beten. Einsam und unter Tränen bat ich den himmlischen Vater, mir den Mut und die Kraft zum Überleben zu geben. Da spürte ich Ruhe und Frieden, und ich wußte, daß ich in der Höhle bleiben konnte.<br />
Ich habe ein Zeugnis vom Beten. Immer wenn ich innerlich aufgewühlt war oder mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, habe ich gebetet. Der himmlische Vater erhört meine Gebete immer. Er hört seinen Kindern immer zu.<br />
Nun begann mein Einsiedlerleben. Ich schor mir den Kopf und verkleidete mich als alte buddhistische Nonne. Gelegentlich ging ich auf den nächstgelegenen Markt, um reifes Obst gegen das einzutauschen, was ich dringend brauchte. Ich erfuhr, daß die Höhle, in der ich wohnte, Tigerhöhle genannt wurde, weil es dort einen Tiger gegeben hatte, den die Dorfbewohner dann aber vertrieben hatten. Sie hatten aus der Höhle einen Schutzraum gemacht.<br />
Jeden Abend, wenn die Sonne unterging, saß ich auf einem Stein und sah über den Pazifik hin. Ich stellte mir oft vor, daß auf der anderen Seite des Ozeans der Tempel des himmlischen Vaters sei, in dessen Nähe viele meiner Brüder und Schwestern ein glückliches Leben führten. Wenn ich darin an die schöne Zeit dachte, die ich mit den anderen Mitgliedern in unserem Gemeindehaus in Saigon verbracht hatte, mußte ich immer weinen.<br />
Vier Jahre vergingen, allerdings nur langsam. Ich sann und betete. Ich schrieb Lieder, Gedichte und Bücher und besorgte den Garten. Niemand wußte, wer ich war. Zwei meiner Kinder waren noch in Vietnam, und ich konnte ihnen schreiben. Aber ich durfte keine Briefe bekommen &#8211; ich hatte keine Adresse. Außerdem durfte ich mich mit niemandem treffen, weil der Betreffende sonst vielleicht Schwierigkeiten bekommen hätte.<br />
Eines Morgens, nachdem ich im Garten gearbeitet hatte, war ich ungewöhnlich müde. Ich beschloß, ins Krankenhaus zu gehen. Dort zeigte ich meinen Ausweis vor, das einzige Dokument mit meinem richtigen Namen, das ich besaß. Eine Frau, die in der Nähe stand, fragte: „Sind Sie Frau Cong Ton Nu Tuong-Vy?”<br />
Ich wandte mich ab und fragte: „Warum wollen Sie das wissen?” Sie machte mir ein Zeichen, ein Stück mit ihr beiseite zu gehen, wo ihr Koffer stand. Dann holte sie einen Brief hervor, blätterte eine Seite auf und ließ mich den folgenden Absatz lesen: „Liebe Schwester Thuy, versuchen Sie doch bitte, Frau Cong Ton Nu Tuong-Vy zu finden, die irgendwo in der Nähe der Küste von Vung-Tau wohnen muß. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage möchte mit ihr Kontakt aufnehmen. Gezeichnet, Quoc-Phong.”<br />
Als ich den Namen der Kirche sah, brach ich in Tränen aus. Meine neue Freundin half mir, mit den in Saigon verbliebenen Mitgliedern Kontakt aufzunehmen. Jetzt schrieben wir 1985 &#8211; zehn Jahre waren vergangen, seit ich den Kontakt zur Kirche verloren hatte.<br />
Das Weihnachtsfest in jenem Jahr werde ich nie vergessen. Ich fuhr mit dem Bus nach Saigon, wo sich die Mitglieder zum erstenmal seit zehn Jahren wieder versammelten, und zwar in einem Park. Wir waren fast einhundert Personen. Es gab Eis und Kuchen, und später brachen die Brüder, die das Priestertum trugen, Brot und gossen Wasser in kleine Gläser, damit wir das Abendmahl nehmen konnten. Wir neigten den Kopf und beteten im stillen. Unsere Freude war voll.<br />
Von jenem Tag an erwachte unser kleiner Zweig wie aus einem tiefen Schlaf. Ein Ältester wurde bestimmt, der über uns präsidierte. Manchmal konnten wir durch das VASAA (Veterans Assisting Saints Abroad Association) in Kontakt mit der Kirche und mit anderen Mitgliedern treten.<br />
Mir wurde schließlich gestattet, Vietnam zu verlassen. Die VASAA hatte mit der kanadischen und der vietnamesischen Regierung wegen meines Ausreisevisums verhandelt. Mein ältester Sohn, der in Toronto wohnte, hatte für mich gebürgt.<br />
Knapp ein Jahr später, nämlich im März und im April 1988, war ich endlich in Salt Lake City. Ich blieb zehn Tage und nahm an der Generalkonferenz teil. Ich lernte viele Menschen, Missionare und Generalautoritäten kennen. Als ich zum erstenmal den Tempelplatz sah, mußte ich einfach weinen, weil ich so gesegnet war. In der Tigerhöhle war es mein größter Wunsch gewesen, den Tempel zu sehen. Jetzt endlich konnte ich im Haus des Herrn mein Endowment erhalten.<br />
Ich wohne jetzt in den Vereinigten Staaten, aber meine Erlebnisse in Vietnam habe ich nicht vergessen. Ich bete darum, daß der himmlische Vater meine Schwestern und Brüder segnet, die dort geblieben sind. Ich weiß aus eigener Erfahrung, das nichts das Evangelium zerstören kann, das der himmlische Vater uns gegeben hat.<br />
</font><font face="Arial" size="2"><em>Gong Ton Nu Tuong-Vy, August 1990<br />
Gong Ton Nu Tuong-Vy gehört zur Gemeinde Long Beach 9 im Pfahl Long Beach in Kalifornien. Sie arbeitet als private Krankenpflegerin.</em></font></font></p>
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		<title>Auf den Schwingen des Gebets</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 19:57:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1942 machte sich die junge Alexandria auf eine 800 Kilometer lange Reise durch das vom Krieg heimgesuchte Rußland. Ihr Zuhause schien unerreichbar. Doch im Gebet fand sie Mut.
Im Sommer 1941, als Alexandria Safronowa gerade siebzehn Jahre alt war, richteten die deutschen Armeen ihre Aufmerksamkeit nach Osten und drangen rasch nach Rußland vor. Obwohl Alexandria schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Tahoma"><font size="3">1942 machte sich die junge Alexandria auf eine 800 Kilometer lange Reise durch das vom Krieg heimgesuchte Rußland. Ihr Zuhause schien unerreichbar. Doch im Gebet fand sie Mut.</font></font></p>
<p><font face="Tahoma"><font face="Arial"><font size="3">Im Sommer 1941, als Alexandria Safronowa gerade siebzehn Jahre alt war, richteten die deutschen Armeen ihre Aufmerksamkeit nach Osten und drangen rasch nach Rußland vor. Obwohl Alexandria schon seit einiger Zeit geahnt hatte, daß der anschwellende Konflikt in Europa sich auch auf ihr Leben auswirken würde, hätte sie doch nicht gedacht, daß er so verheerende Folgen für ihre Familie bringen würde.<br />
Alexandria, 1924 in der Ukraine geboren, war eine von vier Töchtern von Michael und Hanna Safronowa. Michael war ein freundlicher Nachbar und arbeitete schwer. Er liebte Pferde. Hanna war eine Frau mit großem Glauben, die oft, wenn auch immer im stillen, betete, weil es in der Ukraine nicht einmal innerhalb der Familie erlaubt war, eine Religion auszuüben oder zu lehren. Alexandria lernte von beiden Eltern vieles Wertvolle, doch von ihrer Mutter lernte sie, auf Gott zu vertrauen.<br />
Ein Beispiel des tiefen Glaubens ihrer Mutter hinterließ bei der neunjährigen Alexandria einen bleibenden Eindruck. Einmal kam ihr Vater, nachdem er den ganzen Tag schwer auf dem Feld gearbeitet hatte, mit hohem Fieber nach Hause. Hanna scharte sofort ihre Kinder um sich, bat sie, leise zu sein, und kniete sich dann neben das Bett ihres Mannes, um ein stilles Gebet zu sprechen. Als sie sich, erhob, lächelte sie die besorgten Kinder an. „Euer Papa wird bald wieder gesund sein”, sagte sie. Noch am selben Tag ging das Fieber zurück, und er konnte wieder arbeiten. Alexandria hat dieses Erlebnis nie vergessen.<br />
Im November 1941 war die deutsche Armee bis nach Moskau und Leningrad vorgedrungen. In diesem Monat heiratete Alexandria einen russischen Soldaten, der aus der Gefangenschaft entkommen war.<br />
Den Krieg dicht auf den Fersen, flohen sie weit in den Norden, um bei der Familie ihres Mannes zu wohnen. Doch schon bald erreichte der Krieg auch dieses Gebiet, und sie waren zusammen mit vielen anderen Familien gezwungen, sich vier Monate lang im nahegelegenen Wald zu verstecken.<br />
Oft sah Alexandria ihren Mann tagelang nicht. Zusammen mit vielen anderen jungen Männern hatte er sich einer Widerstandsbewegung angeschlossen, die im Untergrund arbeitete und feindliche Konvois angriff. Alexandria fürchtete um sein Leben, konnte aber nichts tun. Ihre Lage wurde noch dadurch erschwert, daß ihre Schwiegereltern sie ablehnten. Weil sie aus der Ukraine war und eine andere Sprache sprach, betrachteten sie sie als minderwertig. „Es war alles sehr deprimierend”, erinnert sie sich. „Ich weinte die ganze Zeit.”<br />
Eines Abends kam Alexandrias Mann heim und versetzte ihr den Schock ihres Lebens: er teilte ihr nicht nur mit, daß er sich den Nazis angeschlossen hatte, sondern verlangte auch von ihr, daß sie fortging und nie wieder zurückkehrte. Alexandria, von dem drohenden, feindseligen Verhalten ihres Mannes eingeschüchtert, ging. Sie sah ihn nie wieder.<br />
Die Reise zu ihren Eltern, die etwa 800 Kilometer entfernt wohnten, schien unmöglich. Die große Entfernung war entmutigend, und sie hatte keinerlei Verpflegung. Dazu kam, daß es Winter war. Doch all diese Ängste waren nichts gegen den Gedanken, allein durch ein Kriegsgebiet zu reisen. Alexandria erinnert sich, wie sie allein im Schnee saß, hungrig und schwach, mit eiskalten Tränen auf den Wangen. Sie war untröstlich, bis sie an die Gebete ihrer Mutter dachte und sich entschloß, zum erstenmal selbst zu beten: „Hlf mir. Hilf mir, den Weg nach Hause zu finden.” Sie war nicht sicher, ob ihr Gebet gehört worden war, dennoch machte sie sich auf die gefährliche Wanderung.</font></font></font></p>
<p><img src="http://www.bilder-hochladen.net/files/5pnd-o.jpg" /></p>
<p><font face="Tahoma"><font face="Arial"><font size="3">Die Wintertage vergingen nur langsam. Es schien eine Antwort auf ihr Gebet zu sein, als sie jemandem begegnete, der ihr eine Karte gab. Ein Funken Hoffnung ließ sie weitergehen, von Hof zu Hof, von Stadt zu Stadt, Tag für Tag. Brach die Dämmerung herein, bat sie Fremde um einen Platz zum Schlafen – auf dem Boden oder in der Scheune, es machte ihr nichts aus, solange es nur nicht im Freien war, denn sie mußte sich an die Ausgangssperre halten, sonst wäre sie gefangengenommen – und erschossen – worden. Es gab so wenig zu essen, daß sie sich nur von kleinen Resten altbackenen Brotes und Kartoffelschalen ernährte, die sie sich aus dem Abfalleimer holte, wenn ihre Gastgeber zu Bett gegangen waren. Sobald es hell wurde, nahm sie ihre Reise wieder auf, oft mit nassen Kleidern, weil sie nur in einer feuchten, undichten Scheune geschlafen hatte.<br />
An einem Nachmittag, nachdem sie ungewöhnlich lange durch den tiefen Schnee gestapft war, war Alexandria so erschöpft, daß sie es allein nicht mehr bis zur nächsten Stadt schaffen konnte, ehe die Ausgangssperre hegann. Sie hatte Angst, weil sie erfahren hatte, daß deutsche Soldaten in der Gegend waren. Plötzlich tauchten drei von Pferden gezogene Heuwagen, die von deutschen Soldaten gelenkt wurden, auf der schmalen Straße auf. Als Alexandria sich neben der Straße versteckte, kam ihr eine Idee. Wenn sie auf einen der Wagen hüpfen konnte, ohne daß man sie sah, könnte sie noch vor Dunkelheit in die nächste Stadt kommen. Der letzte Wagen fuhr vorbei, und sie setzte ihren verzweifelten Plan in die Tat um. Sie rannte mit aller Kraft, konnte gerade noch eine Stange fassen, die hinten am Wagen befestigt war, und kletterte auf den Wagen.<br />
Alexandria hatte auf diese Art eine ziemlich bequeme Fahrt, bis, ein paar Kilometer weiter, die Wagen plötzlich anhielten. Sie erstarrte vor Angst. Als sie Fußschritte hörte, schloß sie die Augen und sprach ein stilles Gebet. „Bitte hilf mir, lieber Gott!” Die Fußschritte kamen näher und hielten dann gleich neben ihr an. Alexandria hob den Kopf und sah gerade in die mitfühlenden Augen eines jungen Soldaten, der ihr durch Zeichen zu verstehen gab, daß sie sich still verhalten sollte. Dann kehrte er zu seinen Kameraden zurück, ohne von seiner Entdeckung etwas zu sagen. Die Wagen fuhren wieder los, und Alexandria kam sicher in der nächsten Stadt an.<br />
„Ich weiß, daß der himmlische Vater über mich gewacht und mir geholfen hat”, sagt sie mit Tränen in den Augen.<br />
Nachdem sie wochenlang unterwegs gewesen war, kam Alexandria zu Hause an – abgemagert und schwach, doch voller Freude, ihre Familie wiederzusehen. Aber schon nach kurzer Zeit holten die Deutschen alle jungen, gesunden Leute und schickten sie mit dem Zug nach Deutschland ins Arbeitslager. Da war Alexandria keine Ausnahme. Sie wußte nicht, daß Dachau, das Lager, in dem sie drei Monate lebte, für andere Menschen unvorstellbares Leid bedeutete. Von dort wurde Alexandria von Bauernhof zu Bauernhof geschickt, wo sie verschiedene Arbeiten verrichten mußte, bis schließlich die amerikanischen Streitkräfte im Frühjahr 1945 nach Deutschland kamen.<br />
Nach dem Krieg wollte Alexandria zu ihren Eltern zurückkehren. Doch sie wurde krank, verbrachte zwei Wochen im Krankenhaus und verpaßte ihren Zug. Heute weiß sie, daß das ein Segen war. Diejenigen, die zurückkehrten, hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und die Lebensbedingungen waren in Deutschland sehr viel besser als in der Sowjetunion. Als sie 1945 in einem Verschleppten-Lager wohnte, lernte Alexandria einen gutaussehenden amerikanischen Soldaten kennen. Nach einigen Monaten heirateten sie, und zwei Jahre später nahm Sergeant Ronnie Graybeal seine junge Frau mit in die Vereinigten Staaten.<br />
Als zwei Missionare der Heiligen der Letzten Tage 1959 die Familie Graybeal besuchten, wußte Alexandria, daß sie eine besondere Botschaft brachten. Ihr Mann und zwei ihrer Kinder waren ebenfalls berührt, und die Graybeals bereiteten sich auf die Taufe vor. Als Bruder Graybeal erfuhr, daß die Luftwaffe ihn nach Deutschland versetzen wollte, entschloß er sich, sich noch vorher taufen zu lassen. Alexandria kämpfte jedoch noch damit, herauszufinden, ob Joseph Smith ein Prophet Gottes war. Einige Zeit später, nachdem die Familie nach Deutschland gezogen war, sagte ihr Mann: „Wenn du es wirklich wissen willst, dann frage doch den himmlischen Vater.” Alexandria tat es noch am selben Abend. „Ich weiß nicht, was geschehen ist”, erklärt sie, „aber am nächsten Morgen wußte ich, daß Joseph Smith ein Prophet war.” Alexandria und die zwei Kinder wurden kurze. Zeit später, im Juni 1960, in Karlsruhe getauft.<br />
„Es war ein wunderbares Gefühl”, sagt Schwester Graybeal von ihrer Taufe. „Mein Zeugnis wurde danach sehr gestärkt, und ich konnte gar nicht genug vom Evangelium hören. Ich studierte und studierte. Es war, als ob ich durch eine Tür gegangen sei, und plötzlich war das Licht da. Es war wirklich schön.”<br />
Alexandria hatte ihre Heimat neunundzwanzig Jahre lang nicht gesehen. In all diesen Jahren hatte sie jedoch mit ihren Eltern und einer Schwester Briefkontakt. Sie wollte sie gern besuchen, erhielt aber nie das notwendige Visum. 1972 schließlich erhielt sie die Erlaubnis, ihre Familie zu besuchen. Das Wiedersehen war eine Mischung aus Trauer und Freude: ihre Mutter und zwei ihrer Schwestern waren bereits gestorben, und ihr betagter Vater war blind. Trotzdem war es schön, bei ihrem Vater, ihrer Schwester Katrina und bei ihren Verwandten und guten Freunden zu sein.<br />
Einmal besuchte die Familie den Friedhof, wo ihre Mutter begraben lag. Von Trauer überwältigt, fiel Katrina auf das Grab und weinte. Alexandria kniete sich neben sie und erklärte ihr, daß der Tod nichts Endgültiges sei, daß ihre Mutter im Geist weiterlebte und sie einmal wieder bei ihr sein könnten. Katrina war verwirrt, aber in ihren Augen schimmerte Hoffnung. Alexandria erklärte ihr so einfach wie möglich den Plan der Errettung. Katrina hörte aufmerksam zu und wandte sich dann an ihren Vater, der ebenfalls zugehört hatte. „Papa, glaubst du, was sie sagt?” Er nickte, während ihm die Tränen über die Wangen liefen. Alexandria gab ihr Zeugnis und sah einen Schimmer der Erleuchtung auf ihren Gesichtern. Über solche Dinge hatten sie zuvor nie gesprochen. Ein Same der Wahrheit war gepflanzt worden.<br />
Heute erkennt man an Alexandrias Freude, an ihrer geistigen Stärke und ihrer tiefen Dankbarkeit, wie sehr ihr Leben davon geprägt ist, daß sie sich dem Evangelium verschrieben hat. Die Erinnerungen an die Drangsal, die sie mit siehzehn erlebt hat, sind immer noch schmerzlich, aber ihre Trauer verfliegt, wenn sie fröhlich von den Veränderungen berichtet, die sich in letzter Zeit in Europa und der ehemaligen Sowjetunion zugetragen haben. Sie ist sicher, daß viele ehemalige Sowjetbürger, so wie ihre eigene Familie, für die Zeit vorbereitet werden, wenn es in ihrer Heiüiat eine große Ernte von Seelen geben wird.<br />
Ja, Schwester Graybeal hat selbst schon ihre Sichel mit Macht eingeschlagen. Schon seit einigen Monaten haben die Graybeals, mit Hilfe von anderen, jeden Monat durchschnittlich etwa einhundert Geschenkpakete nach Rußland geschickt. Jedes Paket enthält eine Bibel, Glas Buch Mormon und das Buch „Grundbegriffe des Evangeliums” sowie eine Broschüre über die Erste Vision, ein Bild von Jesus Christus und einen persönlichen Brief von Schwester Graybeal mit ihrem Zeugnis.<br />
Die Auswirkungen sind überwältigend. Schwester Graybeal erinnert sich gern an den ersten Dankes-Brief, den sie aus Rußland erhalten hat: „Wir waren so begeistert! Worte können nicht beschreiben, was wir gefühlt haben! Ich hörte nicht mehr auf zu weinen.”<br />
Immer noch erhalten die Graybeals zahlreiche Anfragen nach Lesematerial. In einem Brief stand u. a.: „Ich habe einen brennenden Hunger nach Gotteserkenntnis. Ich habe diesen Wunsch zuvor nie gehabt. Ich bete, daß der Herr Sie inspirieren möge, mir zu helfen. Ich möchte mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen und darüber, wie sie mir helfen kann, Frieden und Zufriedenheit im Leben zu finden. Bitte schicken Sie mir, was Sie können.”<br />
Mit ihrem reizenden Akzent zitiert Alexandria eine Schriftstelle: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.” (Epheser 2:19.) Sie weiß, daß – wo immer wir auch leben – der Herr nahe ist und uns helfen kann.<br />
<em><font size="2">Reggie R. Van Wagoner, September 1992</font></em></font></font></font></p>
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		<title>Eine Reise auf dem Schiff INTERNATIONAL</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Apr 2008 16:17:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war eine ruhige Nacht auf dem Nordatlantik, aber Kapitän David Brown wachte mit Erstaunen auf. Was für ein eigenartiger Traum! Seine Schiffsbesatzung, die Offiziere und sogar er selbst wurden getauft und nahmen den Mormonenglauben an. Was hatte das zu bedeuten? Und warum war der Traum gerade dann gekommen,  als er, während er sich zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Es war eine ruhige Nacht auf dem Nordatlantik, aber Kapitän David Brown wachte mit Erstaunen auf. Was für ein eigenartiger Traum! Seine Schiffsbesatzung, die Offiziere und sogar er selbst wurden getauft und nahmen den Mormonenglauben an. Was hatte das zu bedeuten? Und warum war der Traum gerade dann gekommen,  als er, während er sich zum Beten niedergekniet hatte, eingeschlafen war? Er stand auf, <font size="3">legte sich ins Bett und dachte sowohl über dieses seltsame Erlebnis nach als auch über den außergewöhnlichen Geist der Gruppe Mormonen, die zur Zeit an Bord seiner International war.<br />
Als das große Segelfahrzeug am 25. Februar 1853 von Liverpool in England im Fluß Mersey ozeanwärts geschleppt wurde, waren außer der Schiffsbesatzung von 26 Mann 425 auswandernde Heilige der Letzten Tage an Bord, in welcher Zahl mehrere ungetaufte Freunde und Verwandte eingeschlossen waren. Hagel und Schnee prasselten auf das Schiff nieder, als es im Mersey Anker warf, um auf günstigen Wind zu warten. Unter Deck teilte Christopher Arthur, der 56jährige Präsident der Gruppe, die Passagiere in acht Abteilungen auf. An der Spitze jeder Abteilung stand ein Ältester, unterstützt durch einen Priester oder Lehrer. Die identifizierbaren Passagiere bestanden aus 309 Erwachsenen, 100 Kindern und 9 Kleinkindern.<br />
Drei Tage später faßte Kapitän Brown den Entschluß, in den Irischen Kanal zu segeln und sich trotz starker Stürme, großer Wellen, gesichteter Schiffswracks und sich ausbreitender Seekrankheit auf die sich etwa 8.000 Kilometer erstreckende Seereise zu begeben. Die Heiligen wappneten sich für das lange und gefährliche Abenteuer und hofften, nach fünf oder sechs Wochen in New Orleans in Louisiana sicher von Bord zu gehen. Im September sollten sie in Utah sein.<br />
Während des ersten Sonntags auf See wurden von den Mormonen drei Versammlungen abgehalten, die jedermann an Bord zugänglich waren. Kapitän Brown, seine Offiziere und die ganze Mannschaft der International besuchten die Abendmahlsversammlung am Nachmittag. Der Kapitän, ein gottesfürchtiger und den Heiligen geistesverwandter Mensch, gewann schon früh auf der Reise die Achtung der Auswanderer.<br />
Später in der Woche drohten heftige atlantische Stürme das hölzerne Fahrzeug zum Kentern zu bringen. Manche auf dem Schiff führten ein Tagebuch, und jemand schrieb am 10. März unter anderm ein: „Starker Sturm blies von Osten fünf Stunden lang — das Schiff rollte gewaltig — Wellen wie Berge an jeder Seite des Schiffes. Das meiste auf der linken Seite festgebundene Gepäck wurde losgerissen und rollte zur Mitte des Passagierdecks.”<br />
Diese Krise veranlaßte die Priestertumsträger, sich unter Deck zu versammeln und Gott zu bitten. die Wellen zu stillen. Fast sofort danach kam Kapitän Brown nach unten, um eine plötzliche Verbesserung des Wetters bekanntzugeben. Die Luken wurden wieder geöffnet. Aber in der Nacht segelte die International in ein noch schlimmeres Unwetter hinein. „Wieder polterten unsere Kisten umher”, schrieb jemand, „und viele unserer Töpfe und Dosen wurden zerschlagen, und viele Gegenstände gingen verloren.” Die Szene war sogar noch schrecklicher als in der vorhergehenden Nacht. Kein Feuer zum Kochen war erlaubt, und Frauen und Kinder durften ihr Bett nicht verlassen. Fast 15 Stunden lang tobte der Sturm. Endlich, etwa in der Hälfte des Nachmittag des nächsten Tages, hatte sich das Wetter so weit beruhigt, daß die Luken wieder geöffnet werden konnten. Es war in dieser Nacht, daß der erschöpfte Kapitän, nachdem er gesehen hatte, daß sein Schiff sicher durch die zwei Tage voll drohenden Unheils gekommen war, während des Betens in Schlaf fiel und diesen bemerkenswerten Traum hatte.<br />
Die Schiffsreise ging weiter. Trotz des schwierigen Anfangs behielt die Gruppe Auswanderer einen guten Geist bei, der sich besonders auf ihren abendlichen und sonntäglichen Versammlungen zeigte. Es war nicht ungewöhnlich, daß in Zungen gesprochen und prophezeit wurde. Nach vier Wochen auf See meldeten die präsidierenden Ältesten über ihre Abteilung, daß alle in gutem Stand wären und es keine Krankheiten, Zänkereien oder Klagen irgendwelcher Art gäbe.<br />
Aber sie wußten, daß das Schiff gegen die Gegenwinde nicht richtig vorwärtskam, durchschnittlich weniger als 130 Kilometer täglich. Am Ostersonntag, dem 27. März, fasteten die Mormonen bis zum Spätnachmittag, dankten Gott für ihre Bewahrung und beteten um günstigen Wind und ruhige Wellen.<br />
Auch Kapitän Brown machte sich Sorgen wegen der ungestümen Segelverhältnisse. In vier Wochen war nur ein Drittel der Entfernung nach New Orleans geschafft worden; fast 5.000 Kilometer mußten noch zurückgelegt werden. Deswegen ordnete er eine Bestandsaufnahme der Nahrungsmittelvorräte an, die aufzeigte, daß es ausreichen würde, falls die ungünstigen Winde nicht anhielten. Jedoch inmitten der Besorgnisse der Gruppe brachte ihnen der Geist am 29. März Beruhigung: „Jemand mit der Gabe der Zungen verkündete, daß wir eine schnellere Fahrt haben sollten als erwartet, weil der Herr mit unserm Fasten wohl zufrieden war und unsere Gebete erhört hatte.”<br />
Die Ereignisse der nächsten Tage und Nächte schienen jedoch diese Prophezeiung zu widerlegen. Wieder tobten Stürme: „Starker Sturm, große Wellenberge, Schiff rollt sehr viel, viele der Passagiere krank &#8230; Gegenstände rollen umher.” Von draußen kämpften die Elemente gegen sie an; aber drinnen war der Geist des Herrn an der Arbeit. Nach einer Predigtversammlung, „wo Bruder Finch eine kurze und deutliche Erklärung über die ersten Grundsätze gab”, wurden fünf Bekehrte getauft. Am 1. April hielten die ungünstigen Winde an; aber auf einer Zeugnisversammlung, wo viele Seeleute zugegen waren, fanden drei weitere Taufen statt. Zu diesen Bekehren gehörte auch der Schiffszimmermann als erstes Besatzungsmitglied. Am nächsten Tag wurden die Lebensmittelrationen gekürzt. Aber am Abend wurden auf einer Zeugnisversammlung drei weitere Matrosen und ein Passagier getauft.<br />
Wie wird man an Bord eines Segelfahrzeugs getauft? Manchmal wurden große, mit Salzwasser gefüllte Fässer benutzt oder eine provisorische Plattform an der Seite des Schiffs. Auf der International wurden die Taufen auf Deck vollzogen, und zwar „in einem großen, runden Holzbottich, der wahrscheinlich 9.000 Liter Wasser faßte”. Warum sich der Bottich an Bord befand, darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Aber gefüllt mit Seewasser, diente er gut als passendes Taufbecken.<br />
Am ersten Sonntag im April, wo man von Liverpool aus schon fünf Wochen unterwegs war und noch immer nicht den halben Weg nach New Orleans geschafft hatte, wurde eine besondere Versammlung im Zwischendeck abgehalten. Während das Fahrzeug von großen Wellen hin und hergeworfen wurde, wurde von vielen Zeugnis gegeben. „Es wurde der Vorschlag gemacht, daß wir durch unsern Präsidenten um Gunst bei der Reise beten sollten.” Vereint beteten sie um göttlichen Beistand, „als, was bemerkenswert ist, der Herr fast sofort die Gebete erhörte”. Christopher Arthur jun., 22 Jahre alt und noch kein Mormone, erinnerte sich später wie folgt daran: „Am 3. April wurde um günstigen Wind gebetet, worauf eine Antwort gegeben wurde, während wir noch auf unsern Knien waren.” In der Nacht darauf gab es nochmals einen Sturm; aber von da an eilte das Fahrzeug bei idealem Wetter Florida zu. Während der nächsten drei Tage, als die Heiligen frohlockten, „daß die Gebete erhört waren”, segelte die International so weit wie in den vorigen zwei Wochen. Häufig trugen die ausgestreckten Segel das Schiff pro Tag 350 Kilometer weit.<br />
Die Freude der Heiligen darüber, daß sich die Ereignisse so gewandelt hatten, war besonders groß, als sie am 6. April den Gründungstag der Kirche feierten, welche Festlichkeiten den ganzen Tag andauerten. Am Vormittag fanden eine Abendmahlsversammlung und vier Eheschließungen statt. Die Festlichkeiten am Nachmittag bestanden aus: „Anbetung und Lobpreisung”, Liedern, Vorträgen und Instrumentalmusik. Darauf folgte eine besonders vorbereitete Mahlzeit, „eine Mahlzeit, die jede Delikatesse enthielt, die sich das Schiff leisten, und jede Gaumenfreude, die ein Konditor erfinden konnte”. Zum abendlichen Fröhlichsein gehörten Nationaltänze, Gesang, Darbietungen und „das Tanzbein schwingen bis zu später Stunde”. Der Tag brachte Gemeinschaft und Freude für alle an Bord, auch für die Besatzung und ihren Kapitän.<br />
Während die International westwärts dem Hafen zueilte, nahmen die Mormonen an Zahl zu, wie in Kapitän Browns Traum vorausgezeigt. Gerade vor dem Fest am 6. April wurde der Koch des Kapitäns getauft. Am 8. April wurden Bruder Arthurs 16jährige Tochter Mary Ann und ein Neger von der Besatzung getauft. Der Zweite Offizier, drei Matrosen und Christopher Arthur jun. wurden am nächsten Tag getauft. Als die International eine Woche später zwischen Kuba und Florida segelte, schloß sich der Erste Offizier der Kirche an; dasselbe taten am nächsten Tag drei Matrosen und ein Auswanderer. Sogar 43 Grad Hitze am 17. April zerstörten nicht den Geist; denn bei den Heiligen gab es „erstklassige Versammlungen während des ganzen Tages; am Abend gaben der Schiffszimmermann, der Kapitänskoch und zwei Matrosen Zeugnis davon, daß dieses Werk die Wahrheit ist”.<br />
Kapitän Brown fühlte eine innere Unruhe, als die Bekehrungen anhielten. Einige seiner Gefühle wurden offenbar, als er am 18. April Instruktionen für die Landung gab und bekannte, daß der Mormonismus Anziehungskraft auf ihn ausübe. „Er hatte die Meere oft überquert”, schrieb jemand über ihn ins Tagebuch, „aber sich noch bei keinen andern Menschen so glücklich gefühlt wie bei den Heiligen der Letzten Tage.” Er fügte hinzu: „Sein Stolz hielt ihn davon ab, sofort ein Heiliger zu werden, aber er fühlte, daß er sich uns bald anschließen und nach der Stadt am Großen Salzsee kommen sollte.” Nach diesen seinen Bemerkungen wurden zwei weitere Passagiere getauft. Auf der Zeugnisversammlung am nächsten Abend gaben sechs Seeleute Zeugnis, und hinterher wurde einer getauft.<br />
Drei Tage vor Beendigung der Seereise und gerade, als es am östlichen Horizont hell zu werden begann, um 4.30 Uhr, wurde Kapitän David Brown von Bruder Arthur getauft. An demselben Abend wurden er und zwei andere als Mitglieder der Kirche konfirmiert. Dann, als passender Höhepunkt zu der Bekehrungsgeschichte der International, wurden der Kapitän und der Schiffszimmermann zum Ältesten ordiniert, der Erste und der Zweite Offizier wurden Priester und der Koch Lehrer. Als Teil dieser Versammlung, auf welcher der Kapitän, der Zimmermann und mehrere Leute von der Besatzung Zeugnis gaben, wurden ein Schwede und ein Neger als letzte von der Besatzung an Bord des Schiffs getauft.<br />
Am 23. April um 17.00 Uhr landete die International in New Orleans und vollendete somit eine 54 Tage dauernde Fahrt. Bruder Arthur war sowohl über das Verhalten der Heiligen erfreut als auch über das der Schiffsbesatzung. In seinem offiziellen Bericht an Samuel W. Richards, dem Präsidenten der Britischen Mission, lobte er besonders den Kapitän:<br />
„Ihnen zur Ehre kann ich sagen, daß kein Mann, der jemals mit einer Gruppe Heiliger von Liverpool abfuhr, mehr beliebt war oder sich uns gegenüber freundlicher und fürsorglicher verhielt als er.”<br />
In dem Bericht wurde es dem Wirken des Geistes, verbunden mit dem beispielhaften Verhalten der Heiligen, zugute gehalten, daß so eine bemerkenswerte Zahl von Bekehrungen auf hoher See stattgefunden hatte. Voller Stolz schrieb er:<br />
„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir alle an Bord getauft haben außer drei Personen (der Steward und seine Frau, beide standhafte Katholiken, und der Dritte Offizier, ,ein sehr gottloser Mensch&#8217;). Wir können den Kapitän dazu zählen, den Ersten und Zweiten Offizier und 18 Mann von der Besatzung; die meisten von ihnen haben die Absicht, geradewegs zum Salzseetal zu ziehen &#8230; Der Zimmermann und acht von den Seeleuten sind keine Engländer, es sind Schweden, Deutsche und Holländer. Es gehören auch zwei Neger dazu &#8230; Die andern Getauften waren Freunde der Brüder. Die Zahl der Getauften beläuft sich insgesamt auf 48, seit wir unser Heimatland verlassen haben!”<br />
Kapitän David Browns prophetischer Traum vor sechs Wochen war zu 94% erfüllt worden.<br />
<em><font size="2">WILLIAM G. HARTLEY, März 1974</font></em></font></font></p>
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		<title>Verfolgung 1824</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Apr 2008 13:27:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine walisische Familie wandert 16 Kilometer weit über die Berge, um die Kirche zu besuchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Es war 1924, und wir lebten in dem walisischen Ort Abercarn in Monmouthshire. Wir waren die einzigen Heiligen der Letzten Tage am Ort. Unsere Familie allein machte die Gemeinde Abercarn aus, und sie war voll organisiert. Treu hielten wir unsere Versammlungen ab — Sonntagsschule am Sonntagmorgen und die Abendmahlsversammlung am Sonntagabend. Am Dienstagabend hatten wir GFV. Unsere Familie sang und betete zusammen, und es herrschte eine große Liebe unter uns. Doch diese Liebe und Einigkeit im Handeln störte den Satan, und er beabsichtigte, etwas dagegen zu tun.</p>
<p>Bald sollten wir erfahren, was Verfolgung ist. Man verspottete uns, und oft riß man mir die Mütze vom Kopf, um zu sehen, ob ich Hörner hätte. Doch es gab nichts, was wir nicht hätten ertragen können. Eines Tages fing eine junge Frau aus dem Ort an, das Evangelium zu untersuchen. Ihr Vater hatte eine Führungsaufgabe in einer der Kirchen in der Stadt inne, und als er erfuhr, daß sie unsere Hausversammlungen besuchte, wurde er sehr zornig und begann, unsere Familie und die Kirche zu verleumden. Bald wurde der Ruf auch von anderen übernommen, und die Familie Griffiths wurde das Ziel erbitterter Verfolgung.</p>
<p>Ein Arzt am Ort schrieb sogar einen Artikel, der in der Zeitung veröffentlicht wurde, in dem er behauptete, daß 30 Mädchen aus Wales entführt worden seien und in der mit Mauern umgebenen Stadt Salt Lake City gefangengehalten würden. Auch erschienen weitere Artikel, die die Mormonen verdammten. In einem wurde sogar der Vorschlag gemacht, man solle unsere Familie aus der Stadt treiben.</p>
<p>Zu jener Zeit lebten wir in einem Haus, das der Stadt gehörte, und eines Tages erhielten wir ein Ultimatum vom Stadtrat, in dem es hieß, daß man uns aus der Wohnung hinaussetzen würde, wenn wir nicht damit aufhören würden, in unserem Heim Gottesdienste abzuhalten. Mein Vater wandte sich an die Führer der Kirche um Rat und wurde angewiesen, den 12. Glaubensartikel zu befolgen, der zum Teil lautet: „Wir glauben daran &#8230; , den Gesetzen zu gehorchen, sie zu ehren und zu unterstützen.”</p>
<p>So wurden unsere schönen glaubensstärkenden Versammlungen zeitweilig aufgehoben. Die nächstgelegene Gemeinde befand sich in einer kleinen Stadt namens Varteg, die ungefähr 16 Kilometer entfernt lag und zu der man über die Berge steigen mußte. Eines Abends, nachdem wir das Ultimatum erhalten hatten, rief Vater die Familie zusammen und besprach mit uns die Möglichkeit, am nächsten Sonntag über die Berge nach Varteg zu gehen, um die Versammlungen zu besuchen und am Abendmahl teilzunehmen. Er ließ darüber abstimmen, und ein jeder in der Familie stimmte dafür, sogar Ivor, der erst acht Jahre alt war. Dann begann eine Zeit der größten Abenteuer unseres Lebens.</p>
<p>Wir stiegen auf den Llanvach-Berg, stiegen darauf ab ins Hafodrynys-Tal, dann wieder hinauf auf den Pontypool-Berg und hinab nach Varteg. Unterwegs sangen wir und sagten Schriftstellen auf. Einmal verliefen wir uns im dichten Nebel, und Vater versammelte uns zu einem kleinen Kreis und betete. Er bat Gott, uns zu unserem Ziel zu führen. Vielleicht war es ein Zufall, doch glaube ich, daß es eine Antwort auf Vaters Gebet war, denn der Wind, der gewöhnlich durch die walisischen Berge streift, erhob sich, löste den Nebel auf, und wir konnten wieder den Weg sehen.</p>
<p>Manchmal regnete es, und wir waren bis auf die Haut durchnäßt. Die Heiligen in Varteg borgten uns trockene Kleidung und hängten unsere nasse ums Feuer zum Trocken auf. Die Kleider paßten nicht immer, und wir lachten unter uns über unser drolliges Aussehen. Doch ließ uns der Geist, der auf diesen Versammlungen herrschte, alle Härten und Unbequemlichkeiten vergessen. Ich erinnere mich noch so gut an die Lieblingsschriftstelle meines Vaters: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen&#8217;.” Und so war es auch. Der Geist des Herrn war so stark, daß unser müder Leib erneuert und unser Geist erhoben wurde.</p>
<p>Die Wochen wurden zu Monaten, und jeden Sonntag machten wir uns auf den Weg nach Varteg. Eines Tages aber erhielt der Stadtrat einen Brief, der vom 12. April 1924 datiert war und der während der Sitzung besprochen wurde. Es war ein inspiriertes Schriftstück, das von einem inspirierten Diener Gottes geschrieben worden war.</p>
<p>„Auf meinem Schreibtisch liegt ein Zeitungsausschnitt aus der &#8216;Süd-Wales-Argus&#8217;, der mitteilt, daß Ihr geehrtes Gremium vor kurzem gegen einen Ihrer Mitbürger vorgegangen ist, indem man ihn des Rechts beraubte, in seinem Heim Gottesdienst abzuhalten. Der einzige Grund für ein solch willkürliches Vorgehen war: &#8216;Er ist Mormone&#8217;.</p>
<p>Nun enthüllt das Wort &#8216;Mormone&#8217; dem Übelgesinnten eine derartige Vielzahl von Sünden, daß der Grund für Ihr Vorgehen ohne Zweifel hinreichend ist, zumindest für die leichtgläubige Menge. Sind Sie aber weit genug gegangen? Sind Sie sich dessen bewußt, daß der betreffende Herr noch immer zu Hause betet? Sind Sie noch nicht von der &#8216;Gesellschaft zur Verbreitung von Klatsch&#8217;, oder wie auch immer jene bestimmte Organisation genannt werden mag, davon informiert worden, daß der Mieter und seine Kinder, gegen die Sie eine besondere Verordnung ergehen lassen, jeden Abend und jeden Morgen ihrem Gott Dank sagen?</p>
<p>Warum vervollständigen Sie nicht dadurch Ihre Arbeit, daß Sie fordern, daß solche Gebete in einem Haus, das einem christlichen Stadtrat gehört, nicht gesprochen werden dürfen? Wenn Sie das Recht haben, ihn daran zu hindern, daß er Lobeslieder singt und in der Gegenwart seiner Familie und von Freunden über die Gnade und Güte Gottes spricht, so haben Sie auch das Recht anzuordnen, das er aufhört zu beten, ,weil er Mormone ist&#8217;. Deshalb muß ihm eines der am meisten geschätzten traditionellen Rechte genommen werden.</p>
<p>Ganz gleich, wie rechtschaffen er leben mag, so glaubt doch eine naive Öffentlichkeit, daß es etwas Schlechtes an ihm gibt. Sorgen Sie deshalb dafür, daß er im Interesse der Allgemeinheit in seinem eigenen Heim nicht mehr Gott verehrt. Da Sie doch in den Medern und Persern ein gutes Beispiel haben, die den gleichen Spruch vor 2000 Jahren gegen Daniel ergehen ließen, warum vervollständigen Sie dann nicht Ihre lobenswerte Gesetzgebung und untersagen Ihrem Mieter, seine Kinder das Beten zu lehren?</p>
<p>Haben Sie nicht zur weiteren Rechtfertigung Ihres Vorgehens das Zeugnis einer Ihrer Leute vorliegen, &#8216;daß vor zwei Jahren 30 Mädchen eine Stadt namens Machen verließen, und Sie wissen ja, daß immer dann, wenn irgend ein Mädchen irgendeine Stadt in Großbritannien verläßt, die Mormonen dafür verantwortlich zu machen sind&#8217;, so wie die frühen Christen für die Überflutung des Tibers verantwortlich waren?</p>
<p>Und bei jeder Übeltat, wo verbitterte Gemüter Mormonen als Urheber beschuldigen, denken die Leser der Zeitung natürlich, daß Sie die Anschuldigungen gegen die Mormonen nachgeprüft hätten. Wenn Sie dies nicht getan haben — und es ist einem jeden, der die Tatsachen kennt, klar, daß Sie es nicht haben —, haben Sie zu bösartigen Verleumdungen beigetragen. Es geziemt sich nicht für eine Körperschaft von intelligenten Männern, einen Menschen oder ein Volk so ungerecht zu beurteilen. Ich kann nicht glauben, daß das Volk, aus dem meine Mutter stammt, so engstirnig sein kann.</p>
<p>David O. McKay&#8221;</p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--></p>
<p>Der Rat beschloß, die Beratung über den Brief zu vertagen. Der Inhalt des Briefes wurde aber in der Ortszeitung abgedruckt, und so geschah einiges. Vater wurde eingeladen, auf einer Versammlung des Britischen Frauenverbandes zu sprechen. Und obwohl viele Jahre seitdem vergangen sind, ist mir jener Abend, als er zu diesen Frauen sprach, noch deutlich in Erinnerung. Er sprach von seiner Bekehrung zur Kirche und von den Verfolgungen, mit denen seine Familie überhäuft worden war. Er sprach zu ihnen über den Jungen Joseph Smith und seine Visionen und darüber, wie er sein Leben gegeben hatte, um sein Zeugnis zu besiegeln. Daraufhin legte er ein brennendes Zeugnis von der Göttlichkeit Jesu Christi ab.</p>
<p>Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie diese Frauen sich die Tränen abwischten. Und als Vater geendet hatte, gab es keinen Applaus oder eine andere Kundgebung, nur Stille, als ob sich diese Frauen über das schämten, was in ihrem Ort geschehen war.</p>
<p>Als Vater sich setzte, stand die Vorsitzende auf und schlug vor, daß diese Gruppe Frauen schriftlich bei der Stadt beantrage, daß die Familie Griffiths in ihrem Heim Gottesdienste abhalten dürfe. Die Abstimmung war einstimmig. Etwa eine Woche darauf erhielt Vater einen Brief vom Stadtrat, in dem es hieß, daß man uns nach sorgfältiger Überlegung gestatte, die Versammlungen wieder abzuhalten.</p>
<p>Der Vater des Mädchens, dem verboten worden war, unsere Versammlungen zu besuchen, versuchte immer noch, unserer Familie Schwierigkeiten zu bereiten, doch dann geschah etwas Seltsames. Mein Vater ging eines Abends zu jenem Mann nach Hause, und der Mann begegnete ihm an der Tür. Vater nannte ihn beim Namen und sagte: „Ich verspreche Ihnen, daß Gott Sie schwer demütigen wird, wenn Sie nicht damit aufhören, meine Familie zu verfolgen.” Innerhalb der nächsten Monate passierten Ereignisse, die tatsächlich diesen Mann demütigten. Seine älteste Tochter lief ihm weg und heiratete den Trunkenbold des Ortes. Sein ältester Sohn wurde in einer Kohlengrube schwer verletzt. Sein jüngster Sohn zog sich eine unheilbare Krankheit zu. Dann kam der Abend, den ich nie vergessen werde, als es an unserer Türe klopfte. Mein Vater öffnete, und da stand dieser Mann, der uns verfolgt hatte. Sein Kopf war gebeugt, und mit einer Stimme, die vor Erregung bebte, sagte er: „Mr. Griffiths, ich bin gekommen, um Sie um Vergebung zu bitten.”</p>
<p>Die jüngere Tochter des Mannes wurde schließlich getauft und wanderte nach Utah aus. Dort traf sie einen lieben Mann, heiratete ihn im Tempel und gründete eine liebenswerte Familie. Sie ist zwar schon gestorben, doch hat sie ihren Kindern ein Erbe des Muts und der Überzeugung hinterlassen, wie man es nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage findet.</p>
<p>Was meine Familie anbelangt, so haben wir herausgefunden, was Jesus gemeint hat, als er sagte: „Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr.” Dort in dem kleinen Haus in Wales fanden wir wirklich ein kleines Stück Himmel.</p>
<p><font size="2"><em> Thomas J. Griffiths, August 1975</em></font></p>
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		<title>Richtung Heimat</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 22:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war im Zweiten Weltkrieg. Als ich fünfzehn war, wurde meine Schulklasse zusammen mit dem Lehrer zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Wir wurden einer Flakbatterie zugeteilt.
Meine Familie war gegen den Krieg, aber mir blieb nichts anderes übrig, als mitzumachen. Hätte ich mich geweigert, so hätte man mich zwangsweise geholt. Darum nahm ich zögernd von meinen Eltern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Es war im Zweiten Weltkrieg. Als ich fünfzehn war, wurde meine Schulklasse zusammen mit dem Lehrer zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Wir wurden einer Flakbatterie zugeteilt.<br />
Meine Familie war gegen den Krieg, aber mir blieb nichts anderes übrig, als mitzumachen. Hätte ich mich geweigert, so hätte man mich zwangsweise geholt. Darum nahm ich zögernd von meinen Eltern und meiner Schwester Abschied und verließ das kleine Dorf Heuerssen am Fuß des Heisterberger Waldes, wo ich aufgewachsen war.<br />
Von Kriegsbeginn an hatte ich ständig um Führung vom Herrn gebetet. Ich sagte dem Herrn, daß ich alles in meiner Macht Stehende tun würde, um immer am rechten Ort zu sein, er möge mir aber helfen, wenn meine Voraussieht nicht ausreichte. Ich versprach ihm, fraglos auf die Eingebungen zu hören, die er mir ins Herz geben würde.<br />
Meine Klassenkameraden und ich wurden bei Hannover stationiert. Etwa einmal im Monat traf sich unsere gesamte Einheit von 300 Mann. Meistens gab es ein Mannschaftsfest, und alle rauchten und tranken – das heißt, alle außer mir. Am Anfang wußte ich noch nicht, daß unser Kommandant mich während dieser Feste beobachtete.<br />
Eines Tages fragte er mich, warum ich nicht rauchte oder trank, und ich erwiderte einfach, ich hielte es nicht für richtig. Ich glaube, ich war der einzige in der ganzen Gruppe, der das nicht tat. Auf jeden Fall war ich der einzige Heilige der Letzten Tage. „Es muß doch einen besonderen Grund haben, warum du das nicht tust”, forschte er weiter. Ich sagte, es sei besser für den Körper, sich dieser Dinge zu enthalten, und suchte auszuweichen. Mit fünfzehn ist es nicht ganz leicht, wenn einen die Leute auslachen und sagen, einer, der nicht raucht und trinkt, sei kein Mann. Meine Kameraden hatten sich öfter über mich lustig gemacht, und mein Kommandant hatte das mitbekommen.<br />
„Du bist doch Mormone, oder?” „Jawohl.”<br />
„Warum hast du mir das nicht gleich gesagt?” fragte er.<br />
„Ich bin nicht so geradeheraus, sondern ein wenig schüchtern”, erklärte ich ihm. „Sie haben ja gesehen, wie die anderen reagieren.”<br />
„Nun, das kann sich ändern, wenn du es ihnen nur sagst”, meinte er.<br />
Eines Abends saßen wir alle bei einem Fest um eine große Tafel. Alle tranken, nur ich nicht. Ich glaube, ich hatte ein alkoholfreies Getränk, das ich mir in der Stadt gekauft hatte. Der Kommandant beobachtete mich wieder.<br />
Plötzlich stand er auf und sagte: „Rahde, steh auf!” Und dann, an alle gewandt: „Ich möchte euch bekanntgeben, daß Rahde Mormone ist. Er trinkt nicht, und er raucht nicht. Ich möchte, daß man das respektiert. Wenn ich jemanden sehe, der sich darüber lustig macht, gibt es Arrest.”<br />
Ich war zutiefst erschrocken und lief rot an, weil alle mich anblickten. Dann fuhr er fort: „Von nun an, Rahde, hast du den Auftrag, dich um die Männer zu kümmern, wenn sie in die Stadt gehen, und sie nach Hause zu bringen, wenn sie zuviel getrunken haben.”<br />
Von diesem Augenblick an gab es etliche Gruppen, die mich jeden Abend mitnehmen wollten. Sie nahmen mich mit in die Gaststätten, und wenn wir irgendwo einkehrten, sagten sie: „Kein Bier für Rahde, er muß uns heimbringen. Er trinkt nicht. Daß ihr ihn ja in Ruhe laßt!”<br />
Ich mußte nie wieder etwas sagen, und ich gewann auf diese Weise viel mehr Freunde, als ich sonst jemals gewonnen hätte. Nichts hätte mir mehr nützen können als diese Offenheit, wie mein kluger Kommandant instinktiv gespürt hatte. Die anderen vertrauten mir so sehr, daß sie mich immer mitnahmen, wenn sie etwas vorhatten, und sie beschützten mich auch &#8211; das war mir ein Zeugnis. Keiner wagte mehr, mir Alkohol anzubieten.<br />
Etwa sechs Monate vor Kriegsende wurde ich einer Einheit zugeteilt, die junge Rekruten an Radargeräten ausbildete. Wir waren in Seesen im Harz stationiert. Ich war damals ungefähr siebzehn. Eines Tages mußten wir einen Aufsatz über Deutschland schreiben, und meiner wurde als der beste beurteilt. Der leitende Offizier stellte mich vor die gesamte Mannschaft und sagte: „Ich gratuliere zum besten Aufsatz! Ich erwarte nun, daß du dich freiwillig als Offizier des Deutschen Reiches meldest. Wir brauchen Leute deines Formats. Ich erwarte noch heute abend deinen schriftlichen Antrag.”<br />
„Da muß ich nicht bis heute abend warten”, sagte ich. „Ich stelle keinen Antrag.”<br />
Er wurde sehr zornig und wollte mich bestrafen. Er sagte: „Morgen werde ich dich wieder auffordern, und übermorgen wieder!”<br />
„Ich gehe aber nicht”, erwiderte ich. Der Nationalsozialismus war nicht meine Sache. Mein Vater war ein Freund der Juden, und wir hatten zu Hause immer für die Juden gebetet. Der Offizier fragte, was ich zu tun gedächte. „Ich möchte bei meiner Einheit bleiben”, sagte ich. Er erwiderte, ich könne nicht mit meiner Einheit mitfahren, wenn ich mich nicht freiwillig als Offizier meldete. Statt dessen müsse ich zurückbleiben und Rekruten ausbilden. Es blieb mir keine andere Wahl.<br />
Ich mußte nun zwar bei einer Einheit bleiben, in der ich nicht sein wollte, aber nachdem der Offizier einmal gesagt hatte, daß es so sein müsse, fühlte ich mich sicher, so, als wäre ich nun an dem Ort, wo ich sein sollte. Alle meine Freunde wurden nach Rußland geschickt. Zurückgekommen ist nur einer, alle anderen sind gefallen. Der Herr hatte mich zur rechten Zeit an den rechten Ort geführt, um mir das Leben zu retten.<br />
Während des Krieges hatte ich oft das Gefühl, beschützt zu sein, zur rechten Zeit an den rechten Ort geführt zu werden. Trotz der Wirrnisse um mich herum hatte ich ein Gefühl des inneren Friedens.<br />
Als der Krieg fast aus war, erhielten die vier anderen Ausbilder und ich den Befehl, nach Berlin zu fahren. Damals hielt sich Hitler in Berlin auf. Es war die Endphase des Krieges, die Russen rückten vor, und die Amerikaner und Briten waren schon ganz nah.<br />
Wir sagten, wir würden nach Berlin fahren, aber ich hatte schon darüber gebetet und spürte, daß ich nach Hause zurückkehren sollte. Wir wußten, daß es sinnlos war, nach Berlin zu fahren. Der Krieg war ohnehin verloren. „Günther”, sagte ich zu meinem besten Freund, „ich fahre nicht hin. Ich gehe nach Hause.”<br />
„Ich komme mit”, sagte er. Ich fragte ihn, wie er sich so schnell entschließen könne, worauf er antwortete: „Ich habe dich die ganze Zeit beobachtet. Mir ist aufgefallen, daß du wirklich religiös bist, und ich habe dich immer dafür bewundert. Ich vertraue auf deine Entscheidungen, weil ich glaube, daß du von oben geführt wirst.”<br />
Die drei anderen Ausbilder entschlossen sich ebenfalls, mit uns zu kommen. Zu fünft machten wir uns auf den Weg, vorgeblich nach Berlin. Sobald wir außer Sicht waren, verschwanden wir im Wald und zogen uns die Zivilkleider an, die wir mithatten.<br />
Die Amerikaner waren schon vorgerückt und auf den Hauptstraßen entlang des Waldes. Wir blieben oben auf einem Hügel, weil wir dort noch sicher waren. Bis nach Hause würden wir zwei, drei Wochen brauchen. Wir schliefen im Wald, zu fünft unter einer Decke. Jede Stunde tauschten wir Plätze, weil die beiden äußeren so froren. Was wir an Eßbarem mithatten, reichte gerade drei Tage. Die übrige Zeit aßen wir, was wir in der Natur auflesen konnten, oder es gab uns jemand etwas zu essen.<br />
Ich erinnere mich noch gut, wie wir zum erstenmal Amerikanern begegneten. Wir durchquerten einen dichten Nadelwald und mußten über eine Straße. Als wir die Zweige am Waldrand auseinanderschoben, stand ein riesiger Panzer vor uns, die Kanone direkt auf uns gerichtet.<br />
Ich hatte Angst. Ich hatte noch nie einen amerikanischen Panzer, noch nie Amerikaner gesehen. Die Luke wurde aufgeklappt, und ein Amerikaner kletterte heraus. Oben auf dem Panzer saßen russische Gefangene, die von den Amerikanern befreit worden waren. Sie sahen, wie wir zitterten. Der Amerikaner fragte mich, woher wir kamen und wohin wir wollten. Ich sagte, wir wollten nach Hause. „No way”, erwiderte er. „Steigt hier auf, wir nehmen euch mit. Beim nächsten Aufenthalt steigt ihr auf einen Lastwagen um, der bringt euch in ein Lager.”<br />
Die Russen auf dem Panzer ließen mich an einen Ausweg denken. Während des Krieges hatte ich immer die Liebe im Herzen verspürt, die ich durch das Leben in der Kirche gewonnen hatte. Ich haßte niemanden und bemühte mich, meines Bruders Hüter zu sein.<br />
Die gefangenen Russen, die in unseren Lagern untergebracht waren, wurden nicht gut behandelt. Sie bekamen wenig zu essen, während wir genug hatten, und so ließen wir von ihnen unser Feldgeschirr reinigen, was ihnen auch recht war. Wir ließen immer etwas darin übrig.<br />
Mein Kommandant merkte das und rief mich zu sich. „Was macht ihr da mit eurem Feldgeschirr?”<br />
„Die Russen machen es für uns sauber”, antwortete ich.<br />
„Ich habe nachgesehen, und es war Essen darin.”<br />
„Wir können nicht alles essen, es ist zuviel.”<br />
„Du weißt, daß das streng verboten ist. Ich könnte es melden, und dann wärst du in Schwierigkeiten. Tu&#8217;s nicht wieder!” sagte er und klopfte mir auf die Schulter.<br />
Einer der Russen, dem wir Essen gegeben hatten, schrieb mir etwas auf einen Zettel. Er sagte, ich solle diesen Zettel herzeigen, wann immer ich Hilfe von einem Russen brauchte. Diesen Zettel hatte ich in der Tasche, und im selben Augenblick, als wir den Panzer erblickt hatten, war er mir ein gefallen. Ich zog ihn heraus und gab ihn den Russen. Sie lasen, was darauf stand, und plötzlich sagten sie auf Deutsch: „Freund! Freund!” und redeten mit dem Amerikaner und sagten ihm, daß wir russischen Gefangenen zu essen gegeben hätten. Der meinte: „Ich höre, ihr seid gut zu den Russen gewesen. Wir nehmen euch nicht mit. Geht weiter!”<br />
Wir setzten unseren Marsch durch den Wald fort und kamen täglich der Heimat näher. Aus der Höhe konnten wir im Tal die amerikanischen Panzer fahren sehen. Schon wenige Tage nach unserer ersten Begegnung mit den Amerikanern überquerten wir einen Hang, als ich plötzlich ein eigenartiges Gefühl hatte. Ich sagte meinen Freunden, ich müsse hinunter, direkt da hinunter, wo die Panzer waren. „Du bist wohl wahnsinnig!” sagten sie. „Du siehst doch die Panzer da unten. Die schießen dich einfach über den Haufen.” Ich erwiderte, das sei mir gleich, ich müsse hinunter.<br />
„Heinz, hast du darüber gebetet?” fragte Günther.<br />
„Ja”, antwortete ich.<br />
„Dann komme ich mit.”<br />
Einfach so. Er dachte nicht erst lang darüber nach.<br />
Die drei anderen blieben zurück. „Wir kommen nicht mit, ihr seid ja wahnsinnig!” sagten sie. „Ihr lauft ihnen direkt in die Arme!”<br />
Wir stiegen ab, so rasch wir konnten. Günther, der ein gutes Stück größer war als ich, faßte mich unter und schleppte mich beinah dahin. Nach einer Weile kamen auch die übrigen drei nachgerannt. Sie wüßten nicht warum, sagten sie, aber sie wollten ebenfalls mitkommen. Wir stiegen ganz hinunter ins Tal und traten aus dem Wald.<br />
Zu unserer Linken war ein kleines Bauernhaus. Als wir aus dem Wald kamen, ging die Tür auf, ein Mann kam heraus und rief: „Schnell, kommt herein!” Wir liefen hinein, und er schlug hinter uns die Tür zu. Dann versteckte er uns im Kuhstall unter dem Stroh, weil die Amerikaner unter Androhung strenger Strafen verboten hatten, deutsche Soldaten aufzunehmen. Wir waren kaum unter das Stroh gekrochen, als auch schon amerikanische Panzer und Lastwagen bergwärts vorbeirollten. Sie fuhren zum erstenmal da hinauf. Einige Stunden später kamen sie zurück, die Lastwagen voll deutscher Soldaten, die nun in Lagern interniert wurden.<br />
Wieder einmal hatte der Herr mich im richtigen Augenblick an den rechten Ort geführt. Als die Amerikaner den Berg verlassen hatten und fort waren, setzten wir unseren Weg fort. Ein paar Tage später wurden wir erneut von Amerikanern angehalten. Anfangs sagte ich nichts und tat so, als könne ich nicht Englisch. Ich hörte, wie sie sagten: „Wir lassen sie einfach da sitzen, bis der nächste Lastwagen kommt und sie ins Lager bringt.” Alle zwei, drei Minuten waren Lastwagen vorbeigekommen.<br />
Wir saßen da und erwarteten jeden Augenblick den nächsten. Wir warteten und warteten, wohl eine Stunde oder länger, aber es kam keiner mehr. Schließlich ging ich zu einem der Militärpolizisten und sagte ihm, wer wir waren.<br />
„Ach, plötzlich kannst du Englisch?” bemerkte er.<br />
„Ja, ich kann Englisch, hab&#8217;s in der Schule gelernt. Ich hatte nur Angst.” „Wie alt bist du?”<br />
„Siebzehneinhalb.”<br />
„Wo bist du gewesen?”<br />
Ich erzählte ihm alles, was wir gemacht hatten, warum wir in Zivil waren, wohin wir wollten: nach Hause. Er ging ans Telefon und prüfte unsere Angaben. Dann blickte er mich lange an und sagte: „Ich habe selbst einen Jungen in deinem Alter. Wenn er zu jemandem sagen würde: ,Ich will nach Hause zu meiner Mutter&#8217;, so würde ich hoffen, man ließe ihm die Chance. Wenn ihr hier entlanggeht, kommt ihr zu einem amerikanischen Hauptquartier. Aber wenn ihr hier geht, sieht euch niemand. Viel Glück!” Schließlich waren wir fast daheim. Alles war geschlossen. Es gab keinen Zug, kein Auto, keinen Bus, kein Telefon, nichts. Wir gingen also weiter durch den Wald, immer den Bach entlang. Ich kannte mich in der Gegend gut aus. Ich wollte durch das Gartentor des Nachbarn gehen, trennte mich von den anderen und öffnete das Tor. Plötzlich ging die kleine Selbstschußanlage los, die man für die Wiesel aufgebaut hatte. Ich und auch die Nachbarn, die angerannt kamen, waren zu Tode erschrocken. Aber sie waren froh, mich lebendig wiederzusehen. Ich schickte meine Schwester mit Essen in den Wald, damit sich meine Kameraden stärken konnten, bevor sie ihren Heimweg fortsetzten.<br />
Wir schafften es alle, denn der Herr führte uns immer zur rechten Zeit an den rechten Ort.<br />
Das Gebet war meine Stütze gewesen, manchmal die einzige, die ich hatte. Ich hatte die ganze Zeit gebetet und das friedliche Gefühl empfangen, daß alles gutgehen würde, und so war es denn auch. Ich glaube nicht, daß je ein Tag vergangen ist, an dem ich dem Herrn nicht gesagt habe, daß ich ihn liebe. Im Krieg war mein Herz von Liebe erfüllt. Ich glaube, daß mir der Herr deshalb das Leben gerettet hat. Ich wußte: Wenn ich seine Gebote hielte und mich von ihm führen ließe, würde er mich beschützen. Und er tat es auch<br />
<font size="2"><em>Heinz Rahde, Oktober 1986</em></p>
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		<title>Ein Nachmittag auf Hawaii</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 08:58:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An den Lärm kann Gordon Daniels sich am besten erinnern. Das unablässige Tosen der Brandung, wenn die drei bis fünf Meter hohen Wellen sich an den Felsen brachen und die Luft mit Gischt erfüllten, bis sie selbst fast aus Wasser zu bestehen schien. Der Lärm machte jedes Reden fast unmöglich.
Der Himmel war an den Tag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">An den Lärm kann Gordon Daniels sich am besten erinnern. Das unablässige Tosen der Brandung, wenn die drei bis fünf Meter hohen Wellen sich an den Felsen brachen und die Luft mit Gischt erfüllten, bis sie selbst fast aus Wasser zu bestehen schien. Der Lärm machte jedes Reden fast unmöglich.</font></p>
<p><font size="3">Der Himmel war an den Tag bewölkt; es waren aber keine flaumigen, weichen Wölkchen, die sanft an einem strahlendblauen Himmel vorüberzogen, sondern finstere, drohende Wolken, und der Wind heulte an den Klippen entlang.</font></p>
<p><font size="3">Vierundzwanzig Jungen bummelten den Nachmittag an der Nordküste von Westmaui (zu Hawaii gehörig) entlang, nachdem sie über zwei Monate Ananas gepflückt hatten. Es war ihr letzter freier Tag vor der letzten Arbeitswoche. Anschließend wollten sie noch eine Vergnügungsfahrt über die Inseln machen und dann nach Hause auf das US-Festland fahren. Die meisten Jungen unter Gordons Aufsicht hatten schon Reiseschecks in der Tasche. Sie hatten von einem sensationellen Zugloch gehört, wo die Brandung wie eine Fontäne durch eine Öffnung des Küstenfelsens gepreßt wurde. Das Zugloch befand sich mitten in einem glatten Felsplateau auf der anderen Seite der Insel, und die Jungen wollten gern hin.</font></p>
<p><font size="3">Sie waren alle überrascht. Der Norden war öde, nicht so üppig grün wie das Hawaii, das sie bis dahin erlebt hatten. Die Landschaft erinnerte sie an die Bilder vom Mond. Wohin das Auge blickte, kein Grashalm, kein Baum oder irgendeine andere Pflanze, am Strand nicht ein einziges Sandkorn. Scharfe, zerklüftete Lavafelsen, die sich nach unten zu verjüngten und schließlich im Meer verschwanden.</font></p>
<p><font size="3">Zwei Gruppen zu je 12 Jungen &#8211; jede mit ihrem eigenen Führer &#8211; waren an dem Tag mit einem Lastwagen und einem Kleinbus gemeinsam unterwegs.</font></p>
<p><font size="3">Doug Carlsens Jungen waren zwei, drei Minuten vor Gordons Gruppe da. Langsam arbeiteten sich Gordons Jungen die schroffen Abhänge hinab bis zu dem Felsplateau vor und sahen, daß bereits sechs, sieben ihrer Freunde um das Loch herumsaßen und die Füße über den Rand baumeln ließen.</font></p>
<p><font size="3">Keiner hielt das für besonders gefährlich. Sie hielten es vielmehr für ein spannendes Spiel, die Füße erst Sekunden vor dem Wasserschwall wegzuziehen. Alle 35, 40 Sekunden prallte eine Welle gegen die Felsen unter ihnen und sprühte durch das Loch die Gischt nach oben, die 15 Meter hoch in die Luft schoß, dort einen Augenblick stand und dann mit Getöse wieder in dem neunzig Zentimeter großen Loch verschwand. Es war aufregend!</font></p>
<p><font size="3">Alles war feucht und glitschig, und während Gordons Jungen auf ihre Freunde zueilten, warnten sie einander davor, an die seewärts gerichtete Seite des Lochs zu geraten. Es fröstelte sie bei dem Gedanken, sie könnten über die Klippen hinabstürzen, doch der Gedanke war bloße Theorie. Niemand rechnete mit so etwas.</font></p>
<p><font size="3">Dann, ohne Warnung, entlud sich ein Stoß, der viel mächtiger war als die anderen, und sie rannten volle acht Meter zu den überhängenden Felsen zurück. Unmittelbar darauf ertönte der Schrei: „Wo ist Mike?” Eine Stimme klagte laut: „Ich glaube, ich habe gesehen, wie er in das Loch gesogen wurde!”</font></p>
<p><font size="3">Es ist merkwürdig, wie anders die Elemente klingen, wenn sie zur feindlichen Stimme geworden sind. Die vorherige Spannung wich regelrechter Panik.</font></p>
<p><font size="3">Die beiden entsetzten Führer sprangen hin, um in die Tiefe des Zuglochs zu spähen, aber dort war alles pechschwarz. Der nächste Strahl vertrieb sie fast im selben Augenblick, aber sie kamen zurück, um vergeblich in die tiefe Finsternis zu starren, in der Mike verschwunden war.</font></p>
<p><font size="3">Völlig außer sich riefen sie seinen Namen, aber es kam keine Antwort. Dreimal kam das Wasser wieder in die Luft geschossen und zwang sie zum Rückzug, und dreimal liefen sie wieder hin und riefen nach unten hin gegen den Wind seinen Namen.</font></p>
<p><font size="3">Zwischen dem dritten und vierten Ausbruch kam eine Antwort, und zwar verblüffend deutlich: „Ja, ich bin hier unten, aber ich glaube, mir ist nichts passiert.” Sie wurden schwach vor Erleichterung. Mit jedem neuen Wasserstrahl hatten sie erwartet, Körperteile von Mike hochkommen zu sehen.</font></p>
<p><font size="3">Alle zogen ihre Hosen aus und banden sie zu einem improvisierten Seil zusammen. Von unten war nichts mehr zu hören. Sie ließen das Seil in die Finsternis hinab und riefen Mike mit rauher Stimme zu, er solle es ergreifen, wenn es kam.</font></p>
<p><font size="3">Doch die Wellen, die unermüdlichen, frustrierenden Wellen, brandeten immer weiter gegen das Ufer, und der Wasserstrahl kam immer wieder hochgeschossen. Zweimal ließen sie das Seil hinab, zweimal wurde es ihnen wieder ins Gesicht zurück geschleudert.</font></p>
<p><font size="3">Einer von Mikes besten Freunden bot an, selbst hinunterzuklettern, doch der Gedanke wurde rasch verworfen. Das Wasser, das die Felsen schon seit Jahrhunderten überspülte, hatte jeglichen sicheren Halt abgetragen. So mutig der Gedanke auch war, er mußte doch fallengelassen werden.</font></p>
<p><font size="3">Doug Carlsen saß vornübergebeugt da und starrte in das Loch; sein Gesicht war kreideweiß. „Was soll ich tun? Wir müssen ihn retten!“</font></p>
<p><font size="3">In dem Augenblick erspähte jemand draußen in der Bucht etwas, und sie konnten ausmachen, daß es Mike war. Er tanzte auf den Wellen auf und nieder und war offensichtlich bewußtlos. Merkwürdigerweise war sein Kopf aber ziemlich aufrecht und über Wasser.</font></p>
<p><font size="3">Doug sprang auf die Füße und rief: „Ich muß ihn retten!” Gordon schrie zurück: „Kannst du schwimmen?” „Nicht sehr gut, aber er ist einer von meinen Jungen – ich muß es versuchen.”</font></p>
<p><font size="3">Da war Greg Parker zur Stelle. „Ich kann schwimmen”, rief er gegen das Tosen der Brandung an. „Ich bin ein Adlerscout und Rettungsschwimmer. Ich werde es schaffen!”</font></p>
<p><font size="3">Also suchte sich Greg, gutaussehend und sportlich und mit großem Selbstvertrauen ausgestattet, langsam zwischen den Felsen einen Weg und sprang in die Wellen, während Mike immer näher an die scharfen Kanten eines erstarrten Lavabrockens herangetrieben wurde. Mit kräftigen Zügen schwamm Greg zu ihm hin, faßte ihn im Transportgriff und zog ihn aufs offene Meer zurück. Mike war bewußtlos, und Greg versuchte, seitlich zu schwimmen.</font></p>
<p><font size="3">Wohin konnten sie aber schwimmen? Wenn sie zur Küste schwammen, schmetterten die Wellen sie gegen die Felsen. Das Wasser schlug ihnen ständig über den Kopf und mußte unweigerlich in die Lungen eindringen. Seewasser ist salzig, und wenn man es schluckt, verursacht es Brechreiz, was auch den stärksten Schwimmer auf die Dauer ermattet; Gregs ganzer Organismus war davon in Mitleidenschaft gezogen.</font></p>
<p><font size="3">Inzwischen waren sie wieder bis auf sechs Meter an die Lavaformation herangetrieben worden. Die hilflosen Zuschauer konnten kaum Gregs Worte ausmachen: „Ich schaffe es nicht. Wir brauchen Hilfe!<sup>”</sup></font></p>
<p><font size="3">Steve Dudley schrie: „ Greg ist mein bester Freund.” Und noch ehe die anderen sich überhaupt rühren konnten, war er schon kopfüber ins tobende Wasser gesprungen. Jetzt waren statt einem schon drei Jungen in Gefahr.</font></p>
<p><font size="3">Er schaffte es aber, zu den beiden zu gelangen, und gerade in dem Augenblick erlangte Mike teilweise das Bewußtsein wieder.</font></p>
<p><font size="3">Mike konnte sich daran erinnern, wie schrecklich es gewesen war, als der Sog ihn das Zugloch hinuntergerissen hatte. Er war gut drei Meter weiter unten auf einem Felsvorsprung aufgeschlagen. Dort hatte er sich kurz festklammern können, aber nicht lange. Der Wucht der vielen Tonnen Wasser, die ins Meer zurückdrängten, hatte sein Griff nicht standgehalten; er war durch einen horizontalen Tunnel gewirbelt und ins Meer geschleudert worden.</font></p>
<p><font size="3">Greg und Steve schafften es jetzt gemeinsam, Mike weiter aufs offene Meer hinauszuziehen, weg von den Klippen, und für den Augenblick waren sie relativ sicher. Gordon sagte zu dem anderen Gruppenführer. „Ich muß allein sein, um nachzudenken. Ich bin sofort wieder da.”</font></p>
<p><font size="3">Er ging hinter einen riesigen Felsen, wo er allein war, und flehte mächtig zum Herrn. Er versprach ihm alles, was er hatte oder je haben werde, alles, was Gott von ihm verlange, wenn er ihm nur helfen wolle, die Jungen sicher aus dem Wasser zu holen.</font></p>
<p><font size="3">Als Gordon hinter dem Felsen hervorkam, fiel ihm eine kleine Bucht etwa zwölf Meter weiter rechts auf. Sie war zwar auch mit Felsen bestückt, doch etwas sicherer. Wenn die Jungen es schafften, dorthin zu kommen, konnten sie vielleicht so lange aushalten, bis ein Hubschrauber herbeigerufen war. Sie kämpften jetzt schon zwanzig Minuten gegen die Wellen an und ermatteten ganz offensichtlich. Durch Wind und Wellen hindurch hörte er sie beten: „O Gott, bitte hilf uns!”</font></p>
<p><font size="3">Die Jungen am Ufer knieten im Kreis nieder, um zu beten. Gordon stand etwas abseits. Da kam ihm ein Gedanke in den Sinn, fast wie eine Stimme, aber doch nicht ganz: „Du mußt das Meer beruhigen.”</font></p>
<p><font size="3">Erst war er schockiert über die Anmaßung. Wie konnte er solche Macht ausüben? Mose hatte das Meer geteilt, aber er war doch bloß Gordon Daniels. Der Gedanke, etwas zu versuchen, was so weit außerhalb seiner Vorstellungskraft lag, beängstigte ihn.</font></p>
<p><font size="3">Das Gefühl kam aber noch ein zweites und ein drittes Mal: „Du mußt das Meer beruhigen.” Es verdrängte alles andere, bis auf die Sorge: „Werde ich eines Tages dafür zur Rechenschaft gezogen werden, daß ich meine Priestertumsmacht mißbraucht habe?”</font></p>
<p><font size="3">Er erhob den Arm zum Himmel und befahl den Wellen im Namen Jesu Christi, still zu sein, bis die Jungen aus der Gefahr befreit waren. Der Gebetskreis löste sich auf, und die Jungen scharten sich um Gordon, als er den Befehl noch einmal aussprach.</font></p>
<p><font size="3">Sogleich waren die tosenden Wellen, die so erbarmungslos herangerollt kamen, ruhiger. Dann bildeten sich zwei riesige Wellen, die aus entgegengesetzten Richtungen kamen, aus Richtungen, wo sich vorher keine Wellen gebildet hatten, und kamen gerade dort in einem Winkel zusammen, wo die erschöpften und fast leblosen Schwimmer darum rangen, nicht unterzugehen. Die Wellen hoben sich und stießen die Jungen fünfzehn Meter näher an die kleine Bucht heran.</font></p>
<p><font size="3">Einer der Jungen am Ufer war schon zum Lastwagen gelaufen, um ein Styroporkissen zu holen. Er warf es mit aller Kraft den Schwimmern zu, als ein zweites Paar Wellen genauso zusammenkam wie das erste und die Schwimmer bis an die Bucht heranschob. Jetzt waren sie noch drei Meter von der schützenden Bucht entfernt. Steve fing das Kissen auf und schob es wie ein Surfbrett unter Mike; innerhalb von Sekunden waren sie dann in Reichweite ihrer Retter.</font></p>
<p><font size="3">Das einzige Problem war jetzt, daß das Ufer der kleinen Bucht genauso kahl und gefährlich war wie die übrige Küste. Es gab auch hier Felsen, und es bestand durchaus die Möglichkeit, daß die wundersamen Wellen, die aus dem Nichts aufgetaucht waren und sie zweimal weitergebracht hatten, sie jetzt an den unnachgiebigen Felsen zerschmettern ließen.</font></p>
<p><!--[if gte vml 1]&amp;gt;   &amp;lt;![endif]--><!--[if !vml]--><font size="3"><img src="///C:/DOKUME%7E1/Besitzer/LOKALE%7E1/Temp/msoclip1/01/clip_image001.gif" height="15" width="3" /><!--[endif]-->Gordon lief los, sobald er sah, daß die Wellen sich von neuem bildeten. Er mußte die Bucht vor den erschöpften Schwimmern erreichen.</font></p>
<p><font size="3">Er watete bis zur Hüfte ins Wasser und griff nach Mike. In dem Augenblick schlugen die Wellen wieder zu, und ein Wasserschwall bedeckte beide. Er hob die Hände hoch über den Kopf, hielt den Atem an und reichte Mike an die Helfer weiter, die schon oben auf den Felsen warteten. Das gleiche wiederholte er mit Greg. Steve ließ das Kissen los und wurde gegen die Felsen geschleudert, bevor Gordon ihn zu fassen bekam. Er hatte in der Rippengegend und an den Seiten schlimme Schürfwunden.</font></p>
<p><font size="3">Mike war nicht bei vollem Bewußtsein, aber alle drei waren aus dem Wasser heraus und am Leben.</font></p>
<p><font size="3">Alle fühlten sich völlig erschöpft. Rund fünfundvierzig schreckliche Minuten waren seit dem ersten erschreckten Schrei verstrichen: „Wo ist Mike?” Sie ließen sich gegen die nächstbeste Stütze sinken und wollten wenigstens ein bißchen verschnaufen. Gordon spürte aber ganz dringlich, daß sie um jeden Preis ganz fort mußten, und sie begannen den Aufstieg.</font></p>
<p><font size="3">Einem Jungen fielen die Reiseschecks ein, die sie in den Hosentaschen hatten. Die Hosen hingen noch zusammengebunden an den Felsen über dem Loch. Er wollte schon hin, um sie zu holen. Gordon schrie ihn an: „Nein! Laß sie, wir müssen hier raus!”</font></p>
<p><font size="3">Sie trugen Mike in den Armen, und Gordon kam als letzter oben an. Er wandte sich zu einem letzten Blick zurück; ein Sonnenstrahl drang durch die Wolken. Es war fast fünf Uhr. Er war erschöpft, aber dankbar.</font></p>
<p><font size="3">Als er aufs Meer hinausblickte, sah er eine ganz andersartige Welle heranrollen, als sie sie bisher gesehen hatten, nicht mit rauhen Rändern, sondern ganz glatt. Er sah fasziniert, wie sich auf ihrem Kamm ein schwarzes Loch bildete. Der schwärzeste Teil ergoß sich genau auf die Stelle, wo die Hosen lagen (und wo sie alle noch Sekunden zuvor gesessen hatten und wo jetzt noch wenigstens ein Junge gewesen wäre, wenn er ihn gelassen hätte). Als sich die Welle wieder ins Meer ergoß, waren die Felsen kahl. Von den Hosen war nichts mehr zu sehen, so als hätten sie nie existiert.</font></p>
<p><font size="3">Sie trugen Mike die Klippen hinauf, so hoch sie konnten, und hielten an, um ihn in Handtücher zu wickeln, bevor sie zum Lager zurückfuhren. Als sie dort in tropfnassen Unterhosen einmarschierten, war die Aufregung groß.</font></p>
<p><font size="3">Die Feuerwehr brachte Mike, Greg und Steve ins nächste Krankenhaus. Ihre einzigen Verletzungen waren Steves Schürfwunden und das Salzwasser in Mikes Lungen. Die Ärzte behielten Mike über Nacht zur Beobachtung da; sie staunten, daß er den Sturz überlebt hatte. Es waren schon andere in das Zugloch gefallen, und nie war einer lebend wieder herausgekommen.</font></p>
<p><font size="3">Der Bürgermeister von Maui County ehrte Steve und Greg für ihren außergewöhnlichen Heldenmut.</font></p>
<p><font size="3">Gordon läuft es immer noch kalt den Rücken herunter, wenn er an die Hoffnungslosigkeit dieses Nachmittags an der öden Küste von Maui denkt, und er .staunt, daß es ihm vergönnt war, an dem Wunder teilzuhaben, das dort geschah. Sein Versprechen hat er nicht vergessen.</font></p>
<p><font size="3"><font size="2"><em>Kris Mackay, Oktober 1985</em></font></font></p>
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		<title>Auf der Suche nach dem Vater</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 11:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abraham Kimball war der Sohn von Heber C. Kimball, einem der ersten Apostel in unserer Evangeliumszeit. Er wuchs von seinem Vater getrennt, bei Verwandten auf, die der Kirche feindlich gegenüber standen. Im Jahr 1862 reiste er nach Salt Lake City, wo sein Vater Ratgeber von Präsident Brigham Young war, und er lernte seine Familie und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Tahoma"><font size="3">Abraham Kimball war der Sohn von Heber C. Kimball, einem der ersten Apostel in unserer Evangeliumszeit. Er wuchs von seinem Vater getrennt, bei Verwandten auf, die der Kirche feindlich gegenüber standen. Im Jahr 1862 reiste er nach Salt Lake City, wo sein Vater Ratgeber von Präsident Brigham Young war, und er lernte seine Familie und ihren Glauben lieben. Der folgenden Erzählung liegt sein eigener Bericht zugrunde, der im Archiv der Kirche aufbewahrt wird.</font></font></p>
<p><font face="Arial"><font size="3">Als wir die Fort-Hall-Straße in Idaho erreichten, erfuhr James Spicer, der Mann, mit dem ich nach Kalifornien unterwegs war, daß mehrere Wagenzüge von Indianern angegriffen worden waren. Da entschloß er sich, seine Pläne zu ändern und den Weg über Utah zu nehmen.<br />
„Ich werde dem Tod tapfer ins Auge blicken”, sagte ich, denn natürlich fürchtete ich, die Mormonen würden mich umbringen oder mir gar noch Schlimmeres antun.<br />
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Leute unserer Reisegruppe nichts von meiner Abstammung gewußt. Jetzt hielt ich es für besser, Spicer davon zu erzählen.<br />
„Mein Vater wohnt in Utah.”<br />
„Wer ist dein Vater?”<br />
„Das weiß ich nicht genau”, sagte ich, und das stimmte. Ich kannte ihn nicht, aber ich war sicher, daß es Schwierigkeiten geben würde.<br />
„Wahrscheinlich werden sie versuchen, mich gefangenzunehmen”, sagte ich. „Die Fort-Hall-Straße können wir jedenfalls nicht nehmen”, sagte Spicer. „Zu gefährlich. Wir müssen durch Utah.” Er lächelte. „Mach dir nur keine Sorgen.” Er stieg wieder auf seinen Wagen und fuhr los, nach Norden in Richtung Utah. Es war ein Alptraum. Wir waren schon zu weit in der Wildnis, als daß ich allein hätte umkehren können. Jetzt wurde das wahr, wovor ich mich mein ganzes Leben lang am meisten gefürchtet hatte. Ich war mit einem bitteren Vorurteil und großem Haß gegen die Mormonen aufgewachsen. Unter einem Mormonen stellte ich mir ein häßliches und gefährliches Ungeheuer vor. Ich hatte oft geträumt, daß sie mich gefangennahmen. Wenn ich wieder wach war, stellte ich mir oft vor, wie es wäre, bei ihnen in Gefangenschaft zu leben — in einem Käfig wie ein wildes Tier. Ich hatte noch nie einen Mormonen gesehen, und konnte mich nicht mehr an meinen Vater erinnern. Was ich über die Mormonen wußte, hatte ich von meinem Großvater und seinen Angehörigen erfahren. Als mein Vater nach Utah aufgebrochen war, war ich erst 12 Monate alt gewesen. Er hatte zwei Frauen (meine Mutter Clarissa und ihre Schwester Emily) sowie meinen Bruder Isaak in der Obhut meines Großvaters Alpheus Cutler zurückgelassen. Bei der ersten Gruppe, die nach Westen zog, befanden sich nur drei Frauen. Die meisten Ehefrauen blieben bei Verwandten zurück und kamen während der nächsten Jahre nach Utah nach.<br />
Zwei Jahre später starb meine Mutter, und ein paar Monate darauf starb auch Tante Emily. Großvater übersiedelte nach Manti in Iowa und gründete dort seine eigene Kirche. Er machte sich selbst zum Führer und nannte sie „Die wahre Kirche der Heiligen der Letzten Tage”.<br />
Er trat gegen die Vielehe und das Gesetz des Zehnten ein. Seinen Anhängern lehrte er, Joseph Smith sei zwar ein Prophet Gottes gewesen, aber Brigham Young nicht sein Nachfolger. Er selbst sei der wahre Führer und habe die Vollmacht, das Werk der Letzten Tage fortzusetzen. Mein Bruder Isaak und ich wurden von Großvaters Angehörigen schlecht behandelt. Man verfolgte und beschimpfte uns, weil wir aus einer polygamen Familie stammten. Beim geringsten Anlaß drohten sie uns, sie würden uns nach Utah schicken, wo uns die Mormonen den Garaus machen würden.<br />
Wenn wir zu lange im Wald blieben, hieß es, würden uns die Mormonen holen und fortschleppen. Mehr als einmal fuhren wir erschrocken zusammen, wenn wir beim Beerensammeln ein Rascheln im Unterholz hörten. Dann ließen wir unsere Körbe stehen und rannten wie aufgescheuchte Hühner nach Hause, ohne uns auch nur ein einziges Mal umzusehen.<br />
Im Frühjahr 1862 wurde ich nach Hamburg im Bundesstaat Iowa geschickt und blieb da eine Woche bei meinem Onkel Edwin Cutler. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, ihn nach Kalifornien zu begleiten. Ich sagte, ich käme gern mit.<br />
Die Reise verlief gut, bis wir nach Julesburg am Platte River kamen. Ich hatte ein wenig länger geschlafen als gewöhnlich und war nicht vor Tagesanbruch aufgestanden. Mein Onkel rüttelte mich wach und sagte, er hätte mich nicht mitgenommen, um mich zu bedienen, sondern um von mir bedient zu werden. Er sagte, als sein Diener könne ich gern mitkommen. Ein paar Tage danach fragte meine Tante mich, ob ich wüßte, wohin mein Onkel mich denn bringe.<br />
„Nach Kalifornien”, erwiderte ich. „Wohin denn sonst?”<br />
„Er bringt dich zu deinem Vater nach Utah”, sagte sie.<br />
Ich beschloß, meinen Onkel so bald wie möglich zu verlassen. Als wir nach Laramie in Wyoming kamen, winkte mich James Spicer, der seit kurzer Zeit mit unserer Gruppe unterwegs war, zu seinem Wagen.<br />
„Wenn ich recht verstehe, willst du nicht nach Utah”, sagte er.<br />
Ich bestätigte das. Er sagte, er wolle die Fort-Hall-Straße fahren, die nicht durch Utah führte. Er habe bemerkt, daß mein Onkel mich schlecht behandelte. Wenn ich wollte, könnte ich mit ihm fahren.<br />
Zwei Tage später forderte mein Onkel mich auf: „Abe, treib das Vieh zusammen. Heute abend bricht eine Gruppe auf, da können wir mitfahren.” Ich erwiderte, ich käme nicht mit, sondern würde mit Spicer nach Kalifornien fahren.<br />
Als meinem Onkel klar wurde, daß er mich nicht daran hindern konnte, mit Spicer zu gehen, sagte er, er werde jedem Mormonen, den er träfe, sagen, daß auf dem Weg hinter ihm einer von Heber C. Kimballs verlorenen Söhnen nachkäme. Ich hatte gehört, daß Heber C. Kimball ein Mormonenführer war, und so fürchtete ich mich noch mehr davor, nach Utah zu fahren.<br />
Und jetzt war ich doch auf dem Weg nach Utah. An Umkehren war nicht zu denken. Ich ging dem sicheren Tod entgegen.<br />
An der Green-River-Fähre in Wyoming kam die nächste Schwierigkeit. Wir trafen dort einen Mormonen, Lewis Robinson, und als er meine Geschichte hörte, fragte er mich, ob ich vorhabe, in Salt Lake City meinen Vater zu besuchen.<br />
„Nicht, wenn es sich vermeiden läßt”, sagte ich.<br />
„Dein Vater ist ein guter Mann”, sagte er. „Er freut sich bestimmt, wenn du kommst. Ich reite morgen früh nach Salt Lake City. Wenn ich hinkomme, sage ich deinem Vater, daß du kommst.”<br />
Wir trafen keine Mormonen mehr, bis wir Silver Creek in der Nähe von Parley&#8217;s Park in Utah erreichten. Dort erfuhr ich, daß in Parley&#8217;s Park William H. Kimball wohnte. Angeblich war er mein Halbbruder.<br />
Ich geriet immer mehr in eine hoffnungslose Lage und beschloß, recht unerschrocken aufzutreten und mich auf das Schlimmste gefaßt zu machen. Mit der Überlegung, daß es besser sei, dem Unglück direkt ins Auge zu blicken, beschloß ich, meinem Halbbruder einen Besuch abzustatten. Ich bewaffnete mich mit einem Revolver und einer Portion Kautabak und nahm allseits Abschied in dem Glauben, man würde wohl nie wieder von mir hören.<br />
William erkannte mich dank der Beschreibung, die mein Onkel ihm gegeben hatte.<br />
„Hallo Abe”, sagte er. „Wo kommst du denn her?”<br />
Er schien sich über meinen Besuch sehr zu freuen und bat mich ins Haus. Da ich eine Falle vermutete, hatte ich die Hand ständig am Revolver und war sehr wachsam. William stellte mich seiner Familie und zwei weiteren Brüdern, Charles und Solomon, vor. Man lud mich zum Essen ein. Für mich war es die erste zivilisierte Mahlzeit seit Monaten. Ich gewann einen positiven Eindruck von meinen Verwandten in Parley Park. Von Foltern war keine Rede, außer daß sie mich mit tausend Fragen buchstäblich ausquetschten.<br />
Bis Salt Lake City brauchten wir noch zwei Tage. Als wir ankamen, lagerten wir am Emigration Square, und trotz des guten Eindrucks, den meine Verwandten gemacht hatten, hatte ich immer noch schreckliche Angst vor den Mormonen. Am anderen Morgen, so dachte ich, würde ich ihnen in die Hände fallen. Alle alten Ängste bezüglich Gefangenschaft und Folter erwachten wieder. Die Nacht schien kein Ende zu nehmen.<br />
Gegen Mittag fragte Spicer mich, was ich tun wolle. „Ich glaube nicht, daß mit deinem Vater alles so ist, wie man es dir eingeredet hat”, sagte er. „Es ist wichtig, daß man eine Familie hat.” Spicer zögerte. Wir waren gute Freunde geworden. „Ich werde in Fort Floyd überwintern, und wenn du hinkommst oder nach Kalifornien nachkommen willst, bist du immer willkommen.”<br />
Wir verabschiedeten uns unter Tränen. Ich blieb so lange allein auf dem Lagerplatz zurück, wie ich mich traute, und blickte Spicers Gespann nach, wie es auf der Straße dahinfuhr.<br />
Ich wäre leichteren Herzens auf den Galgenhügel gestiegen als zu meinem Vater zu gehen. Ich wagte nicht, irgend jemanden anzureden, und so ging ich nicht auf dem Bürgersteig, sondern mitten auf der Straße. Ich vermutete immer noch eine Falle, daß die Mormonen mich gefangennehmen wollten.<br />
Ich überquerte den City Creek und fragte bei einem Haus nach dem Weg. Ich war sicher, daß mein Vater irgendwo in dieser Gegend wohnen mußte, und so fragte ich lieber nach meinem Halbbruder Charles Kimball. Die Frau an der Tür war Charles&#8217; Ehefrau. Sie sagte, ihr Mann sei ganz in der Nähe in der Scheune ihres Vaters.<br />
Als ich über den Hof ging, starrten mich die Leute aus Fenstern und Eingängen an. Ich muß ein wenig sonderbar ausgesehen haben. Ich hatte zwar meine besten Kleider an, aber selbst die waren alt und abgetragen: ein braunes Hemd, eine weiße Segeltuchhose, die eine gute Handbreit zu kurz war, Schuhe ohne Strümpfe und ein alter Schlapphut.<br />
Mein Bruder spannte gerade die Pferde an. Er war überrascht, daß ich da war. „Abe”, sagte er, „ich wollte gerade nach dir suchen. Ich spanne nur die Pferde aus und bringe dich dann zu Vater.”<br />
Ich wünschte mir, die Erde solle sich auftun und mich verschlingen. Als wir uns dem Haus näherten, sah ich einen Mann, den ich für meinen Vater hielt. Ich hatte große Angst vor ihm.<br />
„Da ist dein Junge”, sagte Charles. Mein Vater war 1,85 m groß und hatte einen kühnen, durchdringenden Blick, der auf den Grund meiner Seele zu schauen schien. Er sprach mit gütiger, väterlicher Stimme zu mir. Er wollte mich umarmen, aber ich ließ es nicht zu. Er sagte, er sei froh, mich zu sehen, und fragte mich, ob ich wisse. daß er mein Vater sei.<br />
Ich erwiderte, ich wisse es nicht und wolle es auch gar nicht wissen, und ich hoffe, er würde mich so bald wie möglich wieder gehen lassen. Er sagte, ich könne gehen, wann ich wolle, und dann lud er mich ins Haus ein. Er schaute mich eine ganze Weile an, ohne ein Wort zu sagen.<br />
„Hast du auch ordentliche Kleider?” brach er dann das Schweigen.<br />
Ich verbrachte den Winter bei meinem Vater und seiner Familie und ging sogar zur Schule. Weil sie mir viel Liebe erwiesen, begannen die Vorurteile gegen die Mormonen und der Haß, mit dem ich aufgewachsen war, zu schwinden. Gegen Ende des Winters fragte mich mein Vater, ob ich schon daran gedacht hätte, mich taufen zu lassen. Ich sagte, ich wisse es nicht. Er meinte, es stünde mir frei zu tun, was ich wolle. Wenn ich aber an das Evangelium glaube, dann fände er es schön, wenn ich mich taufen ließe.<br />
Er sagte mir, daß er mir und meinem Bruder Isaak einen Segen gegeben habe, bevor er meine Mutter und Tante Emily verlassen hatte. Als er mir die Hände aufgelegt hatte, habe er prophezeit, daß ich in das Salzseetal nachkommen und dann meinen Bruder mitbringen würde. Er wolle, sagte er, daß ich im Frühjahr zurückkehre, um meinen Bruder Isaak zu holen. Über die Taufe wurde mehrere Monate nicht mehr gesprochen, dann aber fragte man mich wieder, ob ich darüber nachgedacht hätte. Ich hatte die heilende Wärme des Evangeliums und der Mitglieder der Kirche verspürt. Ich wußte, daß die Kirche wahr war, und so sagte ich Vater, ich wolle mich taufen lassen.<br />
Wir gingen zum City Creek. Das Wasser war eiskalt und zugefroren, aber es machte mir nicht viel aus. Nach der Taufe konfirmierte mein Vater mich und berief mich zu der Aufgabe, meinen Bruder zu holen.<br />
Als ich im Mai 1863 in meiner alten Heimat eintraf, freuten sich die Großeltern, mein Bruder und meine Freunde über mein Kommen. Wenige Tage nach meiner Ankunft fuhren Großmutter und der Großteil der Familie für den Tag fort, um Freunde zu besuchen. Großvater war krank und konnte nicht mitfahren. Er bat mich, bei ihm zu bleiben, während sie fort waren.<br />
Als wir allein waren, fragte er mich über meine Reise nach Utah aus. Er fragte, ob ich meinen Vater gesehen hätte, und ich bejahte. Er sagte, er freue sich darüber und fragte, ob ich mich hätte taufen lassen. Auch das bejahte ich. Zu meiner Überraschung freute er sich auch darüber.<br />
„Ich habe es zugelassen, daß du mit einem Vorurteil gegen die Mormonen und gegen deinen Vater aufgewachsen bist”, sagte er mit geschlossenen Augen. „Jetzt empfinde ich es als meine Pflicht, dieses Vorurteil zu beseitigen.<br />
Ich wußte, daß Heber C. Kimball dein Vater ist, und ich wußte auch, daß er ein guter Mann ist, doch du solltest es nicht wissen. Ich wollte, daß du und Isaak mich im Alter versorgen solltet. Es ist nicht leicht, alt und krank zu sein. Jetzt hast du deinen Vater besucht, und so war es auch recht. Ich war im Unrecht.<br />
Ich weiß, daß Joseph Smith ein Prophet Gottes war, und ich weiß auch, daß Brigham Young sein rechtmäßiger Nachfolger ist. Ich habe es immer gewußt. Mein Fehler war, daß ich selbst führen und mich nicht führen lassen wollte. Ich bin meinen Weg gegangen, und mein Untergang ist besiegelt. Ich weiß, was auf mich wartet.”<br />
Großvater schloß wieder die Augen und räusperte sich.<br />
„Ich möchte, daß du zu deinem Vater zurückkehrst und Isaak mitnimmst. Ich weiß, daß es so recht ist. Ich möchte, daß du standhaft im Evangelium und dem Mormonismus treu bleibst. Wende dich niemals davon ab. Das wird dich im Reich Gottes erretten und erhöhen.”<br />
Großvater weinte dann wie ein kleines Kind.<br />
Als Isaak die Wahrheit über Vater gehört hatte, war er bereit, mit nach Utah zu kommen. Wir brachen wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Großvater auf. Als wir in Salt Lake City ankamen, freute Vater sich sehr darüber, daß wir da waren. Er hieß uns bei sich willkommen, und wir ließen uns dort gern nieder. Noch nie hatten wir uns so geliebt und zu Hause gefühlt.<br />
<em><font face="Arial"><font size="2">Abraham Kimball, September 1984</font></font></em></font></font></p>
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		<title>DAS EVANGELIUM IN DIE HEIMAT BRINGEN  &#8212; Dan Jones, ein Waliser</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Mar 2008 16:05:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Dan Jones am 4. August 1810 in einem Bergbaugebiet von Wales geboren wurde, erschien es unwahrscheinlich, daß es ihn von dort jemals nach Amerika verschlagen würde. Und es wäre noch unwahrscheinlicher erschienen, daß er in Amerika einen neuzeitlichen Propheten kennenlernen und in sein Heimatland zurückkehren würde, um dort das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Als Dan Jones am 4. August 1810 in einem Bergbaugebiet von Wales geboren wurde, erschien es unwahrscheinlich, daß es ihn von dort jemals nach Amerika verschlagen würde. Und es wäre noch unwahrscheinlicher erschienen, daß er in Amerika einen neuzeitlichen Propheten kennenlernen und in sein Heimatland zurückkehren würde, um dort das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi zu verkünden.<br />
Aber Dan Jones sollte einmal einer der erfolgreichsten und bekanntesten Missionare der Kirche in ganz England werden. Wenn man sich mit seinem Leben beschäftigt, wird ganz deutlich, daß er diesen Erfolg ohne die führende Hand des Herrn niemals hätte haben können.<br />
Dan wurde als sechstes von acht Kindern des Bergarbeiters Thomas Jones und seiner Frau Ruth in dem kleinen Ort Halkyn, Nordwales geboren. Sein Vater war „Blaenor” (Ältester beziehungsweise Diakon) bei den Methodisten, und man kann annehmen, daß Dan in diesem Glauben erzogen wurde. Die chronische Lungenkrankheit, die ihm das ganze Leben lang zu schaffen machte und wahrscheinlich auch dazu führte, daß er im Alter von einundfünfzig Jahren starb, läßt darauf schließen, daß er für einen gewissen Zeitraum in den Bleiminen von Halkyn arbeiten mußte.</font></p>
<p><font size="3"><strong>Ein neues Leben in Amerika<br />
</strong>Man hat kein Tagebuch von Dan Jones gefunden, und deshalb weiß man nur wenig über seine Jugendzeit. Mit ungefähr sechzehn Jahren ging er zur See und machte in den folgenden zehn Jahren lange Fahrten, die ihn rund um die Welt führten. Am 3. Januar 1837 — er war 26 Jahre alt — heiratete er Jane Melling aus Denbigh, das etwa sechzehn Kilometer westlich von Halkyn liegt.<br />
Dan und Jane wanderten später in die Vereinigten Staaten aus; 1841 lebten sie in St. Louis im Bundesstaat Missouri. Am 10. Mai dieses Jahres bewarb sich Dan Jones, der mittlerweile amerikanischer Staatsbürger war, um die Genehmigung, auf dem Mississippi einen kleinen Dampfer zu betreiben. Er war Mitbesitzer und Kapitän dieses Schiffes, das zu den kleinsten gehörte, die auf dem Oberlauf des Mississippi registriert waren. Sechs Monate später lief sein Schiff in der Nähe von Galena im Bundesstaat Illinois auf einen Felsen und sank. Dan begann sofort mit dem Bau eines neuen Dampfers, der „Maid of Iowa”. Zusammen mit Levi Moffit, einem Geschäftsmann aus Augusta im Bundesstaat Iowa, begann Dan im Oktober 1842, mit diesem größeren Schiff den Mississippi zu befahren. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fielen ihm die negativen Artikel auf, die Thomas Sharp in der Zeitung „Warsaw Signal” über ein obskures Volk verfaßte &#8211; die Mormonen. In seinem Buch „History of the Latter-day Saints” schrieb Dan Jones 1847: „Ich beschäftigte mich ausführlich mit den Anschuldigungen und sah ganz klar, daß sie unmöglich wahr sein konnten, denn entweder übertrieben sie in ihrem Eifer den Fall, oder sie widersprachen sich auf die eine oder andere Weise.”</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Emma Smiths Brief</strong><br />
Dann erklärt er, wie Emma Smith ihn mit ihren Worten dazu gebracht hat, dem Glauben der Heiligen der Letzten Tage Sympathien entgegenzubringen: „Bald kam mir durch einen reinen Zufall ein Teil eines Briefes in die Hände, den die Frau von Joseph Smith an eine Schwester geschrieben hatte, als sie zusammen mit ihrem Mann in Missouri im Gefängnis saß.<br />
Ich werde nie vergessen, was für Gefühle dieses Brieffragment in mir ausgelöst hat. Mir wurde ganz klar, daß die Schreiberin nicht nur wie ich an das Neue Testament glaubte &#8211; ihren Glauben an die Lehren der Apostel bekannte und sich inmitten aller Bedrängnisse freute, daß sie würdig war, all das für ihr Zeugnis von Jesus und dem Evangelium zu erleiden -, sondern daß dieser Brief bessere Ratschläge, mehr Weisheit und mehr evangeliumsgemäßen und göttlichen Geist enthielt als alles andere, was ich bisher gelesen hatte!”<br />
Dieser Brief beindruckte Dan Jones so stark, daß er sich nicht eher zufrieden gab, bis er mit einem Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sprechen konnte. Mehrere Gespräche bis tief in die Nacht überzeugten ihn davon, daß er schon fast ein Heiliger der Letzten Tage war. Am 19, Januar 1843 ließ Dan Jones sich im eiskalten Wasser des Mississippi taufen.<br />
Drei Monate nach der Taufe begegnete Dan Jones dem Propheten Joseph Smith zum erstenmal. Das war am Nachmittag des 12. April 1843, als die „Maid of Iowa” in Nauvoo festmachte, um mehr als 300 Bekehrte aussteigen zu lassen, die aus Großbritannien ausgewandert waren. Kapitän Dan Jones wollte Joseph Smith unbedingt kennenlernen, und so sah er über die Menschenmenge auf dem Dock hin. Aber niemand sah so aus, wie er sich einen Propheten vorstellte &#8211; ein Mann, der ein Tierfell trug, „einen langen Bart und langes weißes Haar” hatte. Selbst als ein „großer, gutaussehender Mann” auf dem Boot zu ihm trat und sagte: „Gott segne dich, Bruder” und ihm freundlich die Hand schüttelte, erkannte Bruder Jones den Propheten nicht. Erst als Joseph Smith noch einmal wiederkam, wurde Bruder Jones bewußt, daß er nicht weitersuchen mußte. Er sah Joseph Smith eine ganze Zeit intensiv an und änderte seine Vorstellung davon, wie ein Prophet auszusehen hätte. Vier Jahre später schrieb er: „Seine freundliche Erscheinung und sein fröhliches Gesicht, das ohne Falsch war, überzeugten mich davon, daß er nicht der Betrüger war, für den man ihn hielt.” Als Joseph Smith ihn mit in die Stadt genommen und seiner Familie vorgestellt hatte, wurde Dan Jones einer seiner glühendsten Bewunderer.<br />
Schon bald entwickelte sich zwischen ihnen eine feste Freundschaft, die bis zu Joseph Smiths Märtyrertod vierzehn Monate später dauern sollte.</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Eine Prophezeiung geht in Erfüllung<br />
</strong>In der Nacht vor dem Tod des Propheten lagen Dan Jones und Joseph Smith Seite an Seite im oberen Raum des Gefängnisses von Carthage. Die anderen, die bei ihnen waren, schliefen, als Joseph Smith Dan Jones im Flüsterton fragte, ob er Angst vor dem Tod habe. „Glaubt Ihr, daß die Zeit gekommen ist? Die Sache, in der wir engagiert sind, läßt mich nicht glauben, daß der Tod viele Schrecken hat”, entgegnete Bruder Jones. „Ihr werdet Wales wiedersehen und die Mission erfüllen, die Euch bestimmt ist, ehe Ihr sterbt”, sagte der Prophet.<br />
Zwei Monate später &#8211; im Jahre 1845 &#8211; war Dan Jones auf dem Weg nach Wales, wie Joseph Smith vorhergesagt hatte. Jane begleitete ihren Mann auf dieser ersten Mission. Sie waren jetzt beinahe acht Jahre verheiratet, aber alle drei Kinder waren gestorben, zwei davon in Nauvoo. Sie sollten noch sieben Kinder bekommen, aber nur zwei davon würden am Leben bleiben.<br />
Elder Jones wurde berufen, in Nordwales in der Gegend um Wrexham zu arbeiten, nur 21 Kilometer von Halkyn entfernt, wo er geboren und aufgewachsen war, und etwa dreißig Kilometer von Denbigh entfernt, Jones Heimatstadt. Sicherlich waren unter den ersten, denen Dan das Evangelium in ihrer Muttersprache verkündete, viele Verwandte und Freunde.<br />
Nach ungefähr einem Jahr in Wales schrieb er an Brigham Young: „Seit ich hierher gereist bin, habe ich in walisischer Sprache gepredigt, so daß ich sie nun dem Englischen vorziehe.”<br />
Während einer Konferenz in Manchester im Dezember 1845 &#8211; es hatte nur wenig Taufen gegeben &#8211; wurde Bruder Jones berufen, über die Missionsarbeit in ganz Wales zu präsidieren. Sein Hauptsitz sollte in Merthyr Tydfil in Südwales sein. Die Stadt war in den zwanzig Jahren zuvor ungeheuer gewachsen, weil Tausende von Bauern, die Pächter waren, ihre Felder verlassen und eine weitaus besser bezahlte Arbeit in der sich schnell entwickelnden Kohleindustrie angenommen hatten.<br />
Als Präsident Jones in Merthyr Tydfil die Führung übernahm, sah er sich vielen Schwierigkeiten gegenüber, darunter einer 32seitigen Broschüre von David Williams, die den Titel trug „Der Betrug der Heiligen der Letzten Tage aufgedeckt” und in der eine Broschüre von Präsident Jones, die acht Monate zuvor erschienen war, heftig angegriffen und verspottet wurde. Dan Jones verlor keine Zeit und verfaßte eine 16seitige Antwort an Williams.</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Ein Mann mit vielen Aufgaben<br />
</strong>Um falschen Gerüchten und Artikeln über die Kirche entgegenzutreten, begann Präsident Jones mit der Veröffentlichung einer regelmäßig erscheinenden Zeitschrift in walisischer Sprache, die „Prophet der Jubelzeit” hieß. Während der nächsten zweieinhalb Jahre wurden dreißig Ausgaben gedruckt, und im Januar 1849 wurde der Name der Zeitschrift in „Zion&#8217;s Trumpet” („Das Horn Zions&#8221;) abgeändert. Während seiner Missionsjahre veröffentlichte Dan Jones auch ein Gesangbuch für walisische Mitglieder, eine 104seitige Geschichte der Kirche, mindestens 15 Broschüren und einen Schriftkommentar zur Verteidigung der Kirche, der 288 Seiten umfaßte.<br />
Aus der Reaktion der örtlichen Geistlichen läßt sich entnehmen, daß seine Predigten und seine Veröffentlichungen großen Eindruck machten. In einem Brief an Orson Spencer, der das Datum vom 29. September 1847 trägt, schildert Dan Jones die Situation so: „Die Umstände hier werden täglich schlimmer; die Emotionen schlagen hoch. Alle Städte und die ganze Gegend hier, wo mehr als 60000 Menschen wohnen, sind völlig toll und rasen für oder gegen die Mormonen. .. .<br />
Es ist jetzt gefährlich, mich zu ihnen zu begeben, denn es gibt welche, die der Meinung sind, sie erwiesen Gott einen Dienst, wenn sie mich beiseite räumten.” Sechzehn Monate später, als Elder Jones sich darauf vorbereitete, Merthyr Tydfil zu verlassen, um mehr als 300 Bekehrte nach Amerika zu bringen, hatte sich die Lage so zugespitzt, daß er Tag und Nacht eine Leibwache brauchte.<br />
Zum Besten, was diese Kämpfe zuwege brachten, gehörte die Bekehrung von William Howells, einem Laienprediger der Baptisten in Aberdare, nicht weit von Merthyr Tydfil entfernt. Er war zwar fassungslos über die wilden Anschuldigungen, die andere Geistliche gegen die Mormonen vorbrachten, aber er wollte auch nicht im Gespräch mit jenen verhaßten Mormonen gesehen werden. Deshalb bat er eine Witwe in seiner Gemeinde, so viele Broschüren der Heiligen der Letzten Tage für ihn zu besorgen wie möglich. In einem weiteren Brief an Orson Spencer, der vorn 3. November 1847 datiert, schildert Elder Jones, daß Howell die Broschüren gelesen habe, was für Folgen das hatte und ihre erste Begegnung: „Er kam sieben Kilometer weit her, um sich taufen zu lassen, obwohl er nie eine Predigt gehört, sondern nur meine Broschüren gelesen hatte. &#8230; Er hatte einen guten Geist, wie ich ihn kaum bei jemand gespürt habe, und hat sich gerade von Freude erfüllt auf den Rückweg gemacht.” William Howells brachte während des nächsten Jahres etwa 100 Menschen zur Kirche, und 1849 wurde er der erste Missionar der Kirche in Frankreich.</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Zurück über den Atlantik</strong><br />
Rees Price schreibt Dan Jones und anderen Verfechtern des Glaubens das Verdienst zu, daß er ihn überzeugt habe, sich von den Baptisten abzuwenden und bei den Heiligen der letzten Tage Zuflucht zu suchen: „Ich habe die Verteidigung der Heiligen gehört und gelesen (das ist eine Anspielung auf Dan Jones&#8217; Broschüren), woraufhin ich um den Ausschluß aus der Kirche der Baptisten bat und von den Heiligen die Taufe empfing.”<br />
Während der achtzehn Monate zwischen Juli 1847 und Dezember 1848 konnten Präsident Jones und seine wachsende Schar von Missionaren ungefähr 135 Bekehrtentaufen pro Monat verzeichnen. Als Dan Jones seine erste Mission im Januar 1849 abschloß, gab es in Wales fast 4000 Heilige der Letzten Tage.<br />
Er bereitete sich darauf vor, sein Heimatland erneut zu verlassen, und mehr als zweihundert walisische Mitglieder wollten ihn begleiten und „sich in Zion sammeln”. Eine Anzahl von ihnen konnte dank der aus Kidwelly, die ebenfalls mit nach Salt Lake City kam, auch tatsächlich auswandern. Als die „Buenan Vista” am 26. Februar 1849 die Segel setzte, hatte sie 249 begeisterte Waliser an Bord, die ein ganz besonderes Abschiedslied sangen.<br />
Von New Orleans aus schrieb Bruder Jones begeistert an die Heiligen in Wales und berichtete über die erfolgreiche Überfahrt der „Buena Vista”. Er forderte sie auf, auch nach Amerika zu kommen. Sein Brief aus St. Louis war ebenfalls in fröhlichem Ton gehalten, obwohl ihre Reise vom Tod eines Kindes überschattet wurde, das an Schwindsucht gestorben war, und vorn Tod des zweiundzwanzigjährigen Jenkin Williams, der an Cholera gestorben war. Überall lauerte die Gefahr einer Choleraepidemie, und deshalb war Dan Jones froh, daß er am 30. April 1849 folgendes an William Phillips schreiben konnte: „Heute sind alle gesund und munter und freuen sich darauf, weiterreisen zu können.”<br />
Die nächsten drei Wochen jedoch waren schrecklich, denn 44 der 249 Passagiere der „Buena Vista” starben an Cholera.</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Abschied von der Familie</strong><br />
Nach mehreren Wochen der Erholung und Vorbereitung in Council Bluffs war etwa ein Drittel der walisischen Heiligen, die noch am Leben waren, in der Lage, den Weg in das Salzseetal fortzusetzen, und zwar in der George-A.-Smith-Kompanie. Dazu gehörten auch Dan Jones, seine Frau Jane und ihre vier Monate alte Tochter Claudia. In Wales hatten sie noch zwei Kinder begraben müssen.<br />
Zuerst ließ sich die Familie Jones mit ihren walisischen Freunden in der Nähe des Tempelplatzes in Salt Lake City nieder. Im folgenden Winter jedoch waren sie in Manti, etwa 240 km weiter südlich, wo Dan Jones zum ersten Bürgermeister gewählt wurde. Nach zwei Jahren als Farmer folgte Dan Jones dem Ruf Brigham Youngs, wieder auf Mission zu gehen, und machte sich erneut auf den Weg nach Wales, diesmal ohne seine Familie.<br />
Während seiner Abwesenheit hatte der sehr begabte John S. Davis die Veröffentlichungen für die Heiligen der Letzten Tage übernommen. Bruder Davis hatte nicht nur zahlreiche Broschüren und Abhandlungen veröffentlicht, sondern auch die heiligen Schriften ins Walisische übersetzt, gedruckt und veröffentlicht. Als Bruder Davis 1854 auswanderte, kaufte Dan Jones ihm seine Druckerpresse ab. Während der nächsten zwei Jahre gab Präsident Jones nicht nur die Zeitschrift „Zion&#8217;s Trumpet” heraus, sondern veröffentlichte auch zahlreiche Broschüren zur Verteidigung der Kirche und präsidierte über die Missionsarbeit in Wales. Wie in ganz England sank die Zahl der Bekehrtentaufen auch in Wales während dieser Zeit beträchtlich. Zwischen 1854 und 1855 tauften Präsident Jones und seine Missionare pro Monat etwa 65 Menschen, also beträchtlich weniger als in den Vorjahren.<br />
Als Präsident Jones im April 1856 entlassen wurde und sich wieder auf die Auswanderung vorbereitete, sorgte er dafür, daß ihn etwa 600 walisische Mitglieder an Bord der „Samuel Curling” begleiten und mit ihm den Atlantik überqueren konnten.<br />
Nachdem Dan Jones die amerikanischen Prärien erneut durchquert hatte &#8211; diesmal in einer Handwagen-Kompanie &#8211; lebte er während der nächsten fünf Jahre an verschiedenen Orten in Utah. Seine Gesundheit verschlechterte sich, und die Lungenkrankheit, die ihm so viele Jahre zu schaffen gemacht hatte, führte am 3. Januar 1862 zu einem frühen Tod. Er hinterließ viele Waliser, die ihm in alle Ewigkeit hindurch dafür dankbar sein werden, daß er ihnen in ihrer Muttersprache die gute Nachricht vom wiederhergestellten Evangelium gebracht hat.<br />
<font size="2"><em>Ronald D. Dennis, Dezember 1987</em></font></font></font></p>
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		<title>Jiri und Olga Snederfler in Tschechien</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2008 15:28:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mehr als 40 Jahre lang wurde Bruder Jirí Snederfler aus der Tschechoslowakei wegen seiner Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beobachtet, verhört und verfolgt. Er traf sich oft mit kommunistischen Regierungsbeamten, um die offizielle Anerkennung der Kirche zu erbitten — aber man begegnete ihm mit Mißachtung und ging nicht auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3">Mehr als 40 Jahre lang wurde Bruder Jirí Snederfler aus der Tschechoslowakei wegen seiner Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beobachtet, verhört und verfolgt. Er traf sich oft mit kommunistischen Regierungsbeamten, um die offizielle Anerkennung der Kirche zu erbitten — aber man begegnete ihm mit Mißachtung und ging nicht auf seine Bitte ein.<br />
<font size="3">Bruder Snederfler und seine Frau Olga, die beide schon als Jugendliche getauft worden waren, blieben ihrem Zeugnis treu. Sie mußten miterleben, wie die Missionare und die offiziellen Vertreter der Kirche nach dem Beginn der totalitären Herrschaft der Kommunisten aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden. Mehr als 40 Jahre lang dienten sie den Mitgliedern in ihrem Heimatland im verborgenen, sprachen ihnen Mut zu und bemühten sich, den Glauben trotz der religionsfeindlichen Umwelt am Leben zu erhalten.<br />
Als die Führer der Kirche Bruder Snederfler 1988 mitteilten, daß ein erneuter Versuch seinerseits die Entscheidung der Regierung bezüglich der offiziellen Anerkennung der Kirche vielleicht ändern könnte, zögerte er nicht einen Augenblick. Obwohl er die Sicherheit seiner Familie, seine Arbeitsstelle, seine Freiheit und möglicherweise sogar sein Leben — aufs Spiel setzte, sagte er: „Ich will hingehen! Ich will es tun!” Er nahm seine Frau in den Arm und meinte: „Wir werden tun, was immer notwendig ist. Dies ist für den Herrn, und sein Werk ist wichtiger als unsere Freiheit und unser Leben.“<br />
Als Bruder Snederfler den Antrag auf offizielle Anerkennung der Kirche gestellt hatte, wurden das Mißtrauen und die Verfolgung, die er und weitere Mitglieder schon so lange erduldet hatten, noch schlimmer. „Doch”, so sagt<a href="http://de.mormonwiki.com/Russell_M._Nelson"> Elder Russell M. Nelson</a> vom <a href="http://de.mormonwiki.com/Rat_der_Zw%C3%B6lf_Apostel">Kollegium der Zwölf Apostel,</a> der im Laufe der Jahre mit Unterstützung von Elder Hans B. Ringger von den Siebzig mehrere Anträge auf offizielle Anerkennung der Kirche gestellt hatte. „die Mitglieder verloren nicht den Mut und auch nicht den Glauben. Nach einer Zeit des Fastens und Betens und der strikten Einhaltung aller Bedingungen wurde uns endlich die offizielle Anerkennung erteilt. Ich bewundere die Snederflers und alle Mitglieder sehr, die so beherzt unzählige Verhöre und Gefahren erduldet haben!” (Tambuli, Mai 1992, Seite 14f.)<br />
Doch Bruder Snederfler weist jedes Heldenlob weit von sich: „Ich habe gehört und auch manchmal gelesen, daß ich ein Held sei. Der Meinung bin ich nicht. Wir haben als Mitglieder der Kirche ständig in Gefahr gelebt, so dass wir diese Gefahr nach einer gewissen Zeit schließlich gar nicht mehr gespürt haben. Wenn man ständig in Gefahr lebt, dann hört diese Gefahr auf zu existieren. Sie wird etwas Alltägliches. Ich habe nichts anderes getan, als jedes andere Mitglied in der gleichen Situation getan hätte.“</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>„Ich hatte sofort den Wunsch, mehr zu erfahren.“</strong><br />
Bruder Snederfler wurde am 24. April 1932 in Pilsen in Westböhmen geboren. Seine Mutter erzog ihn streng religiös, und mit 14 Jahren wurde er konfirmiert.<br />
Im September 1948 war Bruder Jiri Snederfler 16 Jahre alt. Zwei Freunde erzählte ihm, daß die Mormonenmissionare Vorträge hielten. Gemeinsam gingen sie zur nächsten Zusammenkunft. „Die Missionare waren jung, freundlich und voller Optimismus”, erzählt er. „Ich hatte sofort den Wunsch, mehr über die Kirche zu erfahren. Zufrieden mit dem, was ich aus den Vorträgen herausgehört hatte, nahm ich mir vor, mich mit den Lehren, die sie predigten, in Sinn und Herz auseinanderzusetzen.“<br />
Sieben Monate später, am frühen Morgen seines Geburtstags am 24. April 1949, fuhren Bruder Snederfler und seine beiden Freunde zusammen mit vier Missionaren und zwei Mitgliedern mit der Straßenbahn zur Endhaltestelle in Lochotín. Von dort wanderten sie noch eine Dreiviertelstunde zum Kamenicky-See.<br />
Bruder Snederfler erinnert sich: „Die Temperatur lag mehrere Grad unter Null, und Gras und Bäume waren mit Rauhreif überzogen. Wir gingen tapfer bis zum See, der in herrlicher Landschaft liegt, um Bündnisse mit dem Herrn zu schließen.” Sie wurden getauft und dann am Ufer konfirmiert. „Für uns alle war es der schönste Augenblick unseres Lebens.”<br />
Der Zweig Pilsen hatte nur sieben Mitglieder. Im Jahresverlauf wurde Brüder Snederfler als Diakon und dann zum Priester ordiniert. Als die Kommunisten der Kirche im darauffolgenden Jahr alle Aktivitäten verboten und die Mission schlossen, bemühten sich der 18jährige Jiri Snederfler und andere, den Zweig am Leben zu erhalten. Mit 20 Jahren wurde Bruder Snederfler Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft. <font size="3">„Wir haben immer versucht, so viele Mitglieder wie möglich zu den Versammlungen zusammenzubringen, die in der Wohnung von Mitgliedern stattfanden, doch der Druck der Geheimpolizei wurde immer stärker &#8211; es war eine sehr schwere Zeit.&#8221;</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>„Ich bin zu Hause”</strong><br />
Mit 22 Jahren heiratete Bruder Snederfler Olga Kosákowá. Auch sie hatte im Teenageralter durch zwei Freundinnen die Kirche kennengelernt, die die Missionare predigen gehört hatten. „Als ich zu ihren Vorträgen ging, wurde mir ganz warm ums Herz”, erzählt sie. „Und ich habe mir gesagt, ich bin zu Hause!” Sie ließ sich sechs Monate nach ihm (er wurde in Pilsen getauft) in Prag taufen.<br />
Bruder und Schwester Snederfler haben sich später auf einem Ausflug kennengelernt, den Jugendliche aus verschiedenen Zweigen gemeinsam unternahmen. Die Mitglieder machten an jedem 24. Juli einen Ausflug zum Priesterhügel in der Nähe des Schlosses Karlstein, um des Weihungsgebets zu denken, das Elder John A. Widtsoe am 24. Juli 1929 dort gesprochen hatte. Manchmal gab es auch Jugendprogramme und -wettkämpfe, oder die jungen Leute studierten gemeinsam in der heiligen Schrift. Die beiden haben am 24. April 1954 geheiratet &#8212; Bruder Snederflers 22. Geburtstag und dem fünften Jahrestag seiner Taufe.<br />
Kurz danach wurde Bruder Jiri Snederfler zum Militärdienst eingezogen. Weil er wegen seiner Religion als Staatsfeind betrachtet wurde, verbrachte er seine zweijährige Dienstzeit in einer Arbeitsbrigade und nicht als Soldat. Er bat den Herrn um Kraft und stand diese Zeit durch. Als er wieder Zivilist wurde, war er „bei guter Gesundheit und im Glauben stark”.<br />
Wieder zu Hause in Pilsen begannen der 24jährige Jiri Snederfler und Zweigpräsident Bohumil Kólár, die Mitglieder zu Hause  zu besuchen, um ihnen Mut zuzusprechen und ihren Glauben zu stärken. 1965 wurde der inzwischen 33jährige Jiri Snederfler als Ältester ordiniert.<br />
Die Verfolgung der Mitglieder ging unaufhörlich weiter. Sie wurden häufig von der Geheimpolizei verhört. „Einmal wurde ich sechs Stunden lang verhört”, erzählt Bruder Snederfler. „Sie bedrohten uns, um uns einzuschüchtern, unseren Glauben zu erschüttern und uns von der Aktivität in der Kirche abzuhalten. Doch bei den meisten Mitgliedern hatten sie damit keinen Erfolg.”</font></p>
<p><font size="3"><strong>„Wir haben unsere Kinder im Evangelium unterwiesen“</strong><br />
Bruder und Schwester Snederfler haben zwei Kinder &#8211; eine Tochter, Daniela, und einen Sohn, Petr. Beide Kinder bekamen als Baby einen Kindersegen. Doch weil das kommunistische Regime Religionsfreiheit untersagt hatte, erschien es den Snederflers &#8211; wie vielen anderen Eltern auch – zu gefährlich, sich selbst vor ihren noch kleinen Kindern zu ihrer Mitgliedschaft zu bekennen. Doch sie gaben ihren Kindern ein gutes Beispiel und schufen ein Zuhause, in dem Liebe herrschte und der Geist des Herrn anwesend war.<br />
„Wir haben unsere Kinder ihr ganzes Leben lang im Evangelium unterwiesen”, erzählt Bruder Snederfler. „Wir haben mit ihnen den Familienabend und jeden Sonntag eine Familien-Sonntagsschule durchgeführt. Sowohl unsere Tochter als auch unser Sohn haben dabei mitgemacht und in der heiligen Schrift gelesen usw.”<br />
„Unsere Kinder wußten, daß wir anders waren als die Eltern ihrer Feunde&#8221;, erzählt Schwester Snederfler, „denn wir haben weder geraucht noch Alkohol getrunken. Doch sie haben lange Jahre kaum Kontakt mit anderen Mitgliedern gehabt. Es ist schwer, Kinder unter solchen Umständen im Evangelium zu erziehen.”<br />
Als die Tochter etwa zwölf Jahre alt war und der Sohn etwa acht, begannen Bruder und Schwester Snederfler, ihnen von der Kirche zu erzählen. „Aber unsere Tochter wollte davon nichts hören”, sagt Schwester Snederfler. Sie glaubt zwar an Gott, aber sie hat sich nie irgendeiner Kirche angeschlossen. Inzwischen ist sie verheiratet und hat ein Kind. Bruder Snederfler meint: „Sie hat ihre Entscheidungsfreiheit. Vielleicht erkennt sie ja eines Tages die Wahrheit.&#8221;<br />
Petr, der Sohn, glaubte an das, was seine Eltern ihn lehrten, und ließ sich mit 13 Jahren taufen. Später heiratete er Jaromíta Hejdukowá, die auch der Kirche angehört. Die beiden haben zwei Kinder.</font></p>
<p><font size="3"><strong>„Wir konnten nicht noch länger auf die offizielle Anerkennung warten“</strong><br />
Während dieser schwierigen Zeit beantragten Bruder und Schwester Snederfler oft die Ausreise aus ihrer Heimat; als Grund gaben sie religiöse Verfolgung an. Doch diese Anträge führten nur zu neuerlichen Verhören und weiterer Verfolgung. Da es in der Tschechoslowakei keine Privatfirmen gab, war Bruder Snedertler Staatsangestellter: er .arbeitete in der Landwirtschafts- und Wasserforschung. Die kommunistischen Führer ließen seine Vorgesetzten kommen und forderten sie auf, ihn mit finanziellen Einbußen zu bestrafen. Doch er sagt: „Der himmlische Vater hat uns beschützt. Unsere Vorgesetzten waren uns freundlich gesinnt, und deshalb hallen wir keine finanziellen Nachteile erlitten.”<br />
1968 gaben sie ihre Versuche auf, aus der Tschechoslowakei auszureisen. <font size="3">„Wir hatten das Gefühl, daß wir in unserer Heimat bleiben mußten, weil unsere Brüder und Schwestern uns hier brauchten&#8221;, erklärt Bruder Snederfler. „Wir konnten sie nicht verlassen.”<br />
1972 wurde Bruder Snederfler zum präsidierenden Ältesten der Kirche in der Tschechoslowakei berufen und aufgefordert, wieder mit so vielen Aktivitäten der Kirche wie möglich zu beginnen. 1975 wurde ein Distrikt gegründet, und er wurde als Distriktspräsident eingesetzt. Viele Jahre lang verbrachten er und seine Frau ihren Sommerurlaub damit, im Land umherzureisen, um Mitglieder ausfindig zu machen, sie zu besuchen und ihnen Kraft zu geben. Oft fanden sie noch eine einzige Person vor; manchmal kamen sie auch mit fünf, sechs Mitgliedern zusammen, die sich in einer Wohnung getroffen hatten. Als Führer der Kirche für die Tschechoslowakei ein Besuchervisum erhalten konnten, begleitete Bruder Snederfler sie auf ihren Reisen durch das Land.<br />
Der Schriftverkehr zwischen den einzelnen Besuchen wurde „nur sehr vorsichtig gehandhabt”, erzählt Bruder Snederfler. ,Wir haben in unseren Briefen einen von uns erfundenen Code verwendet, damit die Geheimpolizei, die meine gesamte Post aus dem In- und Ausland zensierte, nicht merkte, worum es ging. Jemand, der unseren Code nicht kannte, konnte den Sinn unser Briefe kaum verstehen.“<br />
Doch seine häufigen Bemühungen, die offizielle Anerkennung der Kirche zu erreichen, schlugen immer wieder fehl. Schließlich wurde ihm bewußt, daß „wir nicht länger auf die offizielle Anerkennung warten konnten. Es war soweit – wir mußten die Mitglieder jetzt auf die Zeit vorbereiten, wo sie offen nach ihrer Religion leben konnten”.<br />
Es waren ruhige Jahre, in denen die Führer und die Mitglieder der Kirche in der Tschechoslowakei dennoch viel zu tun hatten. „Wir waren nicht untätig”, erklärt Bruder Snederfler. Weil sie offiziell keine Literatur vom Hauptsitz der Kirche in die Tschechoslowakei einführen durften, ließen sie einander unermüdlich und im geheimen an allem teilhaben, was sie an Literatur der Kirche bekommen konnten. Sie übersetzten Kirchenlieder, Handbücher und Leitfäden, schlossen die Übersetzung und die Revision des Buches Lehre und Bündnisse und von Schriftkommentaren ab und schrieben Ansprachen nieder, die auf den Distriktskonferenzen gehalten wurden.<br />
Alles wurde dann mit einer alten Schreibmaschine mit neun Durchschlägen abgetippt. Jeder, der einen der neun Durchschläge bekam, fertigte seinerseits wieder neun weitere Durchschläge an, die er verteilte. Auf diese Art und Weise gelangte Literatur der Kirche zu allen Mitgliedern und Familien, wo immer sie auch wohnten.<br />
Die Mitglieder waren sich die ganze Zeit darüber im klaren, daß sie schwerwiegende Konsequenzen zu befürchten hatten, wenn sie mit Kirchenliteratur erwischt wurden. „Die Regierung ließ unsere Wohnung durchsuchen”, berichtet Bruder Snederfler, „aber sie haben nie etwas gefunden. Wir hatten viele Verstecke.&#8221; Und die Sache war das Risiko wert. „Die Kirchenliteratur hat den Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, zu studieren und sich soviel Erkenntnis wie nur möglich anzueignen. Es war eine schöne Aufgabe, die uns alle für die Zeit bereitgemacht hat, wo wir Gott wieder frei und öffentlich verehren können &#8220;</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>„Wir haben uns nie allein gelassen gefühlt”</strong><br />
Obwohl die Mitglieder in der Tschechoslowakei lange Jahre keinen Kontakt mit Mitgliedern am Hauptsitz der Kirche oder sonstwo auf der Welt und auch kaum Kontakt untereinander hatten, haben sie sich doch nie allein gelassen gefühlt. Bruder Snederfler erklärt: „Gott steht über allen. Wir haben uns immer zur großen Familie der Mitglieder auf der ganzen Welt zugehörig gefühlt.”<br />
Eine Zeitlang reisten die Mitglieder in die ehemalige DDR, um dort ihren Patriarchalischen Segen zu empfangen. Da beide Staaten von Kommunisten regiert wurden, waren Reisen zwischen beiden Ländern in begrenztem Umfang gestattet. Doch als Bruder Calvin McOmber 1979 in die Tschechoslowakei reiste, brachte er die gute Neuigkeit mit, daß er (Bruder McOmher) bevollmächtigt worden war, den Mitgliedern in der Tschechoslowakei ihren Patriarchalischen Segen zu erteilen!<br />
„Ich hatte schon das ganze Jahr über an die Möglichkeit gedacht”, berichtet Bruder Snederflor, „und ich hatte auch gebetet, um zu erfahren, wie ich Bruder McOmber etwas über dieses Thema schreiben sollre, ohne daß die Geheimpolizei es verstand. Schließlich beschloß ich, einfach abzuwarten und persönlich mit ihm darüber zu sprechen, wenn er kam. Und nun erzählte er mir, daß er jetzt unser Patriarch war! Ein rechtschaffener Gedanke wird vom Heiligen Geist von Herz zu Herz getragen &#8211; er braucht nicht niedergeschrieben oder ausgesprochen zu werden.”</font><br />
<font size="3"><strong>„Unsere geistigen Augen und Ohren wurden geöffnet“</strong><br />
1975 reiste Elder Russell M. Nelson, der damals Präsident der Sonntagsschule war, im Auftrag von Präsident Spencer W. Kimhall nach Prag, um die Mitglieder in der Tschechoslowakei zu segnen. „Ich weiß noch, daß ich mit Elder Nelson und seiner Frau über unseren Wunsch gesprochen habe, in den Tempel gehen zu dürfen &#8211; und über unsere Angst, daß uns dies unser ganzes Leben lang vielleicht nicht möglich sein würde”, erzählt Schwester Snederfler. „Bruder Nelson sagte: <font size="3">Liebe Schwester, eines Tages werden Sie nach Salt Lake City zum Tempel fahren.’ So unwahrscheinlich das auch klang &#8211; ich klammerte mich an dieser Verheißung fest &#8221; Vier Jahre später ging diese Verheißung in Erfüllung.<br />
Im Frühjahr 1979 wurden Bruder und Schwester Snederfler von der Ersten Präsidentschaft eingeladen, die Herbst-Generalkonferenz zu besuchen und die heiligen Handlangen im Tempel zu vollziehen. Nachdem man ihnen schon viele Jahre lang nicht die Genehmigung für die Reise in die Schweiz zum nächstgelegenen Tempel erteilt hatte, hatten sie nicht die geringste Hoffnung, die Genehmigung für die Reise nach Utah zu erhalten.<br />
Eines Tages erzählte Bruder Snederfler einigen Kollegen von dieser Angelegenheit. Eine Kollegin versprach, sie würde ihm am nächsten Morgen die notwendigen Formulare mitbringen, die er ausfüllen mußte, und sich dann weiter um die Sache kümmern. Innerhalb weniger Tage bekamen die Snederflers die Genehmigung, in die Vereinigten Staaten zu reisen. Außerdem erhielten sie das Einreisevisum für die Vereinigten Staaten und ihre Flugtickets. Sie besuchten im Oktober 1979 die Generalkonferenz in Salt Lake City und empfingen später ihre Begabung im Tempel, wo sie auch aneinander gesiegelt wurden.<br />
„War das ein Wunder? Ganz bestimmt”, sagt Bruder Snederller. „Der Herr hat uns jemanden gesandt, der wußte, wie man die Genehmigung erhält, und er hat die Menschen beeinflußt, die über die Visa zu bestimmen hatten. Wenn die Erste Präsidentschaft eine Einladung ausspricht, kann keine Macht der Welt dagegenhalten!&#8221;<br />
„Es war ein Wunder, ein richtiges Wunder”, meint Schwester Snederfler.<br />
Der Tempel veränderte für sie alles von Grund auf. „Plötzlich waren unsere geistigen Augen und Ohren vollständig offen”, erklärt Bruder Snedertler. ,Wir hörten und sahen die Geheimnisse Gottes und spürten, daß wir dem himmlischen Vater besser dienen mußten. Und wir wußten auch, daß wir noch häufig die Gelegenheit zum Dienst im Tempel erhalten würden&#8221; Als im Juni 1985 der Freiberg-Tempel geweiht wurde, lud die Gebietspräsidentschaft Bruder und Schwester Snederfler ein. Während einer Weihungssession bat Präsident Gordon B. Hinckley Bruder Snederfler überraschend, einige Worte zu sagen. Nervös entsprach er seiner Bitte. Er sprach auf Tschechisch, und die Ansprache wurde ins Deutsche und Englische übersetzt. „Ich weiß noch, dass ich gesagt habe, das der Freiberg-Tempel sei wegen des großen Glaubens der Brüder und Schwestern in der DDR gebaut worden und werde auch vielen Mitgliedern aus Osteuropa dienen. Damals wusste ich noch nicht, daß der Freiberg-Tempel und die Gebete derer, die ihn besuchten, zum Fall des Eisernen Vorhangs beitragen und es den Mitgliedern aus vielen Ländern Osteuropas ermöglichen würde, zum Tempel zu fahren.&#8221; Damals wußte er auch noch nicht, daß er und seine Frau später als Präsident und Oberin des Tempels dienen und diese Mitglieder im Haus des Herrn begrüßen würden!<br />
Am 28. Oktober 1985 hielt Elder Thomas S. Monson vom Kollegium der Zwölf Apostel in der Wohnung der Snederflers in Prag eine Konferenz für die Mitglieder ab, zu der 56 Besucher kamen. „Ich hatte schon Angst, die Decke wäre nicht stark genug, um uns alle zu tragen”, lacht Schwester Snederfler. „Aber es war eine wunderbare Versammlung.”<br />
„Elder Monson weihte unsere Wohnung und das gesamte Gebäude für die Sammlung der Mitglieder in Prag und der Tschechoslowakei”, erklärt Bruder Snederfler. „Das war ein herrliches geistiges Erlebnis, das allen Anwesenden neue Kraft schenkte und in ihnen den festen Entschluß weckte, das Gottesreich auf- und auszubauen.&#8221; Damals ordinierte Elder Monson Bruder Snederfler auch als Hohen Priester. „Ich spürte den Heiligen Geist und das Gebot von Gott, noch besser und mit Freude im Herzen zu dienen.”</font></font></p>
<p><font size="3"><font size="3"><font size="3"><strong>„Dafür hatte ich ins Gefängnis kommen können.“</strong><br />
Während der folgenden Jahre tat Bruder Snederfler alles, um die offizielle Anerkennung der Kirche zu erreichen. Und alle aktiven Mitglieder in der Tschechoslowakei halfen durch Glauben, Fasten und Beten mit. Zwei Jahre lang fasteten die Mitglieder in der Tschechoslowakei zwei Sonntage im Monat, am ersten Sonntag, zusammen mit allen Mitgliedern weltweit, und am dritten Sonntag für Religionsfreiheit.<br />
In einem Gespräch mit der kommunistischen Behörde für Religionsangelegenheiten erfuhr Elder Russen M. Nelson im Jahr 1987, daß der offizielle Führer der Kirche in der Tschechoslowakei – das offizielle Verbindungsglied zwischen Kirche und Regierung — ein tschechischer Staatsbürger sein mußte. Elder Nelson und Elder Hans B. Ringger beriefen Bruder Snederfler zu diesem Amt.<br />
Natürlich war Bruder Snederfler gerne bereit, diese Berufung anzunehmen; er hatte im Lauf der Jahre bereits zahllose Petitionen hei der Regierung eingereicht und war deshalb als Unruhestifter und Staatsfeind verschrien. Doch nun sollte er, ein tschechischer Staatsbürger, aufgrund eines Erlasses der Behörde die Kirche offiziell gegenüber der kommunistischen Regierung vertreten.<br />
In der Begleitung von Elder Nelson und Elder Ringger wurde Bruder Snederfler von den Beamten freundlich empfangen. Doch als er allein zu einem Treffen im Dezember 1988 eingeladen wurde, „zeigten mir die Beamten der Behörde ihr wahres Gesicht. Sie versuchten, mich einzuschüchtern, damit ich den Antrag auf offizielle Anerkennung zurückzog. Sie bedrohten mich sogar, indem sie mir ausmalten, was den Mitgliedern alles zustoßen könnte, wenn wir weiter an unserem Antrag festhielten.”<br />
In diesem Augenblick tat Bruder Snederfler furchtlos den Mund auf, und machte seiner Wut über die Art und Weise Luft, wie die Kirche in den vergangenen 40 Jahren behandelt worden war. „Ich verlor die Geduld und schleuderte ihnen entgegen, daß sie nur zwei Möglichkeiten hatten, uns loszuwerden – entweder erkannten sie uns offiziell an und erteilten uns die Genehmigung, öffentlich Gott zu verehren, oder sie brachten uns um, sperrten uns ein oder verwiesen uns des Landes. Mir war klar, daß ich für diese Äußerungen sofort ins Gefängnis hätte kommen können. Doch überraschenderweise begannen sie jetzt, mich höflich zu behandeln. Vielleicht befürchteten sie, die Kirche werde in der freien Welt verbreiten, wie das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei gesetzeswidrig religiös gesinnte Bürger unterdrückte. Sei es, wie es mag — ich weiß jedenfalls, daß Gott mich beschützt hat.&#8221;<br />
Im nächsten Jahr fand sich Bruder Snederfler ganz oben auf der Liste der Geheinpolizei mit den Namen der für den Staat gefährlichen Bürger wieder.<br />
„Doch daran hatte ich mich während der vergangenen 40 Jahre schon gewöhnt”, meint er. Und obwohl er nun monatlich von der Geheimpolizei verhört wurde, hatte er auch jeden Monat mit der Behörde für Religionsangelegenheiten zu tun. Er nutzte die Gelegenheit, „sie an den Gedanken zu gewöhnen, daß wir unseren Antrag nicht zurückziehen würden”. Am 17. Mai 1989 reichre er einen neuen Antrag auf offizielle Anerkennung ein. Als er keine Antwort erhielt, beklagte er sich schriftlich und begann, einmal in der Woche bei der Behörde vorzusprechen.</font></font></font></p>
<p><font size="3"><strong>Nach 40 langen Jahren des Kämpfens</strong><br />
Dann kam der so bedeutsame 11. November 1989 — der Beginn der landesweiten gewaltfreien Revolution gegen das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei. „Das war für uns das Zeichen, unserer Petition noch mehr Nachdruck zu verleihen. Die Behörde für Religionsangelegenheiten verwies mich an das Kultusministerium, das mich wiederum an das Ministerium für Staatsangelegenheiten verwies. Dieses ließ jedoch wissen, daß es ohne eine Entscheidung des Kabinetts nichts tun könne. Es war das reinste Chaos. Keiner wußte irgend etwas; keiner war für irgend etwas zuständig. Dann verschwand die Geheimpolizei; die Behörde für Religionsangelegenheiten wurde aufgelöst und die Macht der Kommunisten gebrochen.”<br />
Im Januar 1990 reichte Bruder Snederfler die Petition der Kirche beim neuen Kultusminister ein, der für die Eintragung von Kirchen und religiösen Gemeinschaften zuständig war. Als der Kultusminister ihn angehört und die Dokumente gelesen hatte, „schrieb der Minister sofort eine Empfehlung an die Regierung, die Kirche so schnell wie möglich offiziell anzuerkennen und ihr öffentliche Aktivitäten zu gestatten. Er schrieb auch, die neue Regierung sei moralisch verpflichtet, das Unrecht wiedergutzumachen, das der Kirche während des kommunistischen Regimes widerfahren war und das ihr auf ,unrechtmäßige und verbrecherische Welse alle Aktivitäten untersagt hatte”&#8217;<br />
Am 6. Februar 1990 trafen sich Elder Russell M. Nelson, Elder Hans B. Ringger und Bruder Snederfler mit dem Vizepräsidenten der neuen Regierung; am Nachmittag stiegen sie wie zuvor schon Elder John A. Widtsoe den Priesterhügel in der Nähe von Schloß Karlstein hinan, wo Elder Nelson die Weihung der Tschechoslowakei für die Verkündigung des wiederhergestellten Evangeliums bestätigte.<br />
Am 21. Februar 1990 erließ die neue Regierung eine Verlautbarung, in der sie mit Wirkung vom 1.März 1990 der Bitte der Kirche entsprach. Die Neuigkeit wurde im ganzen Land verbreitet – in Zeitungen, Radio und Fernsehen. „Endlich waren die 40 langen Jahre des Kämpfens um die offizielle Anerkennung und öffentliche Aktivitäten der Kirche in der Tschechoslowakei vorüber“, freut sich Bruder Snederfler. Im Laufe des Jahres besuchte Präsident Godon B. Hickley die Tschechoslowakei und hielt eine besondere Versammlung mit den Mitgliedern ab. „Das war ein geistiges Fest für uns; alle Anwesenden gaben später Zeugnis, daß sie den Heiligen Geist sehr stärk gespürt hatten. Es gibt Augenblicke, die man das ganze Leben lang nicht wieder vergißt.”</font></p>
<p><font size="3">&gt;<font size="3"><strong>„Es ist so wunderschön, im Tempel zu sein.“</strong><br />
Bruder Snederfler erinnert sich noch an einen weiteren unvergeßlichen Augenblick: Am 20. Mai 1991 klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Präsident Thomas S. Monson, damals Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft.<br />
„Er sagte ,Jiri, Sie sind zum Präsidenten des Freiberg Tempels berufen worden und werden dieses Amt am 1. September dieses Jahres antreten. Was sagen Sie dazu?&#8221; Zuerst war ich vor lauter Erstaunen überhaupt nicht in der Lage, ein einziges Wort hervorzubringen. Präsident Monson fragte: ,Juri, sind Sie noch dran?&#8221; Ich antwortete Präsident Monson: ,Ich nehme diese Berufung demütig an.&#8217;”<br />
Im Tempel öffneten die Snederflers vielen Generationen Verstorbener, die nie die Möglichkeit gehabt hatten, das Evangelium kennenzulernen, die Und sie öffneten auch die Tore des Tempels für alle, die bisher auf der Erde weil es keine Religionsfreiheit gab. Sie begrüßten Mitglieder aus ehemaligen kommunistischen Ländern wie Rußland, der Ukraine, Kaukasien, Kroatien, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakien und der früheren DDR.<br />
„Es ist so wunderschön, im Tempel zu sein”, sagt Schwester Snederfler schlicht. Nach vier Jahren treuen Dienens dort sind die Snederflers inzwischen nach Prag zurückgekehrt, um weiter Genealogie zu betreiben, damit noch mehr ihrer Vorfahren in den Genuß der Tempelsegnungen kommen.</font></font></p>
<p><font size="3"><strong>„Jedes Mitglied ist ein Held“</strong><br />
„Vor meinen geistigen Augen lasse ich die Gesichter all derer vorüberziehen, die dazu beigetragen haben, daß das Werk Gottes in unserer Heimat wieder aufleben konnte”, sagt Bruder Snederfler und nennt dabei unzählige Namen — Missionare, Missionspräsidenten, tschechische Mitglieder sowie derzeit amtierende und frühere Generalautoritäten.<br />
Und während er an die Namen, Gesichter und Ereignisse zurückdenkt, schüttelt er wieder den Kopf, wenn er sich vorstellt, daß er für einen Helden gehalten wird. „Ganz im Gegenteil. Ich glaube, ich hätte noch mehr tun müssen. Wenn ich ein Held bin, dann ist jedes Mitglied ein Held, denn wir alle müssen uns den zunehmenden Gefahren dieser Welt stellen. Ich glaube, daß die Kirche keine Helden braucht, sondern Menschen, die bereit sind, im Werk Gottes zu arbeiten, die Grundsätze des wiederhergestellten Evangeliums zu beherzigen, das Gottesreich aufzubauen und sich mit ganzem Sinn und ganzer Seele an Jesus Christus, den Erretter, zu binden.“<br />
<font size="2"><em>Marvin K. Gardner, September 1997</em></font></font></p>
<p><em><font size="3"><strong>Zwei weitere tschechische Lebensgeschichten:<br />
Miroslava Menssen-Bezakova:</strong><br />
Das Leben Miroslava Menssen-Bezakovas ähnelt in gewisser Weise dem Leben der Pioniere in der Geschichte der Kirche. Auch sie konnte einer geistigen Gefangenschaft und Verfolgung zum Westen hin entfliehen. Ihr Weg aus der kommunistischen Tschechoslowakei in die Freiheit war ein großes Wunder &#8211; die Erfüllung eines Wunsches, den sie hegte, seit sie in ihrer Jugend Mitglied der Kirche geworden war. Mehrmals verlor sie alles, was sie an materiellem Besitz hatte, und mußte ganz von vorn anfangen. Sie gab nie auf, und heute hat sie so ziemlich alles erreicht, was sie sich immer gewünscht hatte: Sie ist dort, wo die Kirche ohne Einschränkung wirken kann, sie hat eine glückliche Familie, erfährt Erfolg im Beruf und kann sich darin weiterentfalten.<br />
Miroslava Menssen-Bezakova kam am 29. Januar 1939 in Topolcany , einer kleinen Stadt in der Mittelslowakei, zur Welt. Ihre Eltern waren Mikulas Bezak, ein Offizier der Slowakischen Armee, und Miroslava Bezakova, eine tschechische Pianistin. Die Familie war wohlhabend. Bald nach der Geburt ihres ersten Kindes, nämlich der kleinen Miroslava, verlegte Familie Bezak ihren Wohnsitz nach Poprad am Rande der Hohen Tatra. Sie wohnten dort in einem großen Haus mit wunderschönem Blick auf die Gebirgskette. Schwester Menssen erinnert sich gern an diesen herrlichen Ausblick, der zu ihren ersten Eindrücken von der malerischen Schönheit der Natur zählt.<br />
Bis dahin von den Auswirkungen des Krieges verschont, wendete sich das Blatt gegen Ende des Krieges. Ihr Vater, Mikulas, nahm an der slowakischen Erhebung gegen die deutsche Besatzung teil, und die um eine weitere Tochter gewachsene Familie mußte alles Hab und Gut zurücklassen und um ihr Leben fliehen.  An der Front bekam auch die kleine Miroslava die Schrecken des Krieges in vollem Maße mit. Diese Tage harter Prüfung bereitete die Familie auf die Annahme des wiederhergestellten Evangeliums vor.<br />
Nach dem Krieg zogen die Mutter und ihre beiden Töchter verarmt in die Tschechei zurück. Sie lebten in Brünn bei den Großeltern; ihr Vater war verschollen, kam aber einige Monate nach Miroslavas Einschulung aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Es dauerte einige Zeit bis sich die Familie von dem Erlebten erholt hatte. Eine dritte Tochter wurde geboren.<br />
1948 war ein besonderes Jahr: Missionare klopften an, lehrten die Wiederherstellung des Evangeliums und sprachen über die damit verbundenen Segnungen. Bevor die Familie sich jedoch taufen lassen konnten, wurden die Missionare 1949, nach der Regierungsübernahme der Kommunisten, als „amerikanische Spione” aus der Tschechoslowakei ausgewiesen. Zusätzlich wurden die Mitgliedschaft in der Kirche und jegliche Ausübung kirchlicher Tätigkeit verboten. Trotzdem baten das Ehepaar Bezak und die damals zehnjährige Miroslava mutig um die Taufe. Die heilige Handlung mußte heimlich vollzogen werden. Am 21. Mai 1950 trafen sich die Mitglieder an dem ausgesuchten Ort, doch es gab zu viele Spaziergänger. Die Brüder, die die Taufen vollziehen sollten, zogen sich in den Wald zurück, um dort zu beten. Sie flehten den Herrn an und baten ihn, einen Weg zu bereiten, damit die Taufen stattfinden könnten. Als sie zum Fluß zurückkamen, dauerte es nicht lange, bis alle Spaziergänger fortgegangen waren. Unbeobachtet konnten die Taufen zur Freude und zum Zeugnis aller Versammelten vollzogen werden.<br />
Ein Jahr später wurde Miroslava schwer krank. Sie bekam fürchterliche Bauchschmerzen, ließ sich aber nichts anmerken, weil sie Angst vor einer Operation hatte. Sie versuchte den quälenden Schmerz zu unterdrücken. Plötzlich hörten die Schmerzen auf, und alles schien wieder gut zu sein. Kurz darauf wurde sie ohnmächtig. Ihre Eltern brachten sie eilig ins Krankenhaus, doch zuvor legten Älteste der Kirche ihr die Hände auf und segneten sie. Miroslava wurde operiert. Die Mitglieder der illegalen Gemeinde in Brünn fasteten und beteten gemeinsam für sie. Als Antwort darauf und gemäß der Verheißung des Priestertumssegens überlebte das Mädchen den Blinddarmdurchbruch, den sie &#8211; fast unglaublich – bereits eine Woche vor der Operation erlitten hatte. Das war ein großes Wunder, und es ist seither für Schwester Menssen eine Schlüsselerfahrung ihres Glaubens. Sie war damals zwölf Jahre alt.<br />
In dieser Zeit entschied sich auch der Weg in die berufliche Laufbahn. Sie trieb sehr viel Sport und spielte gern Klavier. Am liebsten aber zeichnete und malte sie. Wenn auch die junge Miroslava auf anderen Gebieten beachtliche Erfolge erzielte (beispielsweise war sie mehrfach tschechische Meisterin im Staffelschwimmen), so fand sie doch die größte Erfüllung in der Betrachtung und dem künstlerischen Festhalten ihrer Umwelt. Mit zehn Jahren schon hatte sie kleine Portraits gezeichnet und sich damit ein wenig Geld verdient. Später redeten ihre Freunde ihr gut zu, ein Kunststudium zu beginnen.<br />
Sie bestand die sehr strenge Aufnahmeprüfung an der Brünner Kunsthochschule. Vier Jahre studierte sie dort Malerei; danach war es ihr größter Wunsch, das Studium in Prag fortzusetzen. Ein Stipendium kam nicht in Frage, weil sie nicht der kommunistischen Jugendorganisation angehörte. Geld war knapp, und so mußte sie erst tüchtig sparen, ehe sie nach Prag gehen konnte. In Bratislava fand die junge Frau Arbeit in einem Betrieb, der historische Gebäude restaurierte. Vieles, was sie dort lernte, kommt ihr noch heute zugute, wenn sie im Rahmen ihrer Galerietätigkeit alte Gemälde restauriert und reinigt. Während der Tätigkeit in jenem Handwerksbetrieb erhielt sie den Auftrag, eine alte katholische Kirche zu restaurieren und die Decke künstlerisch neu zu gestalten. Nach einem Gespräch über Offenbarung 14:6 gab der alte Pfarrer seine Zustimmung für ein Motiv, das in einer katholische Kirche eher ungewöhnlich ist: im Mittelpunkt der Komposition steht der Engel Moroni, der das wiederhergestellte Evangelium verkündigt.<br />
Das Zeugnis Miroslavas wurde in dieser Zeit stärker, und es erwachte in ihr eine tiefe Sehnsucht, für den Herrn tätig zu sein. Die kleine Anzahl von Mitgliedern hatte aber keinerlei Hoffnung auf Legalisierung der Kirche. Präsident Wallis Toronto, der damals „lebenslängliche” Missionspräsident für die Tschechoslowakei, versuchte einmal, .die verstreuten Mitglieder zu besuchen. Alle Versuche waren erfolglos und führten nur zu noch mehr Schwierigkeiten für die tschechischen Mitglieder. Sie wurden nun von der Polizei beschattet und verhört; auch die Familie meiner Mutter musste das über sich ergehen lassen.<br />
Anfang der sechziger Jahre wurden die Grenzbestimmungen für den Verkehr mit der damaligen DDR geändert, und so bekamen die wenigen Mitglieder in der Tschechoslowakei Kontakt zu einigen Mitgliedern aus Ostdeutschland. So hörte Miroslava von einer Konferenz mit Elder Theodore M. Burton und Präsident Percy K. Fetzer, die zur gleichen Zeit wie die Leipziger Messe stattfand. Sie fuhr als eine der ersten Tschechen hin und nahm an der Konferenz teil. Der Geist war überwältigend, und noch viel größer wurde der Wunsch, dort sein zu können, wo das Werk des Herrn legal vorangehen konnte, und selbst darin tätig zu werden. In den nächsten Monaten ergaben sich für sie einige Gelegenheiten, auf Jugendtreffen und anderen Veranstaltungen den Kontakt zu den Heiligen in Ostdeutschland zu festigen.<br />
Zu gleicher Zeit erreichte sie auch ein anderes Ziel: sie hatte genug Geld gespart, um ihr Kunststudium an der Prager Akademie der Künste fortzusetzen. Es folgten nationale  Ausstellungen und staatliche Aufträge Man begann ihren Arbeiten Aufmerksamkeit zu schenken. Ungewöhnlich für einen so jungen Menschen war ihre Kandidatur für den nationalen Kunstverein.<br />
All dies bedeutete ihr relativ wenig im Vergleich mit dem großen Wunsch nach Freiheit. Sie suchte ernsthaft nach Möglichkeiten, das Land zu verlassen. Aber vorerst hatte der Herr andere Pläne für Miroslava. Eines Tages bekam Gelegenheit, legal nach Wien zu reisen, um dort ihre kranke Großtante zu besuchen. In Wien traf sie auch Präsident Toronto, der sie auf eine Sondermission in der Tschechoslowakei berief: sie sollte alle in der Tschechei verstreuten Mitglieder .und sie an die Bündnisse erinnern und sie einladen, zur nächsten Konferenz nach Leipzig zu kommen. Gleich nach der Rückkehr in die Tschechoslowakei machte sie sich an die Arbeit. Sie organisierte die Fahrten zu den Konferenzen und veranstaltete viele Jugendtreffen im eigenen Land. Darüber hinaus begeisterte sie die Jungen Erwachsenen, an den Jugendtagungen und Versammlungen der Heiligen Ostdeutschland teilzunehmen. Die für sie beste Tagung fand Anfang der sechziger Jahre in Halberstadt im Harz statt; auch eine ganze Gruppe aus der Tschechei kam dorthin.<br />
Bald jedoch wurde die Polizei auf ihre Aktivitäten aufmerksam. Mehrere harte Verhöre folgten, und sie wurde fortan beschattet. 1964 beantragte sie die Auswanderung und kam nach vielen Repressalien in die Freiheit. Zunächst ließ sie sich in Frankreich nieder. Sie wohnte etliche Monate in Paris, wo sie als Au-pair-Mädchen Unterkunft gefunden hatte. Der Anfang war schwer, aber durch den Segen des Herrn und ihr künstlerisches Talent öffneten sich ihr die Türen des Erfolgs.<br />
Sie durfte in Montmartres bekannter Künstlerkolonie malen. Es fanden sich Liebhaber ihrer Kunst, und sie verkaufte gut. Außerdem hatte sie die Kirche ganz in ihrer Nähe und konnte frei an allen Aktivitäten teilnehmen. Zu den zweifellos schönsten Erlebnissen ihres neuen Lebens in der Freiheit gehörte der langersehnte Besuch im Tempel in Zolllikofen, wo sie die Begabung empfing. Ein weiteres prägendes Erlebnis war das Freud-Echo im Sommer 1965 in Frankfurt.<br />
Nach rund einem Jahr mußte sie wegen der französischen Visumbestimmungen Frankreich verlassen. Sie ging nach Westdeutschland und fand im Dezember 1965 Unterkunft bei einer Mitgliederfamilie in Heidelberg. Wieder mußte sie sich völlig neu orientieren, aber der Herr segnete sie. Sie sparte eifrig und konnte bald eine kleine Unterkunft mieten, in der sie auch ein Atelier einrichtete. Sie arbeitete viel und bekam genug für ein bescheidenes Leben. Groß war ihre Freude, als sie Nachricht erhielt, daß sie für die internationale Frauenausstellung im Grand Palais in Paris nominiert war. Die Ausstellung war überaus erfolgreich, sie erhielt eine sehr gute Kritik und alle ausgestellten Bilder wurden verkauft.<br />
Im September 1966 kam eine Gruppe norddeutscher Mitglieder zu einem Sportwettbewerb nach Heidelberg. Auf dieser Sporttagung stellte man Miroslava einen jungen Mann aus Hamburg vor. Als sie sich zur Begrüßung die Hand gaben, hörte sie im Innern eine Stimme, daß dies der Mann sei, der ihr im Patriarchalischen Segen verheißen worden war. Und so kam es: Dieter Menssen und Miroslava Bezakova heirateten schon ein halbes Jahr später im Hamburg. Die Siegelung fand  kurze Zeit später im Tempel der Schweiz statt.<br />
Die Arbeit als Hausfrau und der Umzug nach Hamburg beeinflußten auch das künstlerische Schaffen Miroslava Menssen-Bezakovas. Nach Prag, Paris und Heidelberg schien ihr Hamburg zu nüchtern. Es fehlte das romantische Flair, das ihre Arbeit stets beeinflußt hatte. Sie malte viel sporadischer als früher, und als zudem nacheinander zwei Söhne, Sven und Jan, zur Welt kamen, nahm von nun an die Familie den ersten Platz in ihren Leben ein.<br />
Sie bekam zwar Aufträge für Portraits, dies geschah aber nicht so häufig. Dagegen konnte sie in dieser Zeit ihr Können in der Kirche einsetzten; für die Gemeinde und den Pfahl gestaltete sie Plakate und Ankündigungen. Zur Regionalkonferenz 1973 in München durfte sie das Logo entwerfen, und sie gestaltete die Plakate und Gesangbücher.<br />
Erst zu Anfang der achtziger Jahre wurde Miroslava wieder beruflich als Künstlerin tätig. Vormittags, wenn Mann und Kinder nicht zu Hause waren, malte sie. 1984 fand in Norderstedt nach vierzehnjähriger Schaffenspause wieder eine Ausstellung ihrer Werke statt. Die Ausstellung war gut, und über die Verkäufe hinaus brachte sie einige Malaufträge.<br />
1985 mietete sie wieder ein Atelier, und im Herbst gab es eine große Ausstellung im Hamburger Hotel Plaza. Dieter, ihr Ehemann, unterstützte sie in dieser Zeit, indem er nach Feierabend Rahmen für die Bilder anfertigte. Auch die „ Rahmenkunst” ihres Mannes fand Anerkennung und brachte Aufträge. Dies alles führte zur Idee einer eigenen Galerie. Bruder und Schwester Menssen bemühten sich sehr um die Inspiration des Herrn für diesen großen Schritt. Als sie dann die klare Bestätigung bekommen hatten, daß der Herr sie auch in dieser Hinsicht segnen werde, ging für das Ehepaar ein Traum in Erfüllung: im Oktober 1986 wurde in Norderstedt die Galerie Menssen eröffnet.<br />
Die Eröffnung des Geschäfts erschloß große Segnungen für das Leben der Familie Menssen. Dieter fand mit 51 Jahren einen guten Ausstieg aus seinem alten Beruf. Außerdem konnte die Vollzeitmission der Söhne Sven und Jan finanziert werden, das größte und wichtigste Ziel Dieters und Miroslavas. Auch wurde es möglich, in unmittelbarer Nähe der Galerie ein Haus zu kaufen, das groß genug war, die oberen Räume als Atelier für Miroslava zu nutzen.<br />
Lange vor Eröffnung der Galerie hatte Schwester Menssen den Wunsch, ein Pionierbild zu malen und es der Kirche zu übergeben. Mitte der achtziger Jahre fertigte sie eine Kohlezeichnung und etliche Vorstudien an. Jahrelang lagen diese Arbeiten zusammengerollt im Atelier, bis Sohn Jan im Oktober 1996 von einer USA-Reise zurückkam, bei der er den Kurator des Museums für Kunst und Geschichte der Kirche kennengelernt hatte.<br />
Das Museum ist beim Tempelplatz in Salt Lake City. Dort erruhr er vorn Internationalen Kunstwettbewerb der Kirche, der diesmal die Leistungen der Pioniere zum Thema hat. Als Schwester Menssen von ihrem Sohn davon hörte, holte sie die Vorstudien hervor und machte sich trotz der knappen Zeit sogleich an die Arbeit.<br />
Und so entstand nach alten Skizzen und Entwürfen das Bild „Hoffnung Zions”. Es befindet sich zur Zeit in Salt Lake City und wird dort im Rahmen der Museumsausstellung zu den Pionierfeierlichkeiten von März bis September präsentiert. Danach wird es dem Bestand des Museums eingegliedert.<br />
Das Bild „Hoffnung Zions” gibt in prächtigen Farben eine Abendstimmung in der Vorgebirgslandschaft des Mittleren Westens Amerikas wider. Das Hauptmotiv ist ein Dutzend Pioniere, die bereits einen Lagerplatz erreicht haben. Im Mittelpunkt steht ein Planwagen, vor dem ein Vater seinen kleinen Sohn hochhebt. Dieses Kind stellt die Hoffnung Zions dar, nämlich die kommende Generation. Als Gegengewicht zu den vielen Darstellungen des bitteren Leids der Pioniere entschloß sich Miroslava, eine Szene aus dem Leben der Pioniere zu malen, in der Freude und Gelassenheit vorherrschen; es ist ein Tag, an dem Glück und Dankbarkeit die Pioniere die Tragik ihres Schicksals vergessen ließ, auch wenn es wohl nicht allzuviele solcher Tage gab.<br />
Tage voll Glück und Dankbarkeit, voll Freude und Gelassenheit — die gab es sicher auch in den schweren Zeiten im Leben Miroslava Menssen-Bezakovas.<font size="2">(Nachrichten der Kirche, Mai 1997)</font></font></em></p>
<p>&gt;<font size="3"><em><strong>FÜNFZIG JAHRE IM GLAUBEN</strong></em><br />
<em> Die Polizisten nahmen ihr einen Großteil ihrer Bücher,<br />
aber nicht ihr Zeugnis.</em><br />
Es war gegen Ende des Sommers 1994. Der Himmel war bewölkt, und meine Freundin Iveta und ich waren unterwegs in die Altstadt von Mladá Boleslav, unserer Heimatstadt in Tschechien. Wir waren beide sechzehn Jahre alt und hatten den grüßten Teil unserer Schulferien damit zugebracht, nach Nachkommen von Mitgliedern zu forschen, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg zur Kirche bekehrt hatten. Als die Kommunisten in der Tschechoslowakei (heute Tschechien und SIowakien) herrschten, waren viele Mitglieder in unserem kleinen Land gestorben. Es war manchmal sehr schwer, Hinweise auf noch lebende Mitglieder zu finden, und wir hatten auch nicht viel Erfolg gehabt. Aber wir versuchten, jeder Spur nachzugehen.<br />
Schließlich hatten wir alle Namen auf unserer Liste bis auf einen überprüft. Unsere Hoffnung war, unter der angegebenen Adresse jemanden zu finden, der weitere Angaben machen konnte. Aber als wir der Frau an der Tür sagten, daß wir Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage seien, und sie nach ihrer Mutter fragten, machte sie mit ihrer Antwort auf einen Schlag all unsere Hoffnungen zunichte: „Dazu kann ich nichts sagen. Das ist viel zu lange her.” Enttäuscht machten wir uns wieder auf den Weg und fragten uns, oh unsere Nachforschungen überhaupt zu etwas gut gewesen waren.<br />
Auf dem Nachhauseweg meinte Iveta: „Ich glaube, daß es noch weitere Menschen gibt, die Mitglied der Kirche waren oder Freunde in der Kirche hatten. Vielleicht sollten wir einfach ein paar alte Leute fragen, oh sie sich noch an die Kirche vor dem Krieg erinnern.” Ich war mir zwar nicht sicher, ob ihr Vorschlag gut war, hatte aber nichts gegen einen Versuch einzuwenden. So fingen wir an, alle älteren Menschen, denen wir begegneten, nach der Kirche zu fragen. Es überraschte uns nicht, daß niemand etwas wußte.<br />
Schließlich entschlossen wir uns, nur noch eine einzige Person zu befragen und dann nach Hause zu gehen. Die nächste Passantin, die uns begegnete, war eine etwa 67jährige Frau, die uns auf unsere Frage zur Antwort gab: „Ja, ich habe viele Mormonen gekannt. Das waren sehr gute Menschen, aber leider sind sie inzwischen alle tot.” Aber ehe wir uns verabschiedeten, erzählte sie uns noch von ihrer alten Tante, die sich bestimmt gerne mit uns unterhalten würde.<br />
Als wir am nächsten Tag hei der Tante klingelten, öffnete uns eine Frau mittleren Alters und ließ uns hinein. Dann betrat ihre Großmutter den Raum – die Frau, die wir suchten. Sie freute sch sehr, uns zu sehen – sie erinnerte sich, daß sie vor dem Krieg die Kirche besucht hatte und erzählte uns Geschichten aus jenen Tagen. Dann zeigte sie uns ein altes Bild vom Salt-Lake-Tempel.<br />
„Ich bin jetzt 93 Jahre alt”, sagte sie. „Und ich warte seit 1997 fast fünfzig Jahren darauf, daß die Mormonen wieder in unser Land kommen. Ich wußte, daß sie vor meinem Tod wiederkommen würden. Einmal dachte ich, sie winden vor meiner Tür, aber dann merkte ich schnell, daß sie nicht zur HLT-Kirche gehörten. Ich spürte nämlich nicht den Geist, den ich vor 50 Jahren bei den HLT-Missionaren gespürt habe. Deshalb habe ich sie wieder weggeschickt.&#8221;<br />
Ihre Worte veranlaßten mich, über mein Leben nachzudenken. Ob ich den Geist wohl noch genauso leicht erkennen könnte, wenn ich 50 Jahre lang keinen Kontakt mehr zur Kirche gehabt hätte! Ich empfand große Achtung für diese Frau und war dem himmlischen Vater sehr dankbar dafür, daß er uns zu ihr geführt hatte.<br />
Sie schaffte es, mit uns zur Kirche zu gehen. Als sie nach den vielen Jahren zum ersten Mal wieder das Abendmahl nahm, hatte sie Tränen in den Augen. Vor kurzem habe ich ihr mehrere Ausgaben des Liahona, der Zeitschrift der Kirche in tschechischer Sprache, gebracht, und wir haben uns eine Zeitlang unterhalten.<br />
„Als sich die Mitglieder nicht mehr versammeln durften, nahm die Polizei alle Bücher über das Evangelium fort&#8221;, sagte sie. „Aber es ist mir gelungen, ein einziges Buch vor ihnen zu retten. Ich habe immer wieder darin gelesen, und es hat mir geholfen, mir den Glauben zu bewahren. In diesem Buch wird erklärt, wie die Welt sein soll. Ich hoffe, daß sie eines Tages auch so sein wird.”<br />
Dann nahm sie ein Buch vom Tisch und zeigte es mir. Es war in tschechischer Sprache geschrieben und stammte aus dem Jahr 1938. Es hieß Die Glaubensartikel, und der Verfasser war Elder James E. Talmage, der von 1911 bis 1933 als Mitglied des Kollegiums der Zwölf gedient hat. Ich war erstaunt. Dieses Buch hatte ich selbst nie gelesen, aber ich spürte ganz genau, wieviel Gutes es für meine Gesprächspartnerin bewirkt hatte.<br />
Ich habe in jenen Sommerferien, in denen ich Missionsarbeit geleistet habe, viel gelernt. Als sechzehnjähriger junge habe ich damals gelernt , was Geduld ist. Jetzt weiß ich, daß der Herr niemanden im Stich läßt, der an ihn glaubt.<br />
<em><font size="2">Honza Tomsa, Juni 1997</font></em></font></p>
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		<title>Wenn man alles verloren hat</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Mar 2008 17:33:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ Hier auf der Erde können wir buchstäblich alles verlieren &#8211; unser Zuhause, unsere Familie, unseren materiellen Besitz. Aber das Wertvollste kann uns niemand nehmen, nämlich die Erkenntnis, daß der himmlische Vater lebt, daß wir seine Kinder sind, daß er uns wahrhaft liebt. Das habe ich schon in jungen Jahren durch eine Reihe traumatischer Erlebnisse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3"> Hier auf der Erde können wir buchstäblich alles verlieren &#8211; unser Zuhause, unsere Familie, unseren materiellen Besitz. Aber das Wertvollste kann uns niemand nehmen, nämlich die Erkenntnis, daß der himmlische Vater lebt, daß wir seine Kinder sind, daß er uns wahrhaft liebt. Das habe ich schon in jungen Jahren durch eine Reihe traumatischer Erlebnisse gelernt.<br />
Es war 1983, und ich war fünfzehn Jahre alt. Erst ein Jahr zuvor hatte ich das Evangelium gefunden und mich taufen lassen.<br />
Die Gegend in Peru, wo ich mit meiner Familie wohnte, litt besonders stark unter Gewalttaten. Am Nachmittag des 20. April stürmte eine Bande Terroristen mit Gewehren und Dynamit in unsere Stadt. Sie fingen an, die Bewohner zusammenzutreiben &#8211; darunter auch meine Mutter, mein Bruder und mich &#8211; und drohten damit, uns umzubringen. Lautlos betete ich darum, daß ich ins Paradies kommen möge, wenn ich jetzt sterben müsse.<br />
Die Terroristen fesselten alle, die Steine, Stücke oder anderes bei sich hatten, womit sie sich hätten verteidigen können, und erschossen sie mit Maschinengewehren. Die Frauen weinten um ihre Männer, Brüder und Söhne. Auch meine Mutter weinte, denn die Terroristen hatten auch meinen Bruder umgebracht.<br />
Genau einen Monat später kamen die Terroristen wieder, und zwar um ein Uhr mittags. Diesmal waren sie auf der Suche nach meinem Vater, der in der Kommunalpolitik eine führende Rolle spielte und den man fälschlicherweise beschuldigt hatte, die Stadt gegen die Terroristen aufzurüsten. Dieses Mal nahmen sie meine Eltern und noch andere mit und brachten sie um. Wenn meine Geschwister und ich nicht bei unserer Tante übernachtet hätten, wären wir höchstwahrscheinlich auch umgebracht worden. So aber konnten wir in die Berge flüchten.<br />
Am selben Morgen ging ein Hagelschauer über uns nieder, doch sobald es hell war, rannte ich zu der Stadt auf der anderen Seite der Berge, um Hilfe zu holen. Doch plötzlich merkte ich, daß sich auch einige Terroristen in den Bergen versteckt hatten und mich nun verfolgten. Als ich eine Anhöhe hinunterrannte, die wegen des Hagels sehr rutschig war, flehte ich den Herrn an, mir zu helfen. Wie durch ein Wunder gelang es mir zu entkommen.<br />
Sobald ich außer Gefahr war, kniete ich nieder, um zu danken und um Schutz zu bitten. Als ich zu Ende gebetet hatte, spürte ich herrlichen Frieden, so als ob nichts Schlimmes geschehen sei. Meine Beine, die vorher heftig gezittert hatten, waren jetzt wieder ganz ruhig, und ich hatte die Kraft, weiterzurennen. Meine Angst war vollständig verschwunden. Obwohl ich gerade meine Eltern verloren hatte, spürte ich mit sicherer Gewißheit, daß der himmlische Vater da war und mich liebte.<br />
Mit der Hilfe der Bevölkerung der Stadt, in die ich floh, konnte ich auch den Rest meiner Familie in Sicherheit bringen.<br />
Vor allem sorgte ich mich um meine fünf jüngeren Geschwister, von denen das kleinste erst vier Jahre alt war. Mehrere Wochen lang waren wir auf der Flucht und litten fürchterlichen Hunger.<br />
Dann schlug ich mich nach Lima, der Hauptstadt Perus, durch, um dort Arbeit zu suchen. Während dieser Zeit sorgte ich mich fast verzweifelt um meine Geschwister, die ich in der Obhut eines älteren Bruders zu Hause zurückgelassen hatte. Hin und wieder hörte ich von blutigen Unruhen in der Gegend, wo sie wohnten. Oft weinte ich und hatte Angst, daß sie tot sein könnten. Dennoch gab mir die Gewißheit Kraft, die ich an jenem Tag in den Bergen empfangen hatte, nämlich daß der himmlische Vater lebt und uns liebt.<br />
Ich wollte schon fast alle Hoffnung aufgeben, jemals Arbeit zu finden, als man mir eine befristete Stellung bei der Ernte von Süßkartoffeln gab. Obwohl ich noch nicht volljährig war und keine Papiere besaß, bekam ich durch Glauben und Beten schließlich eine feste Anstellung und konnte mehrere Monate später meine Geschwister zu mir nach Lima holen. Eine meiner Tanten gab uns ein Dach über dem Kopf, und eine andere schenkte uns ein paar Haushaltsgegenstände. Wir besaßen kaum etwas, weil das meiste, was meine Eltern besessen hatten, gestohlen worden war. Doch das war alles nicht so schlimm, solange wir nur zusammen waren.<br />
Meine Eltern hatten uns alle ohne Ausnahme gelehrt, wie man arbeitet und Hausarbeiten erledigt. Später wurde mir noch deutlicher bewußt, was für ein hervorragendes Beispiel sie uns gegeben hatten. Ich bin dankbar dafür, daß ich schon als kleiner Junge gelernt habe, Verantwortung zu übernehmen. Die Umstände mögen mich zwar gezwungen haben, schnell erwachsen zu werden, aber meine Eltern hatten mich gut auf die Schwierigkeiten vorbereitet, die meine Geschwister und ich zu meistern hatten. Und der Herr segnete uns. Ich sah, wie Wunder sich zutrugen und wie er über uns wachte.<br />
Als ich älter wurde, befürchtete ich, wegen der Verantwortung meinen Geschwistern gegenüber nicht auf Mission gehen zu können. Dabei wünschte ich mir sehnlichst, dienen zu dürfen, und dachte oft darüber nach, auf welche Segnungen ich verzichten mußte, wenn ich nicht auf Mission gehen konnte. Dann träumte ich eines Nachts, der Erretter säße neben mir. Ich spürte so großen Frieden und so große Sicherheit, daß ich ohne jeden Zweifel wußte, was ich zu tun hatte.<br />
Mein Arbeitgeber gewährte mir unbezahlten Urlaub, und ich nahm die Missionsberufung an. Als ich ein Jahr auf Mission war, schrieb mein Bruder, daß mein Arbeitgeber es sich anders überlegt habe und meine Stelle nicht bis zu meiner Rückkehr freihalten wollte. Er schrieb, wenn ich nicht nach Hause käme, würde ich meine Stelle verlieren. „Mach dir keine Sorgen um Materielles”, schrieb ich zurück. „Wenn ich diese Stelle verliere, wird der Herr mir helfen, etwas Besseres zu finden.” Ich führte meine Mission zu Ende.<br />
Ich bin dankbar, daß keins meiner Geschwister ernstlich krank wurde, während ich auf Mission war. Als ich zurückkam, waren alle wohlauf. Wir wohnen noch immer zusammen und helfen einander. Wir sind an unsere Eltern gesiegelt worden, und ich habe im Tempel eine ganz besondere Frau geheiratet. Inzwischen haben wir zwei eigene Kinder, so daß wir jetzt insgesamt neun Personen sind.<br />
Mir sind noch weitere große Segnungen zuteil geworden. Ich bin jetzt bei der Kirche angestellt und arbeite im Büro des Peru-Tempels. Ich bin auch Tempelarbeiter. Und außerdem war ich mehrere Jahre Bischof, was ich als großen Segen ansehe.<br />
Die Berufung als Bischof hat mir Gelegenheit gegeben, die Schwierigkeiten zu verstehen, die andere Menschen ertragen haben. Durch diese Berufung und durch meine eigenen Erfahrungen habe ich gelernt, wie man Hindernisse am besten überwindet, nämlich indem man mehr Glauben an den Herrn übt und ihm mit aller Kraft und der festen Hoffnung darauf dient, daß seine Verheißungen in Erfüllung gehen werden. Ich bezeuge, daß wir uns auf seine Verheißungen verlassen können, wenn wir unser Teil tun.<br />
<em><font size="2"> November 1997</font></font></em></font></font></p>
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		<title>ISTANBUL UND REXBURG  &#8212;  Jacob Sporis Missionsfeld</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Mar 2008 06:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[    1847, im selben Jahr, wo die Pioniere das Tal des Großen Salzsees betraten, wurde Jacob Spori in einem einsamen Dorf in den Schweizer Alpen geboren. Er sollte ein bemerkenswertes Leben führen. Seine Hingabe an die Kirche sollte dazu führen, daß er in beiden Erdhälften allerlei zuwege brachte. So brachte er sich, als er in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Arial"><font size="3">    1847, im selben Jahr, wo die Pioniere das Tal des Großen Salzsees betraten, wurde Jacob Spori in einem einsamen Dorf in den Schweizer Alpen geboren. Er sollte ein bemerkenswertes Leben führen. Seine Hingabe an die Kirche sollte dazu führen, daß er in beiden Erdhälften allerlei zuwege brachte. So brachte er sich, als er in Istanbul missionierte, selbst Türkisch bei, und als erster Direktor des Ricks College unterhielt er das College finanziell fast im Alleingang.</p>
<p>Jacob Spori wuchs in Oberwill in der Schweiz auf. Sein Vater stammte von französischen Hugenotten ab, einer langen Ahnenreihe von Lehrern und Professoren. Jacob war aus demselben Holz geschnitzt. Seine Liebe zu Büchern trat schon früh zutage. Mit 13 Jahren kam er auf die Oberschule, und neun Jahre später beendete er sein Studium mit Abschlüssen in Mathematik, Philosophie und Musik. Im Laufe der Zeit lernte er 13 Sprachen schreiben und sprechen.</p>
<p>Jacob Sporis Eltern hatten sich beide den Grundsätzen einer christlichen Lebensführung verschrieben. Er lernte von ihnen den Wert und die Würde harter Arbeit. Seine unermüdliche Energie blieb ihm während seines ganzen Lebens eigen.</p>
<p>Mit 28 Jahren heiratete er Magdalena Roschi, ein nettes, gebildetes Mädchen aus seinem Dorf. Der junge Mann führte nun ein frohes Leben. Er war Rektor der Oberschule, die er einmal besucht hatte. Auch ehrte man ihn dadurch, daß man ihm alle Ämter seines verstorbenen Vaters übertrug. So war er unter anderem Rechnungsprüfer, Assessor und Schatzmeister im Kanton Bern, dem zweitgrößten Kanton der Schweiz.</p>
<p>Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts ereignete sich in seinem Leben jedoch eine umwälzende Veränderung. Er hörte das Evangelium, nahm es an und wurde sogleich verfolgt. Man zwang ihn, von seiner Stellung als Rektor zurückzutreten, und enthob ihn aller Kantonsämter. Die schwerste Erschütterung erlebte er jedoch, als ihm sein Schwiegervater seine Frau und seine vier kleinen Kinder wegnahm.</p>
<p>Jacob Spori hatte das Gefühl, daß er nach Zion gehen solle, und 1879 wanderte er nach Logan in Utah aus. Während der nächsten fünf Jahre führte er ein einsames, aber abwechslungsreiches Leben. Er lernte Englisch und befaßte sich mit der Geschichte der Kirche, arbeitete in Sägemühlen und legte Gleise für die Eisenbahn. Seine in der Schweiz lebende Schwester, Anna Clara, leitete seine Briefe weiter, so daß er mit seiner Frau und seinen Kindern in Verbindung bleiben konnte.</p>
<p>Die ersten Jahre in Amerika waren schwierig für Jacob Spori. Seine Tochter, Elisabeth Stowell, hat erzählt, daß es ihm schwerfiel, sich an das neue Leben zu gewöhnen, und daß er oft mutlos war. Er bedauerte jedoch nie, das Evangelium angenommen zu haben.</p>
<p>1884 berief man Bruder Spori zu einer Mission in der Türkei. Wenige Tage nach Weihnachten traf er in Istanbul ein und begann sogleich zu missionieren. Zuerst brauchte er einen Dolmetscher, aber da er außerordentlich sprachbegabt war, erwarb er in drei Monaten gute Türkischkenntnisse. Kraftvoll und energisch verkündete er das Evangelium. Er wandte verschiedene Methoden an, um türkische Familien mit seiner Botschaft bekannt zu machen. So erteilte er kostenlos Unterricht in Französisch und Englisch und brachte vielen Menschen Segen, indem er sie im Evangelium unterwies. Seine Schüler lernten fremde Sprachen, und zugleich erfuhren sie etwas über die wiederhergestellte Kirche. Jacob Spori erteilte auch Deutschunterricht, ließ sich diesen aber bezahlen, um Geld für Nahrung und Kleidung zu haben.</p>
<p>Im Sommer 1886 wurde Jacob Spori berufen, nach Palästina zu gehen. Er war der erste, der in dieser Evangeliumszeit speziell für dieses Land als Missionar berufen wurde. Zwar hatte Orson Hyde das Land 1841 geweiht, doch hatte er dort nicht missioniert. Am 29. August 1886 vollzog Bruder Spori die erste Taufe in Palästina, als er Johann Georg Grau taufte.</p>
<p>Jacob Sporis Wirkungsbereich erstreckte sich bis nach Joppe, Damaskus und Jerusalem. Hier, in Palästina, entdeckte er, wie kleine Mittel Wunder bewirken können.</p>
<p>Die örtlichen Gesetze verlangten von allen Christen, die Stadt Haifa zu verlassen, bevor die Tore in der Dämmerung geschlossen wurden. Bruder Spori widmete sich in dieser Stadt aber gerade einem Mann, der sich für die Kirche interessierte und krank war. Der junge Mormonenälteste wollte auf keinen Fall fortgehen, ehe er sicher war, daß es seinem Freund besser ging. Als der Kranke an jenem Abend auf dem Weg der Besserung war, überlegte Jacob Spori, wie er die Stadt verlassen konnte. Er wußte, daß die Tore verschlossen waren und daß man ihn ins Gefängnis stecken würde, wenn man ihn anträfe. Als er am Strand entlangging und darüber nachsann, was er tun solle, beobachtete er die Fischerboote, die in den Hafen einliefen. Er bemerkte einige Männer, die die Netze für die Arbeit des nächsten Tages vorbereiteten, und hatte das Gefühl, daß er ihnen helfen solle. Er gesellte sich zu ihnen und fing an zu arbeiten. Niemand schien von ihm Notiz zu nehmen. Als die Arbeit schließlich getan war, rollten die Männer die Netze zusammen, bestiegen das kleine Schiff und trafen Vorbereitungen, um die Segel zu setzen. Ohne ein Wort bestieg auch Bruder Spori das Schiff. Bald saßen alle auf den Sitzplätzen. Am nächsten Tag legte das Schiff in Kairo an, und Bruder Spori sprang heraus, ging in die Stadt und fuhr fort, das Evangelium zu predigen.</p>
<p>Nach einer dreieinhalbjährigen Missionszeit wurde Jacob Spori entlassen, und er kehrte in die Schweiz zurück. Dort organisierte er in Präsident Wilford Woodruffs Auftrag eine Gruppe von Heiligen für die Reise nach Zion. Dafür brauchte er fast ein Jahr.</p>
<p>Bevor Bruder Sporis Mission beendet war, erhielt er von seiner untröstlichen Frau, die noch in der Schweiz lebte, die Nachricht, daß ihre älteste Tochter, Katharina, den Verletzungen erlegen sei, die sie davongetragen hatte, als sie von einer Schaukel gefallen war. Jacob Spori wußte gut, daß man mit dem Evangelium seelische Wunden heilen kann, und so schrieb er seiner Frau über die Lehre der Kirche. Sie wurde von diesen neuen Wahrheiten angesprochen und gewann die Überzeugung, daß das Evangelium Wahrheit war.</p>
<p>Frau Spori bat um die Taufe und wurde mit ihrem Mann wieder vereint, als er nach seiner Arbeit als Missionar in der Schweiz eintraf. Später gab sie inbrünstig Zeugnis und bekundete ihren Dank für die ewigen Wahrheiten, mit denen sie durch das Evangelium in Berührung gekommen war.</p>
<p>Bevor sie nach Zion abreisten, übersetzte Jacob Spori mehrere Broschüren der Kirche ins Französische. Dabei half ihm seine jüngste Schwester, Anna Klara Spori, ein begabtes und gebildetes junges Mädchen.</p>
<p>Endlich reisten Jacob Spori, seine Frau, seine drei Kinder — Jakob, Magdalena und Louise — und seine Schwester, Anna Klara, aus Bern nach Amerika ab. Es war im Juni 1888. Ihr Ziel war Rexburg in Idaho. Man hatte Jacob Spori als ersten Direktor des Ricks College berufen, und die neue Schule sollte bald eröffnet werden.</p>
<p>In Rexburg gab es nur wenige Häuser, und so zog die Familie Spori in einen leeren Getreidespeicher, wo Zehntenspenden gelagert worden waren. Dort wurde am 6. Juli 1888 das fünfte Kind, Elisabeth, geboren.</p>
<p>Während der vier Jahre, wo Jacob Spori Direktor war, hielt er nicht nur Unterricht, sondern war den Familien der Studenten auch ein Freund. Er suchte die Heiligen zu Hause auf, vor allem, wenn jemand krank war.</p>
<p>Seine Tochter erinnert sich: „Als 1891 Diphterie grassierte, ging er furchtlos zu den Kranken, um sie zu segnen, und zu den Angehörigen von Verstorbenen, um sie zu trösten.” Auch zwei seiner Töchter zogen sich diese gefürchtete Krankheit zu. Er aber segnete sie im Vertrauen darauf, daß sie durch die Macht Gottes bewahrt bleiben würden. Und so geschah es.</p>
<p>Nach vierjähriger Amtszeit als Direktor bat Jacob Spori um seine Entlassung, und so wurde er in Ehren von seiner Arbeit entlassen. Nun wandte er sich der Landwirtschaft zu und begann ein Projekt, das sich in späteren Jahren segensreich für die Landwirtschaft in diesem Gebiet auswirken sollte, denn er wirkte beim Ausbau des Kanals am Egin Bench mit, der den Namen Spori Canal erhielt.</p>
<p>1903 starb Jacob Spori. Er hatte wieder unterrichtet und weiterhin das getan, was er für notwendig hielt. Seine Ärzte hatten ihn warnend darauf hingewiesen, daß er zuckerkrank sei und daher mit der Arbeit aufhören und sich mehr ausruhen müsse. Jacob Spori hatte geantwortet, er wolle lieber bei der Arbeit als beim Ausruhen sterben.</p>
<p>Vielseitigkeit und unerschütterlicher Glaube waren zwei für Jacob Spori kennzeichnende Eigenschaften. Er war ein großer Lehrer, er verstand sich auf Sprachen, und er war ein Missionar. Er besaß eine Neigung für Geologie und Bergbau und erwarb noch mit 50 Jahren einen akademischen Grad in Metallurgie. In Istanbul hatte er sich für Medizin zu interessieren begonnen. Bei Musik pflegte er sich zu entspannen. Er Iernte mehrere Musikinstrumente spielen. Auch Naturwissenschaften und Ackerbau waren für ihn von Bedeutung.</p>
<p>Sein Leben läßt sich gut mit den Worten seiner Tochter zusammenfassen: „Er hatte ein so brennendes Zeugnis, daß er es bei jeder Gelegenheit gab. Er hat uns immer gesagt, die Menschen könnten niemals etwas tun, wodurch das Evangelium nicht mehr wahr sei. All die scheinbaren Opfer, die er gebracht hat, schienen nichts gegen den inneren Frieden und die Freude zu sein, die er erlangt hatte, als er sich der Kirche angeschlossen hatte.”</font><br />
<em>Denton Y. Brewerton</em></font></p>
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		<title>Die Abenteuer eines jungen britischen Matrosen</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 20:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war November. und die Wanderung durch die neblige englische Landschaft war hart für William Wood ﷓ jedenfalls in seelischer Hinsicht. Der junge Fleischerlehrling hatte gerade seine Arbeit verloren, und das zu einer Zeit, wo man schwer gute Arbeit fand! Er war tief gekränkt, vielleicht auch zornig. Hatte er nicht gut für Mr. Blaxall gearbeitet? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="arial,helvetica,sans-serif"><font size="3">Es war November. und die Wanderung durch die neblige englische Landschaft war hart für William Wood ﷓ jedenfalls in seelischer Hinsicht. Der junge Fleischerlehrling hatte gerade seine Arbeit verloren, und das zu einer Zeit, wo man schwer gute Arbeit fand! Er war tief gekränkt, vielleicht auch zornig. Hatte er nicht gut für Mr. Blaxall gearbeitet? Und doch hatte man ihn einfach hinausgeworfen, weil er ein Heiliger der Letzten Tage geworden war. Während er sich fortschleppte, machte er sich Gedanken darüber, wie seine Eltern darauf reagieren würden.<br />
William war 1837 geboren. Er war von seinen Eltern als frommer Anglikaner erzogen worden. Seine Mutter, ein treues Mitglied dieser Kirche, hatte ihn schon als ganz kleines Kind bei einer Art Grundschule angemeldet, wo er außer dem Alphabet auch lernte, „daß es einen Erretter gebe, der für alle Menschen gestorben sei”. Durch jahrelangen Besuch der Sonntagsschule lernte der Junge „Ehrfurcht vor allem, was göttlich ist”, wie er es nannte.<br />
Anscheinend kam William mit etwa 13 Jahren mit den Heiligen der Letzten Tage in Berührung. Als er gerade einen Botengang für seinen Vater machte, blieb er bei einem Fenster stehen, in das einige neugierige Jungen hineinspähten. Plötzlich führte ihn ein Herr hinein, und darin begann gerade eine Versammlung der Mormonen.<br />
„Ich setzte mich in eine Ecke&#8221;, so hat er sich erinnert, „und dachte: ‚Das ist ja ein komischer Ort, ganz unpassend für das heilige Abendmahl.”&#8217; Doch das Abendmahl wurde gereicht, es wurden Lieder gesungen, und es wurde gepredigt. Der letzte Sprecher war Charles Penrose, ein britischer Bekehrter, der später in die Erste Präsidentschaft berufen wurde. Was er über die Gottheit sagte, „hat meine verworrene Vorstellung von Gott umgeworfen”. hat William Wood bemerkt. „Wenn eine Predigt jemals jemanden ergriffen hat, dann diese mich.” So wurden Williams religiöse Vorstellungen aus der Kindheit Jahr für Jahr erschüttert. Mit 15 zog er von zu Hause fort, um Fleischerlehrling zu werden, und sein erster Wirt, ein Freikirchler, versuchte den jungen Kostgänger zu bekehren, jedoch ohne Erfolg. William gestand jedoch ein: „Meine religiösen Ansichten wurden dadurch sehr erschüttert.” Er sprach auch mit katholischen Nonnen über Religion, da er dem nahegelegenen Kloster regelmäßig Fleisch lieferte.<br />
Während dieser unruhigen Zeit erfuhr William, daß sich John M. Bridge, ein guter Freund von ihm, den Heiligen der Letzten Tage angeschlossen hatte. William schalt John dafür, daß er übergetreten war, denn: „Die Mormonen standen bei allen guten Leuten in meiner Stadt in sehr schlechtem Ruf.” An einem Abend erläuterte John seinem früheren Schulkameraden nach der Arbeit jedoch einige Grundsätze des Evangeliums. William fand, daß diese Lehren logisch waren, und so erklärte er sich bereit, eine Versammlung der Heiligen der Letzten Tage im Zweig Maldon in Essex zu besuchen. Dort war er von der Gemeinschaft und von der Lehre beeindruckt. Drei Wochen nach dem ersten Gespräch mit John über den Mormonismus bat William die reisenden Ältesten Joseph Silver und John Lindsay. ihn zu taufen. So wurde er Ende April 1855 im Blackwater River in Maldon getauft. Kurze Zeit später wurde er zum Priester im Aaronischen Priestertum ordiniert.<br />
Er mußte jedoch den Preis dafür zahlen, daß er religiösen Frieden gefunden hatte: „Bald wurde bekannt, daß ich Mormone geworden war. Man verspottete mich und nannte mich ‚Old Joe Smith&#8217; und .Old Brigham Young&#8217;. und man erhob gegen diese und gegen mich allerlei Beschuldigungen.” Freunde und Verwandte, Kunden und ehemalige Sonntagsschullehrer versuchten ihn von seinem „Irrtum” zu überzeugen. 1855 war er meistens in Begleitung eines anderen gerade ordinierten Priesters, seines späteren Schwiegervaters, Samuel Gentry. In den umliegenden Dörfern hielten sie im Freien Predigtgottesdienste ab. Manchmal besuchten Williams Verwandte diese Versammlungen, um, wie sie sagten. „den kleinen Billy predigen zu hören”, obwohl Bruder Gentry predigte und William ihm half, indem er das Gebet sprach. Einige Verwandte verspotteten William öffentlich, aber dadurch hielt er nur „noch hartnäckiger an den Grundsätzen der Wahrheit fest&#8221;. Mr. Blaxall, mit dessen Familie William an vielen Sonntagen in der Kirche auf der gleichen Bank gessessen hatte, versuchte ebenfalls, seinen jungen Lehrling umzustimmen. Die tiefgehenden Gespräche beeinflußten sie jedoch beide nicht. Mr. Blaxall befürchtete auch, er könnte so wichtige Kunden wie den Pfarrer des Ortes verlieren, und deshalb stellte er William schließlich vor die Wahl: „Entweder du trennst dich von den Mormonen. oder du suchst dir eine andere Arbeit!”<br />
.,Sir!&#8221;. antwortete der Junge, „ich werde meinen Glauben niemals aufgeben und lieber Ihren Dienst verlassen.” Arbeitslos geworden, mußte der enttäuschte junge Mormone die neue Lage jetzt seinen Eltern erklären, die nach Queensborough auf der Insel Sheppey an der Themsemündung gezogen waren. Sein größter Wunsch war es jetzt, wie viele britische Bekehrte vor ihm nach Zion auszuwandern. So versuchte er sich unterwegs einiges auszudenken, wie er genug Geld verdienen konnte, um nach Utah zu gelangen.<br />
William wurde von seinen Eltern in dem neuen Zuhause herzlich willkommen geheißen. Als sie jedoch erfuhren, wie er seine Stelle verloren hatte, baten sie ihn inständig, er solle sich von den Mormonen trennen und sich von Mr. Blaxall wieder einstellen lassen. „Meine liebe Mutter war tief bekümmert”, hat William gesagt. Sie grämten sich darüber, daß er sein Einkommen verloren hatte. und fanden keinen Trost in seinem religiösen Optimismus. „Ich sagte ihnen, ich sei in Gottes Hand und glaubte daran, daß ich Arbeit finden würde, weil ich seinen Geboten gehorcht hätte.” Er setzte den Glauben in die Tat um und suchte mit der Hilfe seines Vaters überall auf der Insel nach Arbeit. Er entdeckte, daß im Hafen von Sheerness viel zu tun war, und zwar wegen des Krieges, der damals auf der Krim (am Schwarzen Meer gegenüber der Türkei gelegen) tobte. Britische, französische und türkische Truppen kämpften dort gegen die Russen.<br />
Ein Fleischer namens Fillmore, der den britischen Militäreinheiten einem Vertrag gemäß Fleisch lieferte, hielt William für zu jung und unerfahren. Nachdem er aber zugesehen hatte, wie dieser seine Fertigkeiten beim Fleischhauen vorführte, stellte er ihn ein. Der Lohn? Das Doppelte von dem, was Mr. Blaxall gezahlt hatte! „Ich glaube bis heute”, schrieb William 60 Jahre später. „daß der höhere Lohn eine Segnung vom Herrn war, weil ich dem Mormonismus nicht abschwören wollte und weil ich fest entschlossen war, mich den Mitgliedern in den Gebirgstälern in Amerika anzuschließen. Es war die Antwort auf mein Beten.”<br />
Da William sich später eine Rückenverletzung zuzog, als er ein Viertelrind hob, verdingte er sich als Werftarbeiter zum gleichen Lohn. Die Vorgänge im Hafen fesselten ihn, und er achtete genau auf die zahlreichen Schiffe, die täglich ein- und ausliefen und die Hafenanlagen benutzten. Eines Tages hörte er. ein britisches Kriegsschiff, die „Eurotas”, werde bald nach dem südlichen Pazifik fahren. Da entwarf er rasch einen Plan, wie er nach Zion gelangen könne. Er trat in die britische Marine ein und schloß sich der Besatzung der „Eurotas” als Fleischer an – in der Hoffnung, eines Tages in Kalifornien an Land gehen und sich von dort nach Utah durchschlagen zu können.<br />
Sobald „die alte Segelfregatte mit den 28 Kanonen, die für den Schraubenantrieb umgebaut war&#8221;, jedoch den Hafen verließ, war seine Hoffnung, auswandern zu können. dahin. Bei einer überraschend einberufenen Versammlung teilte der kommandierende Offizier der Mannschaft einen geheimen Befehl mit: „Matrosen. unser Ziel ist die Krim, der Kriegsschauplatz!”<br />
Das Schiff fuhr nur mit halber Mannschaft, und dadurch erwarb William schon bald allerlei Seemannsfertigkeiten. Später hat er geschrieben: „Ich mußte nicht nur meine Arbeit als Fleischer verrichten, sondern danach auch noch den Kanonieren bei allem helfen. Die Kanoniere sind fast immer hervorragende Seeleute. Somit war ich bei sehr geschickten Leuten und erlernte recht viel von dem, was man als Matrose zu tun hat, und dies hat sich mir selbst in Utah noch ständig als nützlich erwiesen.”<br />
Lissabon, Gibraltar, Algier, Malta, Konstantinopel – bei jedem Aufenthalt ging William an Land, um für die Mannschaft Fleisch zu besorgen. Und während der ganzen Reise wurde ihnen über den Krieg auf der Krim Schreckliches berichtet.<br />
Nachdem die „Eurotas&#8221; einige Zeit vor der Halbinsel Krim gekreuzt hatte, legte sie in der Nähe von Sewastopol an. Aus dieser Stadt hatten die britischen Truppen und ihre Verbündeten die russischen Einheiten vertrieben, und zwar unter schrecklichen Verlusten auf beiden Seiten. Mit großer Freude stellte William fest, daß es unter den Tausenden von britischen Soldaten, die in diesem Gebiet stationiert waren, genug Heilige der Letzten Tage gab, um Feldgottesdienste abzuhalten, und er nahm eifrig daran teil.<br />
Nach der Friedensproklamation wurde die „Eurotal” mit übriggebliebenem Kriegsmaterial beladen, und sie fuhr nach Sheerness zurück. William machte einen kurzen Besuch bei seinen Angehörigen. Diese „waren alle überrascht, daß mir die seltsame Religion, wie sie sie nannten. noch immer wichtiger war als alles andere”. Er besuchte auch kurz die Heiligen am Ort. Für die nächsten vier Jahre wurde er dann der „Retribution&#8221; zugeteilt. Dank seiner Fertigkeiten als Fleischer und Matrose brachte er die besten Empfehlungen mit.<br />
„Ich hatte meine regelmäßigen Pflichten als Fleischer zu versehen. Ich hatte eine hübsche kleine Fleischerei, die mir ganz und gar unterstellt war. Alles darin wurde täglich vom Kapitän auf Ordnung und Sauberkeit geprüft &#8230; Darin verbrachte ich einen großen Teil dieser vier Jahre und vier Monate.&#8221;<br />
Im Mittelmeer nahm die „Retribution&#8221; Kriegsgerät von der Krim an Bord. Auch fand sie ein im Arktiseis verschollenes Schiff. Im März 1857 kam dann der Befehl, um die halbe Welt zu fahren und vor China ein Geschwader zu verstärken. Auf dem Weg dorthin sollte in Peru haltgemacht werden, um einen Aufstand unterdrücken zu helfen.<br />
In Rio de Janeiro ging unser Seemann an Land, um Geflügel, anderes Fleisch sowie Obst für die Mannschaft einkaufen zu helfen ﷓ in dem Bewußtsein, daß er einer der ersten Heiligen der Letzten Tage war, der seinen Fuß auf brasilianischen Boden setzte.<br />
Am 1. Mai 1858, Williams 21. Geburtstag, bekamen er und die Mannschaft in Honululu auf Hawaii Landurlaub. William hatte vor seiner Abreise aus England gehört, daß Brigham Young Missionare zu den pazifischen Inseln gesandt habe, und so versuchte der junge Mann, einige Heilige ausfindig zu machen, „konnte aber nichts über sie in Erfahrung bringen”. Er wußte nicht, daß die Kirche ihre Missionare aus dem Pazifik zurückgerufen hatte, denn diese sollten, falls nötig, Zion gegen eine Armee der Vereinigten Staaten verteidigen helfen, die damals gerade auf dem Marsch nach Utah war. Die letzten Missionare, die in Hawaii gearbeitet hatten, reisten ausgerechnet am selben Tag ab, als William in Honululu ankam. So mußte unser junger mormonische Seemann, von jedem Kontakt mit der Kirche abgeschnitten, weiterhin seinem Glauben selbst Nahrung geben. Immer wieder las er die Schriften der Kirche, die er mit sich führte. Als Priester im Aaronischen Priestertum „wußte er um die Vollmacht des Priesters, das Abendmahl zu segnen”, und so fühlte er sich darin gerechtfertigt, daß er in seiner „Fleischerei” an Bord des Schiffes seinen eigenen Abendmahlsgottesdienst hielt. „Ich habe oft zum Herrn gebetet und ihn gebeten, er möge mich bei dieser heiligen Handlung anerkennen.” Sonntags ging William nach dem Schiffsgottesdienst in seine Kajüte; dort „stellte ich Schiffszwieback und Wasser auf einen Tisch und betete. Danach habe ich immer das Brot und das Wasser gesegnet und davon genommen. Auf diese Weise habe ich viel geistige Kraft empfangen.” Als die „Retribution&#8221; wenige Wochen später in Hongkong anlangte, führten Frankreich und England Krieg gegen China. Die „Retribution” schloß sich der „Cruiser”, der „Furious”, der „Lee&#8221; und der „Dove” an und beteiligte sich mit ihnen viele Monate an den Kampfhandlungen. Das Geschwader trug zur Beendigung des Krieges bei, indem es den Jangtse flußaufwärts bis Nanking fuhr und dort in einem heftigen Gefecht die Stadt so lange beschoß, „bis alle ihre Kanonen zum Schweigen gebracht waren”. Am nächsten Tag wurde die ,.Retribution&#8221; beschossen und schwer beschädigt. William beobachtete entsetzt, wie einem Kameraden das Bein abgeschossen wurde und einem Matrosen, der ihm zu Hilfe eilte, der Arm abgeschossen wurde. Die „Retribution” ließ einen Hagel von Granaten und Kartätschen mit 24-Pfund-Raketen los, der große Gebäude in Brand setzte, so daß die Menschen zu Tausenden flohen&#8221;. Schon nach einigen Tagen kapitulierte die chinesische Regierung, und die „Retribution” kehrte zu dem britischen Hafen in Hongkong zurück.<br />
Der nächste Befehl lautete, daß eine besondere Jacht nach Japan zu eskortieren sei. Sie sollte dort dem japanischen Kaiser als Geschenk der britischen Regierung übergeben werden. Japan hatte seine Häfen und seinen Handel erst vier Jahre zuvor für den Westen geöffnet, und zwar aufgrund des berühmten Besuchs von U.S.-Admiral Matthew C. Perry im Jahre 1854. William war einer der ersten Europäer wahrscheinlich auch der erste Heilige der Letzten Tage &#8211; der dieses Land besuchte. Seine Ausflüge an Land begeisterten ihn, und er war von den Japanern tief beeindruckt. „Ich erkannte, daß sie in bemerkenswerter Weise für Reformen aufgeschlossen waren, mehr als jedes andere Volk, das ich kennengelernt hatte, und ich verspürte den Wunsch, ihnen das Evangelium zu predigen.” Viele Jahre später, als Siebziger in Utah, betete er oft, er möge nach Japan auf Mission berufen werden, doch war er dafür schon zu alt, als Heber J. Grant dort 1901 die erste Mission der Kirche eröffnete.<br />
Die .,Retribution&#8221; setzte ihre Patrouillefahrten, die sie in alle Welt führten. fort. indem sie sich dem britischen Ostindien-Geschwader anschloß. Das Schiff verbrachte drei Monate vor Ceylon und barg aus einem gesunkenen Postschiff Geld, Maschinen und andere wertvolle Ladung. Bald nach der Abreise aus Ceylon fuhr die „Retribution” gegen ein nicht auf der Karte verzeichnetes Korallenriff, wobei der Boden des Schiffes zersplitterte. Um das gefährliche Leck abzudichten, „spannten wir ein riesiges geteertes Segeltuch unter das Schiff und über das Loch”. Dann fuhr es mit Volldampf zum Hafen. Während der drei Monate, als das Schiff zur Reparatur im britischen Trockendock in Bombay lag, erkrankte die Mannschaft an Cholera. William hat berichtet: „Ich wurde auch davon befallen und zum Hospitalschiff gebracht. Ich betete, der Herr möge mich verschonen.” Er genas und half bei der Pflege seiner erkrankten Schiffskameraden.<br />
Nach der Reparatur kam der letzte große Auftrag der .,Retribution&#8221;. Sie sollte zwei großen Dampfschiffen helfen, das erste Unterwasserkabel für Nachrichten zwischen Indien und dem Roten Meer &#8211; von Karatschi (Pakistan) nach Aden zu verlegen. Im Oktober 1860 kam der Befehl zur Heimreise. Wieder fuhr  Williams Schiff nach Südwesten über den Äquator und um das Kap der Guten Hoffnung, sodann entlang der Westküste Afrikas und nochmals zum letztenmal über den Äquator. Am 20. Dezember landete es in Portsmouth in England und beendete damit seinen dreijährigen Einsatz in aller Welt. Damit war William Wood, der junge britische Matrose, einer der ersten &#8211; wenn nicht der erste Heiligen der Letzten Tage, die um die ganze Welt gereist sind. Mit einem Orden für hervorragende Dienste in der Tasche, eilte er nach Hause und überraschte seine Familie, die sich gerade zum Weihnachtsessen hinsetzte.<br />
William Wood feierte seinen 20. Geburtstag während seiner Dienstzeit bei der britischen Marine. Nach dem Kriegsdienst auf der Krim und in China und einer dreijährigen Seefahrt um die Welt auf dem Schiff „HMS Retribution” genoß er es, wieder daheim auf der Insel Sheppey an der Themsemündung zu sein. Er erholte sich und erneuerte die alten Beziehungen zu seinen Verwandten, die es nicht gern gesehen hatten, daß er fünf Jahre zuvor Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage geworden war.<br />
Nachdem er schon zwei Wochen zu Hause war, besuchte er den örtlichen Zweig der Kirche. Seine Schwester begleitete ihn in der Meinung, er ginge nur spazieren. Sie kamen schließlich zu einer Versammlung der Kirche in Sheerness, die in „einem kleinen Obergeschoßzimmer in einem schmutzigen Hintergäßchen” stattfand. William wurde vom Zweigpräsidenten und den wenigen Mitgliedern, die ihn zuvor gekannt hatten, herzlich begrüßt. Sie baten ihn, in der Versammlung zu sprechen und von seinen Erfahrungen auf See zu berichten. Seine Schwester war überrascht, wie er feststellte – „da ich immer noch Mormone war und sie mich predigen hörte&#8221;.<br />
Um seine Abfindung von 80 Pfund zu vermehren, nahm er eine Stelle als Metzger an. Niemand anders als sein früherer Arbeitgeber stellte ihn um einen guten Lohn an. Fünf Jahre zuvor hatte ihn derselbe Mister Blaxall aus Maldon hinausgeworfen, weil er sich der Kirche angeschlossen hatte. William ging zurück nach Maldon und arbeitete dort etwa ein Jahr. In dieser Zeit hatte er zwei dringende Ziele: Er wollte nach Zion auswandern, und er wollte eine Frau finden.<br />
Anfang 1862 lernte der Seemann Elizabeth Gentry kennen und verliebte sich in sie. Elizabeth war die hübsche 16jährige Tochter des Zweigpräsidenten von Maldon. Ihre Mutter hatte sich 1853 der Kirche angeschlossen und sie selbst 1854; ihr Vater, ein Schmied, trat der Kirche ein Jahr später bei. Bruder Gentry und William waren im selben Jahr bekehrt worden und hatten gemeinsam als Priester gedient und in der Gegend von Maldon Versammlungen abgehalten, bevor William zur Marine eingerückt war.<br />
Als William und Elizabeth sich verlobten, sprachen sie mit dem reisenden Ältesten Francis M. Lyman über die Auswanderung nach Zion. Bruder Lyman, der später dem Rat der Zwölf angehörte, riet dem Paar, es solle sich der Auswanderungsgruppe anschließen, die er gerade zusammenstellte.<br />
Die beiden trafen in London mit weiteren Heiligen zusammen, die auswanderten, und die ganze Gruppe reiste nach Liverpool und ging an Bord des alten Segelschiffes „William Tapscott”, das die Auswanderungsbeamten der Kirche gemietet hatten. Das Schiff beförderte eine der größten Mormonengruppen, die je über den Atlantik fuhren. Es waren 800 Seelen aus Großbritannien, Dänemark und Schweden. „Es war interessant&#8221;, schrieb William, „wenn man zusah, wie die Heiligen mit ganzen Bündeln von Blechgeschirr an Bord gingen. Manche trugen Strohmatratzen auf dem Kopf. Andere waren mit Paketen und Lebensmittelkörben aller Art beladen. Einige hatten alte Möbelstücke, andere irgendein altes Bild von den Urgroßeltern.” William fand es auch bemerkenswert, wie schnell unter der großen Menschenmenge Ordnung entstand. Die Leute wurden in Schiffsgemeinden eingeteilt, über die eigens dazu bestimmte präsidierende Älteste ernannt wurden. „Ich glaube nicht, daß sich dieselbe Anzahl von Nichtmormonen so schnell in eine solche Ordnung gefunden hätte”, schrieb der erfahrene Seemann. „Nur der Geist des Herrn konnte eine solche Harmonie bewirken.” Das Schiff lief am 13. Mai 1862 aus Liverpool aus.<br />
Jeder Familie wurden Heimlehrer zugeteilt, und Bruder Lyman übertrug William die Verantwortung für sieben Auswanderer, darunter auch Elizabeth. Der Seemann bekam ihre Essensrationen zugeteilt. sorgte dafür, daß ihre Mahlzeiten gekocht wurden und verrichtete andere notwendige Dienste. Die lange, sechs Wochen dauernde Seereise ﷓ die See war unruhig und viele wurden seekrank – endete in Castle Garden in New York. Die Gruppe mußte durch die ärztliche Inspektion und stieg dann auf Züge in Richtung St. Louis um. Weil der amerikanische Bürgerkrieg gerade ins Rollen kam, „wurden wir mehrmals umverfrachtet”, schrieb William. Einmal wurden wir in aller Eile auf einen Güterzug genötigt. Die Wagen waren mit Schweinen beladen gewesen und nicht gereinigt worden. Wir erstickten fast im Staub und hatten noch Tage danach den Geschmack im Mund.&#8221;<br />
Am Missouri angekommen, stiegen sie auf einen kleinen Dampfer um. Er legte spät in der Nacht in der Nähe von Council Bluffs an, und die Passagiere wurden mitsamt dem Gepäck Hals über Kopf in der Finsternis ausgeladen. Bei Tagesanbruch suchten die erschöpften Reisenden ihr verstreutes Gepäck zusammen und versammelten sich dann am&#8217; Lagerplatz, den die Kirche für die Einwanderer eingerichtet hatte. Dort wurden sie vom Auswanderungsbeamten der Kirche, Joseph Young, in Fünfer-, Zehner-, Fünfziger- und Hundertergruppen eingeteilt. Als ehemaliger Soldat wurde William Hauptmann der Wache.<br />
Wagen und Gespanne mußten bereitgemacht werden, Gepäck wurde verladen, man kaufte und verpackte Lebensmittel, und die Fuhrleute wurden eingeschult. Während dieser Vorbereitungen wurde das Lager von heftigen Stürmen, schweren Regengüssen und Gewittern heimgesucht. Das Vieh brach aus und flüchtete panikartig, wobei schwerer Schaden entstand. Zumindest zwei Heilige wurden vom Blitzschlag getötet, einige andere schwer verletzt.<br />
Durch die Überflutungen wurden bis zu drei Meter tiefe Wildbäche ausgespült. Während eines Sturms wurde William als Hauptmann der Wache von einer Schwester zu Hilfe gerufen, die gerade unter einem eingestürzten Zelt ein Kind zur Welt brachte. Mutter und Sohn blieben Zeit seines Lebens in Utah mit ihm befreundet. Die Gruppe brauchte zwei, drei Tage, um sich von dem Unwetter wieder zu erholen, und viele fanden ihre Kisten und Säcke, die die Fluten fortgerissen hatten, nie wieder.<br />
Ein gewisser Bruder Cooper, dem auffiel, wie geschickt William mit dem Vieh umging, stellte ihn an, um seine Ochsen einzufahren und sie später nach Utah zu treiben. Als Gegenleistung sollten William und Elizabeth für den Transport nichts bezahlen. Ein paar Tage darauf sagte der Dienstgeber jedoch, daß er nicht vorhabe, nach Zion zu gehen. William und Elizabeth sollten ihm vielmehr helfen, in der Nähe eine Farm aufzubauen. Als William sich weigerte, mußten er und Elizabeth den Wagen verlassen und blieben ohne Lebensmittel und Trinkwasser sich selbst überlassen. Zum Glück kamen die Brüder Lyman und Charles C. Rich aus dem Westen gefahren und fanden das verlassene Paar am selben Abend. Sie vermittelten Elizabeth die Möglichkeit, mit einer Familie Wardell für 40 Dollar nach Utah zu fahren. Bruder Lyman bat jedoch William, mit ihm nach Florence zurückzukehren und bei dem von D.F. Kimball geführten Frachtzug mitzuhelfen. Elizabeths Verlobter willigte nur zögernd zu dieser Trennung ein:<br />
„Ich glaube, das war die größte Prüfung, die ich bestehen mußte – meine Verlobte zu verlassen und umzukehren. Ich gab jedoch nach und gab ihr einen Abschiedskuß und einen halben Sovereign &#8212; das ganze Geld, das ich hatte – und sprang auf den Wagen und fort ging&#8217;s. Das Herz war mir schwer, und ich überlegte hin und her, wie das alles wohl ausgehen würde. Bruder Rich sah, daß ich Tränen in den Augen hatte, und sagte, ich solle guten Mutes sein und Glauben haben, dann würde alles gutgehen.”<br />
Am ersten Abend im Lager sorgte er für Erheiterung, und noch Jahre später lachte man über jene Szene: William machte sich zum Schlafengehen bereit und langte in seinen Sack, um seinen Matrosenoverall herauszuziehen. Statt dessen hielt er spitzenverzierte Damenunterwäsche in der Hand. Seine Kameraden brüllten vor Lachen. Er hatte den Sack seiner Verlobten mit dem eigenen verwechselt! Zuletzt lachte aber vielleicht doch der Seemann: Während die übrigen Männer des Frachttrupps drei Monate lang auf dem harten Boden schliefen, ruhte William bequem in seiner Schiffshängematte, die er zwischen zwei Wagenrädern befestigte. In regnerischen Nächten deckte er sich mitsamt der Hängematte einfach mit einer Plane zu.<br />
Die Landschaft wurde täglich eintöniger und die Fahrt beschwerlicher. In der Nähe des „Chimney Rock&#8221;* erkrankte und verendete ein Teil der Tiere, und man mußte forthin zwei Wagen an ein Gespann hängen. Dadurch konnten nur noch kurze Tagesstrecken bewältigt werden. William dachte schon, er würde nie nach Utah gelangen und Elizabeth wieder treffen.<br />
An einem Samstag im Oktober fuhr der Trupp endlich die Hügel bei Salt Lake City hinunter. Die Männer waren beeindruckt von dem schönen Sonnenuntergang über dem Großen Salzsee und der Stadt mit ihrem rechtwinkeligen Straßennetz. die sich unter ihnen erstreckte.<br />
Als sie sich der Stadt näherten, winkte William jemand aus einer der nahen Hütten zu. Es war Schwester Wardell, die Frau, mit der Elizabeth nach Utah gereist war! William eilte hin, aber seine freudige Erwartung wurde schnell gedämpft. Sie teilte ihm mit. Elizabeth liebe ihn nicht mehr und wolle einen Polygamisten heiraten.<br />
„Ich war wie vom Blitz getroffen”, erinnerte er sich. Niedergeschlagen marschierte der junge Mann mit dem Trupp bis zum Talboden weiter, um dann für die Nacht zu den Wardells zurückzukehren. Die Frau wollte ihn überreden, ihre Tochter zu heiraten, doch er hatte kein Interesse. „Ich war fest entschlossen, meine Jugendliebe zu heiraten”, sagte er.<br />
In Centerville lebten Freunde aus Maldon, und so brach William früh am nächsten Morgen auf und marschierte die 20 km dorthin. Er kam am Abend an und „zu meiner großen Freude fand ich das Mädchen meines Herzens auf einer alten selbstgemachten Bettstatt schlafend. Sie sah wunderschön aus, wenn sie auch fast in Lumpen gekleidet war. Sie wachte auf, und ihre Freude war grenzenlos.” Elizabeth erzählte ihm dann, daß Frau Wardell sie mit ihrem eigenen Sohn verheiraten wollte. Als dieser Versuch fehlschlug, warf sie das Mädchen hinaus und behielt alle ihre Kleider und ihre Bettwäsche, bis sie 40 Dollar für die Fahrt voll und ganz bezahlt hätte. Die Geschichte, daß Elizabeth William nicht mehr liebe, hatte Frau Wardell erfunden, in der Hoffnung, der Seemann werde in ihre Familie einheiraten. William kehrte nach Salt Lake City zurück und führte sein Frachtgespann nach Springville, wo er seinen Lohn für drei Monate erhielt. Dann marschierte er nach Salt Lake City zurück, bezahlte die 40 Dollar Fahrgeld, holte seine und Elizabeths Sachen und konnte mit jemand nach Centerville zurückfahren. Zwei Wochen später waren die Verlobten verheiratet.<br />
Durch schwere Arbeit schaffte sich das Paar ein schönes aus Ziegeln erbautes Haus und eine gutgehende Fleischerei in Salt Lake City. 1867 konnten sie für Elizabeths Familie die Auswanderung bezahlen. Ein Jahr später jedoch gaben die Woods ihr Haus und ihren Beruf auf, um eine schwierige Kolonisierungsmission in Arizona zu erfüllen. Vier Jahre später kamen sie mittellos zurück und zogen in ein desolates Erdloch, in Sichtweite ihres früheren Hauses.<br />
1880 verließ William erneut ein gutgehendes Geschäft und seine heranwachsenden Kinder, um in seiner Heimat eine Mission zu erfüllen. Gegen Ende dieser ansonsten erfolgreichen Mission schrieb er:<br />
„Ich habe meinen Angehörigen – meinem Vater, meiner Mutter, meiner Schwester und meinem Bruder — das Evangelium gepredigt, und obwohl niemand von ihnen gehorcht hat, mußten sie doch zugeben, daß sie die Lehre nicht widerlegen konnten. Auch sind sie nun der Ansicht, daß ich heute nicht das bin, wofür sie mich vor 20 Jahren gehalten haben . . . Als ich noch ein Junge war, behandelten mich alle meine Verwandten mit deutlichem Wohlwollen. Genauso haben sie sich gegenüber den Ältesten verhalten, die sie damals besucht haben.<br />
Ich weiß, dass Gott sie dafür segnen wird.”<br />
Sechs Jahre nach seiner Mission brachte Elizabeth Wood im Alter von 42 Jahren ihr 13. Kind zur Welt, doch ein paar Tage später starben Mutter und Kind. William heiratete später noch einmal. Er zog mit seiner Familie nach Kanada, wo der Name Wood im Vieh- und Fleischgeschäft große Bedeutung gewann. Williams Sohn, Edward J. Wood, war viele Jahre lang Pfahlpräsident und Präsident des Tempels in Alberta.<br />
Ein Jahr vor seinem Tod schrieb William Wood seine eindrucksvolle Lebensgeschichte nieder. Er hoffte, junge Leute in der Kirche würden von seinem Beispiel als Mormone und Seemann, Pionier und Missionar lernen, „daß sie keiner Versuchung nachgeben dürfen, die zu Ausschweifung oder Unmoral führt &#8230; selbst wenn sie den Ort verlassen müssen, wo sie im Evangelium gelehrt worden sind. Bete immer zum Herrn, sei es, daß der Diener des Herrn dich beruft, das Evangelium zu predigen, oder sei es, daß du in die Schrecknisse des Krieges gerätst. Vergiß nie, im stillen zum ewigen Vater zu beten. Er vergißt dich nicht.”<br />
<em><font face="arial,helvetica,sans-serif"><font size="2">William G. Harley, November, Dezember 1981</font></font></em></font></font></p>
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		<title>Mischa Markow als Missionar auf dem Balkan</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 19:50:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>
Jacob Sporis und Mischa Markows Wege habe sich einmal gekreuzt – als Jacob Spori Mischa Markov im Evangelium unterwies, womit für diesen ein lebenslanger Dienst für die Kirche begann.<br />
Als er an Bord stand und auf die Abfahrt des Dampfers wartete, sah er einen Mann die Laufplanke heraufkommen — Mischa Markow, den Mann, den er in der Vision gesehen hatte<br />
Mischa Markow war ein stiller Mann, der von ruhigem Eifer durchdrungen war. Im 19. Jahrhundert hat er als Missionar der Kirche in einigen Gebieten geweilt, wo die Kirche erst wieder Zugang erhalten muß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="tahoma,helvetica,sans-serif"><font size="3"> Jacob Sporis und Mischa Markows Wege habe sich einmal gekreuzt – als Jacob Spori Mischa Markov im Evangelium unterwies, womit für diesen ein lebenslanger Dienst für die Kirche begann.<br />
Als er an Bord stand und auf die Abfahrt des Dampfers wartete, sah er einen Mann die Laufplanke heraufkommen — Mischa Markow, den Mann, den er in der Vision gesehen hatte<br />
Mischa Markow war ein stiller Mann, der von ruhigem Eifer durchdrungen war. Im 19. Jahrhundert hat er als Missionar der Kirche in einigen Gebieten geweilt, wo die Kirche erst wieder Zugang erhalten muß.</font></font></p>
<p><font face="arial,helvetica,sans-serif"><font size="3">Der Apostel Paulus hat die abirrenden Korinther an folgendes erinnert: „Ich bin dreimal mit Ruten geschlagen. einmal gesteinigt, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten &#8230; Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch die Flüsse, in Gefahr unter den Räubern, in Gefahr unter den Juden „in vielen Fasten, in Frost und Blöße” (2. Korinther 11:25-27).<br />
Diese schlichte Aufzählung erinnerte die Korinther an Paulus&#8217; unermüdliche Hingabe und an die Opfer, die er gebracht hatte, um sie das Evangelium, von dem sie sich nun gerade abwandten, zu lehren.<br />
Mischa Markow hat seine Lebensgeschichte nicht geschrieben, damit sich seine Bekehrten daran erinnern, doch hat er auf die innere Umschlagseite seiner Autobiographie folgendes in holprigem Englisch geschrieben: „Ich, Mischa Markow, habe das Evangelium in acht Reichen gepredigt: 1. Belgien, 2. Ungarn, 3. Rumänien, 4. Bulgarien, 5. Deutschland, 6. Türkei, 7. Russland, 8. Serbien. Ich habe elfmal vor dem Amtsgericht, viermal vor der Magistratur und zweimal vor dem Appellationsgericht bzw. Obersten Gerichtshof gestanden. Dreimal bin ich unter Bewachung gestellt worden. An der Pforte standen Polizisten, und wenn jemand hereinkommen wollte, um mich zu hören, ließen sie ihn nicht herein. Das war in Rumänien, in Bulgarien und in Serbien. Zweimal bin ich verbannt worden, einmal aus Ungarn und einmal aus Serbien. Ich war zweimal im Gefängnis, und zwar in Rumänien und in Ungarn” ( Mischa Markow, Life and History, Autograph, Church Historical Department Archives).<br />
Mischa Markow war ein stiller Mann, der von ruhigem Eifer durchdrungen war. Im 19. Jahrhundert hat er als Missionar der Kirche in einigen Gebieten geweilt, wo die Kirche erst wieder Zugang erhalten muß.<br />
Er wurde am 21. Oktober 1854 in Ungarn als Sohn eines serbischen Vaters und einer rumänischen Mutter geboren und wuchs serbisch-orthodox auf. Er hat dazu bemerkt: „Ich war sehr religiös veranlagt und hegte den starken Wunsch, nach Jerusalem zu gehen.” Mit 32 Jahren, noch unverheiratet, reiste er als Pilger ins Heilige Land. Von dort reiste er nach Alexandria in Ägypten weiter, wo er als Friseur arbeitete und die Bibel studierte. Nach acht Monaten erkannte er: „Meine Kirche ist nicht die wahre Kirche.” Er beschloß, die protestantischen Kirchen in Istanbul zu besuchen, um zu sehen, ob sie der biblischen Kirche entsprachen.<br />
Unterdessen machte Jacob Spori, der Präsident der Türkischen Mission der Kirche, eine Rundreise durch Palästina, viele hundert Kilometer von Alexandria entfernt. In einer Vision sah er sich in Alexandria und sah einen Mann in dieser Stadt, dem er das Evangelium predigen würde. Prompt nahm Präsident Spori ein Schiff nach Alexandria. Drei Tage suchte er ergebnislos nach dem Mann, den er in dem Traum gesehen hatte. Danach buchte er die Rückreise nach Istanbul (damals Konstantinopel). Als er an Bord stand und auf die Abfahrt des Dampfers wartete, sah er einen Mann die Laufplanke heraufkommen —,Mischa Markow, den Mann, den er in der Vision gesehen hatte.<br />
Es war Januar 1887, und die Reise nach Istanbul dauerte vier Tage. Präsident Spori erzählte Mischa Markow von der Vision. Dieser hat geschrieben: „Er begann, mir das Evangelium zu predigen, und ich hielt ihn für einen Engel, denn so erschien er mir” (Life and Historv, S. 51). In Istanbul machte Präsident Spori ihn mit den anderen Missionaren, F. F. Hintze und J. Marion Tanner, bekannt. Am 1. Februar 1887 wurde Mischa Markow im Schwarzen Meer getauft.<br />
Obwohl er noch nicht ordiniert war, reiste er zu seinen Eltern und predigte ihnen das Evangelium. Sie schienen dafür aufgeschlossen zu sein, und so telegraphierte er an Bruder Hintze, er solle kommen und sie taufen. Als Bruder Hintze jedoch eintraf, erkannten er und Mischa, daß seine Eltern nicht bereit waren. Bruder Hintze ordinierte ihn zum Priestertum, und am nächsten Tag hielten sie Versammlungen ab. Innerhalb von 24 Stunden schleppte man den Amerikaner jedoch vor die Magistratur und befahl ihm, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.<br />
Mischa veranlaßte ihn, diese 48 Stunden zu nutzen und ihm zu erklären, was die Missionare taten. Die Anweisungen waren einfach: „Bruder Markow, Sie sind Ältester in der Kirche Jesu Christi, und Sie haben die Vollmacht, zu taufen und zur Spendung des Heiligen Geistes die Hände aufzulegen. Sie sollen das Evangelium überall predigen, wo sich Ihnen die Möglichkeit dazu bietet” (Life and Historv. S. 52).<br />
Mischa leistete einen Eid, nicht sogleich nach Amerika auszuwandern, sondern erst zu predigen und zu taufen. Seine erste Reise führte ihn von Ungarn zu dem russischen Hafen Odessa am Schwarzen Meer und sodann nach England. Er sprach Serbisch, Bulgarisch, Ungarisch und Deutsch, jedoch nicht Englisch. Er reiste nach Antwerpen in Belgien, wo er Kontakt zu der deutschen Kolonie aufnahm. „Sie haben mir nicht zugehört, weil ich ihnen so simpel vorkam&#8221;, hat er gesagt. Und er hat hinzugefügt: „Ich betete, der Herr möge mir offenbaren, ob es in der Stadt Leute gäbe, die das Evangelium annehmen würden. Und der Herr offenbarte mir, daß es einige gäbe, die das Evangelium annehmen würden. Auch offenbarte er mir, daß ich als erster die Mission in Belgien eröffnen würde, und ich betete erneut, der Herr möge mir zeigen, wo ich diejenigen finden könne, die das Evangelium annehmen würden&#8221; (Lift and Ilistory, S. 53 f.).<br />
Der Geist führte ihn zu einer Parkbank, wo er einem Mann namens Karl Beckhaus begegnete. Dieser war für die Botschaft des Evangeliums so ansprechbar, daß er Tränen in den Augen hatte (s. Life and Historv, s. 54). Am nächsten Tag lernte Mischa Karl Beckhaus&#8217; Familie kennen. Sie war schnell bekehrt, doch wurde die Taufe aufgeschoben. Karl Beckhaus und Henriette Eselmann, die Frau, mit der er zusammenlebte, waren nicht verheiratet, und Mischa weigerte sich, sie zu taufen. Empört versuchte Beckhaus, gerichtlich gegen Mischa vorzugehen, jedoch ohne Erfolg. Henriette Eselmann wurde am 17. Oktober 1888 mit ihrem ältesten Sohn, Friedrich, getauft. Zwei Tage später wurden drei ihrer Töchter getauft. Nach zwei Wochen schloß sich ihnen Karl Beckhaus an, der sich inzwischen gedemütigt hatte, und Mischa amtierte bei ihrer Trauung.<br />
Als Mischa kein Geld mehr hatte, sah er ein, daß er zum Balkan zurückkehren mußte, um zu arbeiten. Er bat darum, daß man von der Schweiz-Deutschland-Mission Missionare nach Belgien senden möge. Als drei Missionare eintrafen, hatte die Familie Beckhaus Empfehlungen zusammengestellt, die zu 80 Taufen führten.<br />
Nachdem Mischa genug Geld verdient hatte, wanderte er aus. Am 17. Oktober 1892 traf er in Salt Lake City ein. Er machte ein Friseurgeschäft auf und heiratete am 24. Mai 1893 Nettie Hansen, eine Bekehrte aus Norwegen. Es war das fünfte Ehepaar, das in dem gerade geweihten Tempel in Salt Lake City getraut wurde. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Mischa wurde amerikanischer Staatsbürger. Nachdem man ihn 1899 zum Siebziger ordiniert hatte, berief man ihn auf seine erste offizielle Mission. Europa war inzwischen in mehrere Missionen eingeteilt worden, doch war in seinem Ernennungsschreiben nur von Europa die Rede. Während der nächsten zwei Jahre sollte er in mehreren Missionen arbeiten.<br />
Im Mai 1899 predigte er in Serbien, dem heutigen Südteil Jugoslawiens, zahlreichen interessierten Zuhörern. Drei Monate später wurde er vom Obersten Gerichtshof Serbiens nach Ungarn ausgewiesen. Schon nach einem Monat wurde er in Ungarn als Anarchist verhaftet und in eine Einzelzelle gebracht, während die Beamten einen Händler ausfindig machten, der genug Englisch konnte, um seine Papiere zu prüfen. Im Juli 1899 wurde er aus Ungarn ausgewiesen. Er dankte Gott, denn: „Je mehr man mich verfolgte, desto stärker fühlte ich mich. Ich war vollkommen zufrieden und vergoß Freudentränen” (Life und Historv, S. 61 f.).<br />
Nun ging er nach Istanbul, wo sein alter Freund, F. F. Hintze, Missionspräsident war. Nach einer Woche reiste er nach Rumänien ab. Er nahm Argir Dimitrov mit. einen Bulgaren, der gerade die Kirche prüfte. Nachdem Mischa ihn am 30. Juli 1899 getauft hatte, wurde er sein erster Mitarbeiter. Zwei Wochen später tauften sie noch jemand in Bukarest. Dann hörten die Erfolge auf.<br />
Wie immer verlegte sich Mischa aufs Beten. Am 10. Dezember 1899 wurde er dafür mit einem lebhaften Traum belohnt, der viele Einzelheiten enthielt. In diesem Traum besuchte er eine Familie, obwohl andere starken Widerstand dagegen leisteten. „Als in dem Traum eine Tür aufging, sah ich eine alte Dame an einem kleinen viereckigen Tisch sitzen. Sie .stützte den Ellbogen auf den Tisch. Ich ging auf die Dame zu. Dann schaute ich mich um und sah eine junge Frau. Diese schloß die Tür, schaute mich an und lächelte ein wenig. Ich fragte die alte Dame, ob sie eine Bibel habe. Sie bejahte dies und befahl der jungen Frau, die Bibel zu holen. Die junge Frau holte die Bibel und gab sie mir. Ich öffnete die Bibel und fing an, ihnen zu predigen. Sie waren überglücklich, und wir freuten uns alle.”<br />
Anscheinend wußte er, welche Familie es war. Zumindest wußte er, wo sie wohnte, denn er ging geradewegs zu der Tür und klopfte an. Der Traum erfüllte sich in allen Einzelheiten. Zwei Monate später wurden die Frau, ihre Tochter und zwei andere Personen getauft (s. Life und Histony, 5.62–64). Allein schon diese Taufen stärkten den Glauben der Missionare. Es war Februar 1900. Mischa mietete für den Gottesdienst ein Badehaus und begleitete seine Bekehrten dorthin. „Als wir losgingen, fühlte ich, daß mich jemand begleitete, aber ich konnte ihn nicht sehen. Dann blickte ich nach vorn und sah vor mir einen Mann&#8230; und zwar an der Stelle, wo die Taufen stattfinden sollten. Dann verschwand er&#8230; Der Geist des Herrn flüsterte mir zu, es sei der Engel Gottes, und ich solle mich nicht fürchten. Ich fühlte Kraft in mir und war voller Freude” (Life und Historv. S. 64).<br />
Später taufte er noch fünf Personen. Wenn sich der kleine Zweig versammelte, wurde Rumänisch, Deutsch, Bulgarisch und Griechisch gesprochen. Infolge der wachsenden Zahl der Mitglieder wurde die Kirche bekannt, und so wurde Mischa erneut verhaftet. Man stellte ihn zuerst vor ein Amtsgericht und sodann vor ein Appellationsgericht. Als er mitten in dem runden Gerichtssaal mit den imposanten Möbeln und der hohen Decke allein dastand, geschah folgendes: „Über mir stand jemand in der Luft, der weiße Kleider wie die Tempelkleider trug. Er stärkte mich, und so fühlte ich mich stark, und der Geist des Herrn ruhte auf mir.&#8221;<br />
Er fing an, die ersten Grundsätze des Evangeliums darzulegen und über den Glaubensabfall und die Wiederherstellung zu sprechen. Die Szene erinnerte merkwürdig daran, wie Paulus vor dem Sanhedrin erschienen war, denn die Richter fingen selbst an, sich über den Glaubensabfall zu streiten. Mischa wurde für mehrere Tage bei Wasser und Brot inhaftiert, und danach wies man ihn erneut aus (s. Lift rund Historv, S. 66 f.).<br />
Er ging nach Bulgarien, wo ihm mehrere Geistliche gestatteten, nach dem regulären Gottesdienst zu ihrer Gemeinde zu sprechen. Bei der Polizei meldete er sich als Missionar an. Die Polizei nahm an, er gehöre zu einer der vielen protestantischen Sekten, und nahm keine Notiz von ihm.<br />
Dabei blieb es jedoch nicht lange. Ein protestantischer Pfarrer widersprach Mischa, beleidigte ihn und ging fort, indem er schwor, ihm Einhalt zu gebieten. Überfüllte Versammlungen waren die unmittelbare Folge, denn der Pfarrer hatte in den Zeitungen in mehreren Sprachen Anzeigen veröffentlicht, worin er den Leuten warnend nahelegte, sich von den Mormonen fernzuhalten, und den Ort dieser „gefährlichen&#8221; Versammlungen nannte. Als Mischa dem Mann auf der Straße begegnete, dankte er ihm erfreut für die kostenlose Werbung&#8230;<br />
Es waren aber auch andere Geistliche beunruhigt darüber, daß die Mormonen populär wurden, und so ließen sie Mischa wegen der Anschuldigung verhaften, daß er sich als Missionar der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und nicht als Mormone angemeldet habe. Der Trick funktionierte. Obwohl ihm die Richter wohlwollend gesinnt waren und er viele Male Berufung einlegte, wurde er aus Bulgarien ausgewiesen. Ein Traum führte ihn nach Temeschwar in Ungarn, wo er am 3. September 1900 eintraf. Mischa fand, daß er einen Mitarbeiter brauchte, und so wies ihm die Deutschland-Mission Hyrum M. Lau aus Soda Springs in Idaho zu. Innerhalb einiger Wochen wurde ihnen befohlen, ihre Pässe und ihre Missionarsausweise abzuliefern. Mischa wußte, was das bedeutete, und so arbeiteten sie fieberhaft weiter und hielten die Behörden auf legalem Wege so lange wie möglich hin. Dann befahl man ihnen, das Land innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Und zwar bis zum 1. April 1901. Am 30. März tauften sie im Schutze der Dunkelheit zwölf Personen. Sie ordinierten zwei Bekehrte, die über den kleinen Zweig von 31 Personen wachen sollten, und reisten aus Ungarn nach Deutschland ab.<br />
Endlich war Mischa in einer regulären Mission. Man beauftragte ihn, in München als Zweigpräsident zu fungieren. Er taufte noch vier Personen, bevor er nach Salt Lake City zurückkehrte, wo er am 28. August 1901 eintraf.<br />
Fast genau zwei Jahre später, am 3. August 1903. reiste Mischa zu seiner zweiten Mission ab. In Liverpool beauftragte ihn Bruder Francis M. Lyman vom Rat der Zwölf Apostel, der Präsident der Europäischen Mission, unter der Leitung von Hugh J. Cannon zu arbeiten, dem Präsidenten der Deutschland-Mission, und zwar mit einem besonderen Auftrag: Rußland.<br />
Er reiste sogleich ab. In Ungarn verweilte er fünf Wochen, um zu arbeiten; dann begann er in Riga in Rußland zu missionieren, indem er einer deutschen Kolonie predigte. Als er sich bei der Polizei anmeldete, erfuhr er, daß es sein Glück war, daß er zu den Deutschen gegangen war. Wer nämlich offen die Vollmacht oder die Lehre der russisch-orthodoxen Kirche in Frage stellte, wurde mit zweijähriger Verbannung in Sibirien bestraft, und wer einen russischen Staatsbürger als Mitglied einer anderen Konfession taufte, wurde mit zwölf Jahren Sibirien bestraft. Für Deutsche galten diese Beschränkungen aber nicht.<br />
Er setzte seine Arbeit in der deutschen Kolonie fort, bis seine Erfolge — die bekannte Geschichte — deren Geistliche alarmierte und er wieder vor Gericht stand. Der freundliche Richter erklärte, wie er Berufung einlegen könne. Mischa wandte sich mit der Bitte an einen Rechtsanwalt, ihn zu vertreten. Da erfuhr er, daß niemand einen Mormonen vertreten würde. Manchmal verschwänden Leute einfach, die sich für eine unpopuläre Sache einsetzten, vor allem, wenn sie es für einen Ausländer täten. Das Risiko würde niemand eingehen.<br />
Genau einen Monat nach seiner Ankunft reiste Mischa zur Türkei-Mission ab. Auf sein Ersuchen wurde er einem schwierigen Gebiet zugewiesen. Bis zu seiner Entlassung am 1. November 1905 meldete er zehn weitere Taufen.<br />
Mischas Geschichte geht so aus, wie sie auch für den Apostel Paulus hätte ausgehen können, wenn er zu einem Sammlungsort der Kirche in einem freien Land hätte zurückkehren können. Mischa ließ sich als Friseur in Salt Lake City nieder. Aus den Unterlagen seiner Gemeinde geht hervor, daß er ein getreuer, eifriger Heimlehrer war. 1919 wurde er zum Hohen Priester ordiniert. 1934, 33 Jahre nach seiner zweiten ereignisreichen Mission verstarb er.<br />
Daß seine letzten Jahre so ruhig verliefen, paßte recht gut zu seiner Lebensaufgabe, denn er war stets um Christi willen und nicht um seiner selbst willen so kühn gewesen.<br />
<font face="arial,helvetica,sans-serif"><font size="2"><em>Wiliiam Haie Kahr, Februar 1981</em></font></font></font></font></font></p>
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		<title>Der tobende Norman</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 19:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mormonen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>

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		<description><![CDATA[<font size="3" face="tahoma,arial,helvetica,sans-serif"> Der sch&#246;ne Ausflug wurde zu einem schrecklichen Kampf ums &#220;berleben, einem Kampf gegen eisigen Regen und tobende Fluten. Durchn&#228;&#223;t und ersch&#246;pft sahen sich die Pfadfinder vor die einfache Wahl gestellt: Unterschlupf finden oder sterben.</font><font size="3"><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="tahoma,arial,helvetica,sans-serif" size="3"> Der schöne Ausflug wurde zu einem schrecklichen Kampf ums Überleben, einem Kampf gegen eisigen Regen und tobende Fluten. Durchnäßt und erschöpft sahen sich die Pfadfinder vor die einfache Wahl gestellt: Unterschlupf finden oder sterben.</font></p>
<p><font face="arial,helvetica,sans-serif"><font size="3">Im Sierra-Gebirge dauert ein sommerlicher Regen gewöhnlich nur ein paar Stunden. Deshalb machte ich mir keine Sorgen, als es zu regnen anfing. Ich sagte den Jungen, daß sie ihr Gepäck aufschnallen sollten und daß wir im Regen zu den hochgelegenen, abgeschiedenen Seen im Bench-Tal wandern würden, die auf einen guten Fischfang hoffen ließen. Nach vier Tagen Wandern und Kampieren wußten wir nicht, daß Kalifornien gerade von dem tropischen Sturm „Norman&#8221; heimgesucht wurde. Der „Tobende Norman” schickte sich an, sich in ganz Kalifornien auszutoben: mit Regen, Wind und mit Wellen, die die Schiffe schaukeln ließen. Doch an jenem ersten Montag im September genossen wir noch den kühlenden Regen.<br />
Eine Woche im Sierra-Gebirge – das war für mich als Bischof und die sechzehn- und siebzehnjährigen ein alljährlicher Ausflug geworden. Als Teenager war ich schon oft im Sierra-Gebirge gewandert. Jetzt, als Bischof, fand ich, daß ich durch die Wanderungen den Jungen näherkam, als es anders möglich wäre. Es war mein sechster Ausflug als Führer der Kirche und bisher einer der leichtesten. Erstens halten mir zwei ältere Erwachsene, Bruder Rich und Bruder Christiansen. Zweitens hatte ich sieben der Jungen schon vorher dabeigehabt.<br />
Nur für zwei 14jährige war dies die erste Wanderung im Sierra-Gebirge. Der eine, Steven Knight, hatte diesen Plan schon, seit sein Bruder hm nach dem vorjährigen Ausflug begeistert vom Angeln, von der Kameradschaft und von der schönen Natur erzählt hatte, Steven Knight und Kurt Moodv, der andere erstmalige Teilnehmer, waren richtig hingerissen. Ich stellte fest, daß ihre Unerfahrenheit die üblichen kleinen Probleme mit sich brachte, die sich bei jedem Anfänger stellen: sie machten gelegentlich Fehler, sie klagten über das mühselige Schleppen des Rucksacks, und sie hatten wunde Knöchel und steife Muskeln. Doch insgesamt machte uns der Marsch von elf Kilometern an jenem Tag allen Spaß. Wir überquerten mehrere Bäche, gingen über eine große Wiese und schafften den steilen Aufstieg zum Bench-Tal.<br />
„Noch nicht das Lager aufschlagen. Jungens&#8221;, war meine Anweisung. „Wir wollen keine nassen Zelte, solange wir es verhindern können. Laßt euren Poncho an und wartet, bis es vorbei ist.&#8221;<br />
Ich glaubte immer noch, der Regen würde bald aufhören — wie immer, wenn ich dort war. Als es später am Nachmittag immer noch regnete, schlugen wir doch das Lager auf.<br />
„Spaltet ein paar Holzklötze, damit wir trockenes Holz bekommen. Dann wollen wir Feuer machen&#8221;, ordnete ich an. „Geht es im Regen denn nicht aus?&#8221; fragte Jim.<br />
„Baut das Feuer dicht bei der Felswand dort. Da ist es etwas vor dem Regen geschützt. Wir werden das Feuer so groß halten, daß es trotz des Regens weiterbrennt.&#8221;<br />
Nach einem durchweichten, aber warmen Abendbrot krochen wir in unsere Zelte, um das Ende des Sturms abzuwarten. Es kam Wind auf, und es regnete und regnete.<br />
„Bruder Brown!&#8221;<br />
Ich wachte auf. Es war noch Nacht, und es regnete immer noch. Steven stand zitternd und naß draußen vor meinem Zelt.<br />
„Unser Zelt ist undicht. Ich bin ganz n-n-naß und kalt.&#8221;<br />
Ich steckte Steven zu Steve Rich, mit dem ich mein Zelt teilte. Ich wußte nicht, daß Steven die Einstieglasche seines Zeltes offengelassen hatte. Den Rest der Nacht regnete es weiter durch — auf Kurt, seinen Zeltgenossen.<br />
Mehrere Stunden später wachte ich mit dem Gefühl auf, unter etwas Nassem zu ersticken. Der Wind hatte die Zeltpflöcke aus der Erde gerissen, weil diese zu naß war, um ihnen Halt zu geben. An einem Ende war das Zelt zusammengefallen, so daß sich das darauf angesammelte Wasser über uns ergoß. Ich wühlte mich nach draußen und machte die Pflöcke wieder fest. Auch brachte ich das Feuer wieder in Gang. Als ich zu meinem Zelt zurückkam, war das andere Ende zusammengestürzt. Ich stellte es wieder auf und kroch hinein. Es dauerte lange, bis ich mich wieder warm fühlte. Alles war naß im Lager, als der Morgen dämmerte. Als Keith und Mark Nelsen aufwachten, stellten sie fest, daß sich neben ihrem Zelt, höchstens 1.5 Zentimeter davon entfernt, ein Teich bildete. Zwischen zwei anderen Zelten floß ein neuer Wasserlauf hindurch. An der Felswand, die das Gepäck hatte schützen sollen, strömte das Wasser herab und durchnäßte das Gepäck. Der Schlafsack der meisten Jungen war naß. Von den Felsklippen, die uns umgaben, flossen Wasserfälle ins Tal hinunter. Es war ein eindrucksvolles, aber auch furchterregendes Schaupiel.<br />
„Wir sollten machen, daß wir hier wegkommen”, sagte Bruder Christiansen, „sonst werden wir noch vom Wasser eingeschlossen”.<br />
„Sind wir nicht ziemlich hoch?” fragte Steve Young. „Der Regen könnte in Schnee übergehen. Dann sitzen wir noch in einem Schneesturm fest.”<br />
Beide hatten recht. Wir beschlossen, mit dem Abstieg zu beginnen. Unten würden wir besseren Unterschlupf finden, und es würde nicht so kalt sein. Hastig brachen wir das Lager ab.<br />
„Wieviel von diesen Lebensmitteln sollen wir mitnehmen? Wir müssen doch nicht alles zurückschleppen, oder?&#8221; fragte Steve Rich.<br />
„Nein, wir nehmen nur mit, was wir brauchen&#8221;, stimmte ich zu.<br />
„Laßt uns heute den ganzen Weg bis zu den Autos gehen. Ich habe genug von diesem Regen&#8221;, brummte Cornell Hansen.<br />
Die Jungen stimmten alle laut zu. Aber ich war mir nicht sicher.<br />
„Ich weiß nicht, ob wir bei diesem Regen heute die ganzen 30 Kilometer marschieren können”, sagte ich. „Wir sollten uns lieber für vier Mahlzeiten eindecken, falls wir aufgehalten werden.”<br />
„Ach, Bischof, muß das sein?“<br />
„Ja, es muß sein. Also los jetzt!&#8221;<br />
Der Marsch wurde bald zu einem Alptraum. Unsere Furcht vor Überschwemmungen war begründet. Kleine Bäche, durch die wir hindurchgegangen waren, ohne uns die Hosenumschläge naß zu machen, waren zu reißenden Flüssen geworden, die an uns zerrten und versuchten, uns hinabzuziehen. Überall waren Wasserfälle. Der Pfad war selbst zu einem Wasserlauf geworden, und es war schwierig, ihm zu folgen. Der Wind peitschte uns Zweige in den Weg. Wir verpaßten unsere Abzweigung und gingen den weiteren Weg zur Maxon-Wiese hinunter. Ich erinnerte mich vom vorigen Jahr her an eine Försterhütte auf dieser Wiese. Vielleicht konnten wir dort Zuflucht suchen. Wir schleppten uns in dem kalten Wind und Regen dahin. Als wir endlich eine Stelle erreichten, von der aus wir die Wiese überblicken konnten, blieben wir entsetzt stehen.<br />
„Seht mal, das ist ja ein See!&#8221;<br />
Die Wiese stand in der Tat knietief unter Wasser. Die Hütte sah wie eine seltsame Arche aus. Das steigende Wasser plätscherte gegen das Fundament. Wir wateten durch den Sec und gingen weiter.<br />
Oft stand der Pfad jetzt hüfttief unter Wasser. Wir fühlten uns alle kalt und elend.<br />
„Einfach immer weiter, Jungens”, sagte ich anfeuernd. „Dann kommen wir aus diesem Schlamassel raus.”<br />
Aber ich hatte nicht mit dem Fall Creek gerechnet. Auf dem Hinweg war es noch ein schmaler Bach gewesen, durch den wir hindurchgewatet waren. Er war nur drei Meter breit und 30 Zentimeter tief gewesen. Jetzt war er ein reißender, schäumender Strom und 30 Meter breit. Das Wasser würde uns reichlich bis über den Kopf gehen.<br />
Wir mußten durch den Fluß hindurch. Unsere Situation wurde kritisch. Wir waren naß und ausgekühlt, und es gab keine Möglichkeit, uns abzutrocknen und aufzuwärmen. Die meisten Jungen hatten einen naßen Schlafsack, wir hatten keinen trockenen Unterschlupf, und alles Holz war durchweicht oder unter Wasser. Solche Wassermassen sind einfach unvorstellbar.<br />
Wir mußten über den Fluß hinüber. Aber wir konnten nicht hinüber. Zum Waten war er zu tief, zum Schwimmen zu reißend. Eine Brücke konnte man nicht schlagen, dazu war er zu breit. Weiter oben kam der Fluß durch eine tiefe Felsenschlucht herab. Dort konnten wir ihn auch nicht überqueren. Ich betete zum Vater im Himmel, daß ich wie Mose das Wasser irgendwie teilen könnte. In der Hoffnung, einen Übergang finden zu können, gingen wir flußabwärts.<br />
Nachdem wir etwa 400 Meter gegangen waren, entdeckte Bruder Rich eine riesige Kiefer, die „zufällig” den Fluß überbrückte. Wir hatten schon öfter Kiefern gesehen, die einen Wasserlauf überbrückten, aber keine war so groß gewesen wie dieser riesige alte Baum. Zwar reichte er nicht von Ufer zu Ufer, doch waren beide Enden an so flachen Stellen, daß wir sie erreichen konnten, wenn wir hüfttief durch das Wasser wateten.<br />
Bruder Rich versuchte den Übergang als erster, um zu sehen, ob er sicher war. Als er auf die Kiefer stieg, wippte sie im Wasser zwar auf und ah, blieb aber an ihrem Platz. Behutsam arbeitete er sich voran und kam sicher hinüber. Dort stieg er hinunter und watete durch die Bäume zu höherem Terrain, bis wir ihn nicht mehr sahen.<br />
Ich versuchte den Übergang als dritter. Nach ein paar Schritten blieb ich stehen. Ich hatte das Gefühl, die zwei Jüngeren würden es ohne Hilfe nicht schaffen. Ich drehte mich um, aber hinter mir waren schon andere auf dem Baumstamm.<br />
,.Keith&#8221;, rief ich. Der große Blonde schaute auf. „Geh zusammen mit Steven rüber und hilf ihm, wenn er nicht klarkommt!” Er nickte.<br />
„Und Jeff, du gehst mit Kurt!&#8221;<br />
„Wird gemacht”, antwortete Jeff. Keith und Steven begannen den Übergang auf dem schlüpfrigen Baumstamm. Äste, Zweige und allerlei anderes, was die Flut herabspülte, blieben an den Zweigen des umgestürzten Giganten hängen.<br />
„Tritt dahin”, sagte Keith.<br />
Steven machte einen Schritt, doch hatte er Keiths Weisung mißverstanden. Der Ast verschwand unter dem schäumenden Wasser und Steven mit ihm. Sein Gepäck zog ihn ganz unter Wasser. Die Strömung begann ihn unter den Baumstamm zu drücken. Es drohte die Gefahr, daß er nicht mehr herauskam und ertrank. Keith reagierte schnell. Er langte hinunter und packte Stevens Rucksack. Mit einem kräftigen Ruck zog er ihn zurück auf den Baumstamm.<br />
Sie hatten nun Angst, aber es gab keine andere Möglichkeit, als weiter über den Baumstamm zu gehen. Für Steven war die Gefahr noch nicht vorüber. Er trat auf einige Äste, die unter ihm wegschnellten. Abermals fiel er ins Wasser und wurde wieder fast unter den riesigen Baum gedrückt. Erneut langte Keith hinunter und zog ihn heraus.<br />
Jetzt traute sich Steven keinen Schritt mehr voran. Keith half ihm weiter, indem er ihm das Gepäck trug. Ohne dieses zusätzliche Gewicht schaffte Steven dann den gefährlichen Weg und brachte sich in Sicherheit.<br />
Als Steven festen Boden erreicht hatte, fing er an zu zittern. Er war völlig ausgekühlt und hatte anscheinend einen Schock erlitten, weil er fast ertrunken wäre.<br />
„Wir wollen dir mal ein paar trockene Sachen verpassen&#8221;, sagte ich aufmunternd und versuchte so, ihn von der überstandenen Gefahr abzulenken. Ich gab ihm mein Hemd und den trockenen Wollpullover, den ich trug. Einer der Jungen gab ihm eine trockene Hose aus seinem Gepäck.<br />
Während er sich umzog, kamen die anderen Jungen über den Baumstamm herüber.<br />
„Sei vorsichtig”. sagte Jeff zu Kurt. „Du bist größer als Steven, und ich weiß nicht, ob ich dich rausziehen kann.&#8221; Sie fingen an, vorsichtig hinüberzugehen. Aber der schlüpfrige Baum bewegte sich. Kurt verlor das Gleichgewicht und fiel hinein. Er fing sich jedoch und ging nicht ganz unter, konnte wegen der starken Strömung und seines schweren Gepäcks aber auch nicht zurück auf den Baumstamm klettern. Jeff konnte ihn nicht heben. Mehrere Minuten mühten sie sich vergebens ab. Jeff hätte dabei selbst fast die Balance verloren. Schließlich nahm Jeff Kurt das Gepäck ab. Jetzt konnte Kurt herausklettern und den Fluß überqueren.<br />
Jetzt zeigte sich deutlich eine neue Gefahr. Kurt war nach dem eisigen Bad durchnäßt, ich hatte meine trockenen Sachen weggegeben, und Steven zitterte immer noch. Trotz seiner trockenen Kleidung zitterte er so sehr, daß er nicht sprechen konnte. Ich wußte, daß wir uns aufwärmen mußten, wußte aber nicht wie.<br />
Alles war naß die Ausrüstung und die Kleidung, das Holz und die Erde. Die Temperatur fiel, und der Wind verschlimmerte die Kälte. Das einzige, was mir in den Sinn kam, war: weitermarschieren. Bruder Rich und Bruder Christiansen waren der gleichen Meinung. Wir mußten herauskommen. Aber der Regen fiel immer noch, und die Flüsse schwollen an.<br />
Wir wanderten weiter. Mir wurde sehr kalt. Es fiel mir schwer, klar zu denken, und ich erkannte darin ein Anzeichen von Unterkühlung, worüber ich erschrak, denn wenn die Körpertemperatur sinkt, verliert der Körper die Fähigkeit, sich zu erwärmen. Für einen durchnäßten Wanderer ist dies sehr gefährlich, und ich war mir nicht sicher, ob die beiden Jüngeren es schaffen würden.<br />
Ich schickte ein paar größere Jungen mit dem Auftrag vor, nach trockenen Holz und nach einer Stelle zu suchen, die nicht von Wasser bedeckt war. Und ich betete. Ungefähr 15 Minuten später holten wir sie ein. Sie hatten einen umgestürzten Stamm gefunden.<br />
„Wir haben ihn aufgespalten”, sagte Jeff. „Wir haben etwas trockenes Holz aus der Mitte herausgeschält, aber unsere Streichhölzer gehen alle nicht.”<br />
„Hier”, sagte ich, während sie zur Seite traten, „ich mach&#8217;s mit meinem Feuerzeug.&#8221;<br />
Ich knipste das Feuerzeug an. Nichts geschah. Klick! Immer noch nichts. Klick! Klick!<br />
„Vielleicht ist kein Benzin mehr drin&#8221;, meinte einer.<br />
„Unmöglich. Ich hab&#8217;s ja extra für diese Wanderung gekauft.&#8221; Ich knipste immer wieder. Es kam kein Feuer.<br />
Ich zog meine Streichhölzer hervor. Zum Glück waren sie noch trocken. Ich probierte eines. Es ging nicht an. Noch eines. Auch das ging nicht an. Ich versuchte es mit allen, aber keines wollte angehen.<br />
„Vater&#8221;, betete ich, &#8220;du weißt, daß wir Hilfe brauchen. Ich fürchte, diese beiden Jungen werden sterben, wenn sie sich nicht aufwärmen können. Wenn wir bei diesem Regen und Wind die Nacht im Nassen zubringen müssen, könnte ich auch sterben. Bitte hilf uns, Feuer zu machen, damit wir uns aufwärmen können. Wir brauchen deine Hilfe!&#8221;<br />
Wir probierten alle Streichhözer aus, die wir hatten. Nicht ein Funke kam. „Warum, Vater, warum? Ich bin ihr Bischof, und wir brauchen deine Hilfe. Warum wird mein Beten nicht erhört? Wir brauchen dich. Bitte wende dich nicht ab.&#8221;<br />
Die einzige Antwort war der brausende Wind.<br />
„Herr, jetzt hängt alles von dir ab. Ich weiß nicht mehr, was ich sonst tun soll.&#8221; Wir wanderten weiter. Ich zitterte jetzt heftig. Das Wasser auf dem Pfad reichte den Jungen zeitweise bis zur Brust. Nur die markierten Bäume hielten uns auf dem richtigen Pfad. Ich wußte, daß wir nicht den ganzen Weg hinaus wandern konnten. Die Jüngeren wurden langsamer. Vor uns lag noch ein Fluß. Er war größer als alle anderen. Er war bestimmt unpassierbar.<br />
„Was werde ich ihren Müttern sagen?&#8221; fragte ich mich sorgenvoll. „Wird dies das Ende aller Zeltwanderungen mit Jugendlichen der Kirche sein? Wie wird meine Frau mit unseren sieben Kindern zurechtkommen? Die kleine Melanie ist erst zwei Wochen alt. Ich werde sie nie kennen.&#8221; Es kamen immer neue, beängstigende Gedanken. Ich fuhr fort, unablässig und mit aller Kraft zu beten.<br />
Fast verzweifelt wanderten wir weiter, indem wir uns gegen den Regen neigten. Wir schleppten uns durch eine Wegkrümmung. Da stand eine Hütte. Es dauerte einen Augenblick, dies zu erfassen. Eine Hütte! Aus dem Schornstein kam Rauch. Von der überschwemmten Hütte auf der Maxon-Wiese abgesehen, war es wahrscheinlich die einzige Hütte im Umkreis von 30 Kilometern. Sie wurde von der Firma „Pacific Gas and Electric” betrieben, um den Schneefall im Winter zu messen.<br />
In der Hütte waren noch vier Wanderer, die hier Zuflucht vor dem Sturm gesucht hatten. Ein heißes Feuer brannte. Es waren ein riesiger Stapel Feuerholz, Abfalleimer voller Wolldecken und reichlich Lebensmittelvorräte da. Wir waren in Sicherheit.<br />
Als wir warm und trocken waren, dankte ich Gott für seine Barmherzigkeit. Mir war bewußt: Hätten wir Feuer machen können, so wären wir immer noch in dem Sturm und müßten um unser Leben kämpfen.<br />
„Vater. ich danke dir, daß du mein Bitten um Feuer nicht erhört hast. Wenn ich mich beklage und ‚Warum?&#8217; frage, dann hilf mir, daran zu denken: ich weiß nicht, was für eine Schutzhütte hinter der nächsten Wegkrümmung liegt.”<br />
Ich probierte mein Feuerzeug aus. Die muntere kleine Flamme flackerte beim ersten Versuch auf.<br />
Der Sturm hielt uns zweieinhalb Tage fest. Dann wanderten wir durch Schnee zurück.</font><br />
<em><font size="2">Sharon Brown, August 1981<br />
(nach Keith Browns Schilderung</font></em></font></p>
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